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Mailbox-Dilemma: Warum du im Urlaub wirklich offline gehen solltest

Wie sollte man mit Mails im Urlaub umgehen?
Business Punk by KI Wie sollte man mit Mails im Urlaub umgehen?
Erschienen
Aktualisiert
Lesezeit4 Min · 841 Wörter

Zwei Drittel der Berufstätigen bleiben im Urlaub erreichbar – obwohl sie rechtlich nicht müssen. Welche Strategien wirklich helfen, den Arbeitsmodus zu verlassen und warum echtes Abschalten so wichtig ist.

Die Sonne brennt, der Strand lockt, doch das Smartphone vibriert: Eine neue Arbeitsmail ist eingegangen. Dieser Moment des Zwiespalts ist für viele Urlauber längst Realität geworden. Aktuelle Umfragen zeigen: Zwischen 65 und 66 Prozent der Berufstätigen bleiben auch in der Auszeit erreichbar – obwohl sie rechtlich nicht dazu verpflichtet sind. Die entscheidende Frage lautet nicht mehr, ob man im Urlaub erreichbar sein sollte, sondern warum so viele freiwillig auf echte Erholung verzichten.

Rechtslage klar: Urlaub bedeutet offline

Das Arbeitsrecht spricht eine deutliche Sprache: Während des Urlaubs besteht keine Pflicht zur Erreichbarkeit. „Eine Erholung ist nicht jedoch möglich, wenn der Arbeitnehmer in seinem Urlaub für den Arbeitgeber ständig erreichbar sein muss“, erklärt Stephan Hettmann, Fachanwalt für Arbeitsrecht gegenüber „sr.de“. Dies gelte grundsätzlich für alle Beschäftigten – auch für Führungskräfte. Ausnahmen seien nur in absoluten Notfällen zulässig oder wenn es sich um zusätzlichen, über den gesetzlichen Mindesturlaub hinausgehenden Urlaub handelt.

Dennoch zeigt sich in der Praxis ein anderes Bild. Eine „karriere.at“-Umfrage unter 990 Berufstätigen offenbart: 43 Prozent prüfen regelmäßig E-Mails oder sind telefonisch erreichbar, weitere 33 Prozent stehen zumindest für Notfälle zur Verfügung. Nur ein Viertel schaltet wirklich ab.

Hierarchie bestimmt Erreichbarkeit

Je höher die Position, desto schwieriger wird das Abschalten. Führungskräfte bleiben besonders häufig angebunden. Laut Bitkom-Umfrage sind ältere Erwerbstätige zwischen 50 und 64 Jahren mit 73 Prozent deutlich häufiger erreichbar als ihre jüngeren Kollegen zwischen 16 und 29 Jahren (51 Prozent).

Die Gründe für die freiwillige Erreichbarkeit sind vielschichtig. Viele Beschäftigte fühlen sich unter Druck gesetzt: 59 Prozent glauben, ihre Vorgesetzten erwarteten dies, 51 Prozent sehen diese Erwartung bei Kollegen und 46 Prozent bei Kunden. Diese wahrgenommenen Erwartungen schaffen ein Klima, in dem echtes Abschalten fast unmöglich erscheint.

Gesundheitsrisiko permanente Erreichbarkeit

„Die ständige Erreichbarkeit führt dazu, dass wir keine klare Grenze zwischen Arbeit und Freizeit haben“, warnt Ivon Ames, Vorständin der Sektion Wirtschaftspsychologie im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen, im Gespräch mit dem „sr.de“. Die Folgen sind gravierend: Erhöhtes Stresslevel, schlechtere Erholung und langfristig ein steigendes Risiko für Erschöpfung oder Burnout.

Selbst das kurze Checken von E-Mails hält das Gehirn im Arbeitsmodus. Eine Führungskraft bringt es gegenüber „karriere.at“ auf den Punkt: „Ich will für mein Team da sein – aber nach dem Urlaub bin ich meistens erschöpfter als davor.“ Die vermeintliche Verfügbarkeit aus Pflichtgefühl kann somit zum Bumerang werden.

Strategien für echte Erholungsphasen

Für Arbeitnehmer gibt es konkrete Strategien, um die Urlaubszeit tatsächlich zur Erholung zu nutzen:

Vor dem Urlaub:

  • Aktivieren Sie eine Abwesenheitsnotiz mit klarer Vertretungsregelung
  • Klären Sie mit dem Team, wer welche Aufgaben übernimmt
  • Entfernen Sie berufliche Apps temporär vom Privatgerät

Während des Urlaubs:

  • Schalten Sie das Diensthandy komplett aus oder lassen Sie es zu Hause
  • Deaktivieren Sie Push-Benachrichtigungen für berufliche Anwendungen
  • Planen Sie bewusste Offline-Zeiten ein

Nach der Rückkehr: Reservieren Sie einen halben Tag für die E-Mail-Aufarbeitung – Kommunizieren Sie klar, wann Sie wieder vollständig verfügbar sind

Besonders wirksam: Das Diensthandy und den Laptop konsequent zu Hause lassen. „Um einen tatsächlich erholsamen Urlaub zu gewährleisten und eine ständige Erreichbarkeit zu vermeiden, kann der Arbeitnehmer ein eventuelles Diensthandy und Dienstlaptop zu Hause lassen“, empfiehlt Arbeitsrechtsexperte Hettmann gegenüder „sr.de“.

Führungskräfte in der Verantwortung

Für Führungskräfte und Arbeitgeber ergibt sich eine besondere Verantwortung. Sie prägen durch ihr Verhalten die Unternehmenskultur maßgeblich mit. Wer sein Team im Urlaub in Ruhe lässt, wird meist auch selbst besser abschalten können. Konkret bedeutet das:

  • Respektieren Sie die Urlaubszeiten Ihres Teams – keine Anrufe oder Mails
  • Kommunizieren Sie klar: Urlaub bedeutet offline sein
  • Planen Sie Übergaben und Vertretungen rechtzeitig
  • Ermutigen Sie Ihr Team zur echten Erholung

Die Psychologin Ames betont bei „sr.de“: „Es muss im Team gelebte Kultur sein, dass man von den Mitarbeitenden nicht erwartet, erreichbar zu sein.“ Gleichzeitig liege es in der Eigenverantwortung jedes Einzelnen, das auch anzusprechen und einzufordern.

Ausblick: Neue Modelle für gesunde Arbeitswelten

Die Zukunft der Arbeit wird maßgeblich davon abhängen, wie Unternehmen mit dem Thema Erreichbarkeit umgehen. Erfolgreiche Organisationen werden verstärkt auf breitere Verantwortungsverteilung und klare Vertretungsregelungen setzen müssen. Nur so können Mitarbeitende wirklich abschalten, ohne Angst vor dem Mailberg nach der Rückkehr haben zu müssen.

Die Pandemie hat gezeigt, dass flexible Arbeitsmodelle funktionieren können – nun gilt es, auch bei der Urlaubsgestaltung neue Wege zu gehen. Unternehmen, die konsequent auf echte Erholungsphasen setzen, werden langfristig von gesünderen, motivierteren und leistungsfähigeren Mitarbeitenden profitieren. Die Fähigkeit, digital zu entgiften und klare Grenzen zu setzen, wird zur Schlüsselkompetenz für die mentale Gesundheit in der modernen Arbeitswelt.

Quellen: karriere.at, derstandard.de, sr.de

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