She'sPunk · Macht Ohnmacht

Macht-Ohnmacht Spiralen – toxisches Beziehungsmuster zwischen Männer und Frauen

Mann und Frau
Mann und Frau, Quelle: Shutterstock
Erschienen
Aktualisiert
Lesezeit6 Min · 1.171 Wörter

Gastbeitrag von Martina Lackner.

Macht-Ohnmacht-Spiralen sind Beziehungsmuster, die viele Frauen täglich erleben. Oft nehmen sie diese Spiralen nicht bewusst wahr, obwohl aggressiv, dominante, mächtige Männer sie in die Position der Ohnmächtigen drängen. Solche Muster sind für viele Frauen alltäglich und wirken normal. Aber es gibt „Tools und Werkzeuge“, um diesen Spiralen zu entkommen.

Viele Frauen haben Schwierigkeiten, sich emotional oder faktisch von machtvollen aggressiven Menschen vorwiegend Männern zu lösen. Oft hoffen sie, dass sich Beziehungen zu Chefs oder Partnern von alleine verbessern. Sie glauben an ihre Fähigkeit, das Gegenüber zu ändern und leiden lange still. Frauen sind oft fixiert auf männliche Partner, da sie glauben, ohne sie nicht vollständig zu sein. Diese Abhängigkeit basiert nicht nur auf finanzieller, sondern auch auf emotionaler Sicherheit. Viele Frauen suchen Schutz bei starken Männern, die jedoch oft ihre Macht ausspielen und die Frauen in die Abhängigkeit treiben.

Der Wunsch nach einem starken Mann

Frauen sind durch Schwangerschaft, Geburt und Kindererziehung physiologisch und psychisch belastet und suchen Schutz. Dies wird oft falsch ausgelegt und von Männern ausgenutzt. Frauen können jedoch für sich selbst sorgen. Der Schutzbedarf ist zeitlich begrenzt und das archaische Prinzip der Überlebenssicherung ist heute obsolet. Dennoch suchen Menschen und auch Frauen „starke Führer“, in der Hoffnung auf Rettung und Erlösung, und vermeiden Verantwortung für sich selbst.

Wie laufen Macht-Ohnmacht-Spiralen ab?

Diese Spiralen werden durch Hierarchien, Status und Rollen gefestigt. Sie entstehen emotional in Beziehungen und manifestieren sich im Laufe der Zeit. Frauen passen sich an, um geliebt zu werden oder bessere Jobs zu bekommen, während Männer dominieren. Dies zementiert vorgegebene Rollenbilder und führt zu Machtmissbrauch. Um negative Machtverhältnisse zu bewältigen, gibt es Strategien zum Ausstieg aus solchen Spiralen. 

Wenn Frauen die Macht übernehmen

Wenn Frauen mächtig werden, indem sie aus Macht-Ohnmacht- Spiralen aussteigen, verlieren alte Rollenbilder an Einfluss. Diese Rollenbilder haben lange Zeit von männlicher Macht und Selbstbewusstsein gelebt. Um diese Muster zu hinterfragen und zu durchbrechen, braucht es Selbstreflexion und Klarheit sowie Mut und Selbstbewusstsein. Wahre Macht kommt von innen. Äußere Macht zeigt sich durch Status, Geld und Einfluss. Wenn das äußere Umfeld keine Machtmöglichkeiten bietet, liegt der Schlüssel darin, innere Stärke zu entwickeln.

Unsere Gesellschaft hat kein positives Bild von Macht. Der Begriff ist oft negativ behaftet, weil Macht in einem patriarchalischen System oft missbraucht wird – durch Gewalt, Korruption und Unterdrückung. Um uns von diesen alten Rollenbildern zu befreien, müssen wir Macht neu definieren und mehr positive Vorbilder schaffen – vor allem weibliche Vorbilder. Macht muss in gute Hände kommen, wir brauchen eine gesunde Macht.  Der Weg dahin beginnt für Frauen mit innerer Stärke, Selbstbewusstsein und einem hohen Selbstwertgefühl. Daraus folgen auch mehr Frauen in Führungspositionen.

Wie geht Macht?

Die Macht von Frauen beginnt mit dem Verstehen von Zusammenhängen und Strukturen. Sie entfaltet sich durch die Übernahme von Verantwortung – für eigenen Bedürfnisse, Ziele und Wünsche, für mehr Wohlbefinden, Auskommen und Altersvorsorge. Es ist Zeit, aktiv zu werden, gute Bedingungen einzufordern und Potenziale auszuschöpfen, statt sich zwischen Karriere und Familie aufzureiben. 

Und sie beginnt mit dem Verstehen von Macht-Ohnmacht-Spiralen und wie man aus ihnen aussteigt:

Abstand halten

Macht will Nähe. Wer Macht haben will, braucht Menschen, die Befehle annehmen. Für Frauen heißt das, zuerst Abstand halten: „Setze dich bei Meetings nicht direkt gegenüber, sondern weiter weg. Halte diese Distanz: keine unnötigen Gespräche, keine zufälligen Treffen an der Kaffeemaschine. Mach dich rar und bleib aus dem Sichtfeld deines Chefs.“

Selbstbewusst auftreten

Macht erkennt Schwäche. Wer durch Körpersprache und Auftreten Unsicherheit zeigt, wird als Opfer gesehen: „Das darf dir nicht passieren. Sag dir innerlich: Mit mir nicht! Vermeide unsichere Haltungen wie schiefen Kopf und übermäßiges Lächeln. Zeige Selbstbewusstsein und lass es auch so aussehen. So wirst du weniger interessant für Machthaber.“

Kontakte minimieren

Macht will Kontrolle: „Reduziere deshalb den Kontakt zu Machthabern auf ein Minimum. Nimm nur an wirklich wichtigen Meetings und Veranstaltungen teil. Oder verlasse den Raum, wenn private Diskussionen mit deinem Partner zu nichts führen.“

Aufmerksamkeit entziehen

Macht will volle Aufmerksamkeit: „Unterbrich Monologe, wechsle das Thema oder geh kurz raus. Stör das System.“

Blickkontakt steuern

Macht sucht Blickkontakte, um dich zu kontrollieren: „Vermeide direkten Blickkontakt. Oder im Gegenteil, Macht vermeidet Blickkontakte: Solltest du das wahrnehmen, dann gehe in die Fixierung mit Blicken. Halte übermäßigen Blickkontakt.

Machtmuster erkennen

Macht folgt Mustern. Nach einem Streit kommt oft eine Versöhnung: „Erkenne diese Muster und störe sie. Zeige keine Bereitschaft zur Vergebung nach Aggressionen.“

Aggressionen klar begegnen

Macht duldet keinen Widerspruch: „Reagiere klar auf Aggressionen. Entwickle Sätze wie: So sprichst du nicht mit mir. Ich erwarte einen anderen Ton.“

Keine sexistischen Witze zulassen

Macht spielt oft mit sexuellen Fantasien: „Gib keinen Anlass dafür, weder durch Kleidung noch Verhalten. Bleib professionell.“

Souverän mit Fehlern umgehen

Macht sucht Schwächen und Fehler. Fehler sind menschlich: „Steh zu ihnen und lerne daraus. Zeige Souveränität, das macht dich stark.“

Unabhängigkeit zeigen

Macht will Besitz: „Zeige, dass du jederzeit gehen kannst, sei es finanziell oder emotional. Arbeite an deiner inneren Haltung und einem finanziellen Polster.“

Gegenwind geben

Macht erwartet keine Widerrede: „Kläre deine Position kurz und klar, ohne dich in lange Diskussionen zu verlieren.“

Raum verlassen bei Wutanfällen

Macht hat oft Wut in sich: „Verlass den Raum bei Wutausbrüchen. Distanz ist oft die einzige Lösung.“

Mit Angst umgehen

Macht spielt mit Angst: „Unterscheide zwischen realen und irrealen Ängsten und überlege, wie du dich absichern kannst. Nutze deine Ängste als Warnsignale und lerne, sie zu bewältigen.“

Macht keine Bedeutung beimessen

Machtvolle Menschen denken, sie sind bedeutend: „Erkenne, dass du der wichtigste Mensch in deinem Leben bist. Gib Machthabern nicht mehr Bedeutung, als sie verdienen. Du bist wichtiger als jeder machthungrige Chef oder Partner.“

Macht läuft oft lautlos ab. In Zeiten von Diversity, Gendersprache und Quoten mag es verwundern, sich mit dem Thema Macht zu beschäftigen. Vor allem junge Frauen denken, dass Gleichstellung, und damit auch Führung und Macht etwas sei, worüber man nicht mehr diskutieren und nachdenken müsse. Unternehmen und Vorgesetzte sind vorsichtiger geworden, mit Aussagen oder Verhaltensweisen, die gegen einen politischen Willen, und Trend sprechen. Zumal sie auch Fachkräfte brauchen. Jedoch sollte man sich davon nicht täuschen lassen. Zunehmende rechtsextreme Strömungen in Deutschland und Europa lassen die Demokratien ins Wanken bringen. Und damit auch Frauenrechte. Frauenrechte kann man sehr schnell zurückdrehen, wenn sich die Politik ändert. Und dann ist das zarte Pflänzchen der Führungs-Frauen und damit die Macht in Unternehmen in Deutschland Vergangenheit. Und nur weil Frauen Führungspositionen inne haben, bedeutet das noch lange nicht, dass sie Macht haben. Die wahre Macht liegt bei den Vorstandsvorsitzenden, den CEOs, den CFOs, aber selten im Personalverantwortungsbereich oder im mittleren Management. Und hier sitzen die Frauen.

Martina Lackner

Martina Lackner ist Psychologin, Autorin und Expertin für gesunde Machtstrategien.