Readly-CEO Maria Hedengren: „Die Verbraucher bevorzugen All-you-can-eat-Abonnements“
Maria, du hast mehr als 20 Jahre Berufserfahrung in der Technologiebranche. Warum hast du dich dazu entschieden, bei Readly anzufangen?
Ich liebe Zeitschriften und die Möglichkeit, die Zeitschriftenindustrie durch den Wandel vom Print zu Digital zu führen, war eine Chance, die ich mir nicht entgehen lassen wollte. Ich habe schon viele Erfahrungen gesammelt und eine Leidenschaft für schnell wachsende Technologieunternehmen. Und Readly konnte ein Wachstum von 54 Prozent im Vergleich zum Jahr 2018 erreichen.
Streaming-Plattformen wie Netflix und Spotify sind sehr beliebt – warum und wann hat dieser Trend deiner Meinung nach wirklich begonnen? War es eine soziale oder technologische Bewegung?
Ich glaube, es ist eine Industriebewegung, die von einem sozialen Bedürfnis angetrieben wird. Seit das Internet zu unserem Alltag gehört, haben wir gesehen, wie neue Dienste von passionierten Menschen kreiert worden sind, die Inhalte teilen möchten und einen einfachen Zugang zu Dingen verschaffen wollen, die sie interessieren. So war es auch bei Readly. Unser Gründer las gerne Zeitschriften im Urlaub und musste dafür immer alle Magazine einpacken. Das brachte ihn auf die Idee von Readly. Er suchte nach einer einfachen Lösung, um auf all seine Zeitschriften zugreifen zu können.
Warum ist Readly deiner Meinung nach erfolgreich?
Einer der stärksten Gründe ist, dass es das Lesen von Zeitschriften erleichtert hat. Wir haben eine digitale Plattform geschaffen, die den Lesern uneingeschränkten Zugang zu einer umfangreichen Sammlung bekannter Titel und Inhalte bietet, die sie lieben. Mit Readly richten wir uns sowohl an begeisterte Zeitschriftenleser, die alles an einem Ort haben, als auch an Gelegenheitsleser, die endlich die Möglichkeit haben, aus einigen der besten Magazine der Welt zu lesen. Die Verbraucher haben heutzutage einen hohen Anspruch und bevorzugen All-you-can-eat-Abonnements, die es ihnen ermöglichen, so viel Unterhaltung wie möglich an einem einzigen Ort durch Streaming-Services zu haben.
Welche Herausforderungen siehst du für die Zukunft des (Print-)Journalismus?
Der Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der Menschen und die Fülle an Informationen aus teilweise fragwürdigen Quellen wird voraussichtlich weiter zunehmen. Allerdings ist und bleibt der Journalismus in einer demokratischen Gesellschaft von entscheidender Bedeutung. Wir sehen auch ein steigendes Bewusstsein bei den Lesern dafür. Ich glaube, dass Verlage, die sich weiterhin auf ihre Kernaufgabe und qualitativ hochwertigen Inhalte konzentrieren und gleichzeitig die Realität annehmen, dass die digitale Welt der Ort ist, an dem sie ihren Lesern begegnen werden, diejenigen sind, die langfristig erfolgreich sein werden. Leser bei der Suche nach bestimmen Informationen zu unterstützen, zum Beispiel durch die Erschließung von Zielgruppen mit Nischeninteressen, ist eine Strategie, an die wir glauben.
Eure Benutzer sind in mehr als 50 verschiedenen Ländern ansässig. Seht ihr einen Unterschied im Verbraucherverhalten?
Es gibt eine Reihe von Unterschieden, aber auch viele interessante Gemeinsamkeiten. Die Unterschiede liegen vor allem darin, welche Kategorien in unseren Märkten am häufigsten gelesen werden und welche Wünsche unsere Kunden an das Portfolio haben. Leseverhalten, App-Nutzungsmuster und Kundenfeedback sind in unseren Märkten überraschend ähnlich. Es zeigt, dass in den meisten Fällen nicht wirklich Land, Alter oder Demografie darüber entscheiden, wie und was die Menschen lesen; es geht mehr um Interessen. Diese Erkenntnis ist es, die unsere Motivation antreibt, Readly noch stärker zu personalisieren.
Wie wollt ihr mit Big Playern wie Apple und Co. mithalten?
Vorreiter bei der Einführung einer ganz neuen Art des Konsums von etwas, das seit Jahrzehnten existiert, zu sein, erfordert viel Aufmerksamkeit und eine ganze Menge Aufklärung der Verbraucher. Obwohl wir angesichts des Wettbewerbs bescheiden sind, sehen wir dies auch als eine große Hilfe bei der Förderung des Zeitschriften-Streamings und als ein gute Möglichkeit für Readly. Allein, dass ein großer Player wie Apple eine Version von dem, was wir seit Jahren tun, erstellt, ist eine großartige Bestätigung für unsere Sache und Bemühungen.
Ihr habt mit dem Format READLY TALKS eine Podiumsdiskussion gestartet. Warum glaubst du, dass Offline-Events für ein Online-Unternehmen wichtig sind?
Wir sind sehr stark an Zeitschriften interessiert. Wir glauben, dass das Zusammenbringen von Menschen, um über Ideen zu diskutieren, wohin sich die Branche entwickelt, und um wichtige Trends bei den Bedürfnissen und Verhaltensweisen der Leser aus verschiedenen Perspektiven, online und offline, aufzuzeigen, nicht nur als Inspiration für uns bei Readly dienen kann, sondern auch dazu beitragen kann, die Zeitschriftenbranche als Ganzes zu stärken.
Letzte Frage: Was ist dein Lieblingsmagazin?
Es ist schwierig, bestimmte Titel auszuwählen, weil es so viele großartige gibt. Im Allgemeinen lese ich gerne viele Zeitschriften, die sich mit Mode, Innenarchitektur, Gesundheit und Fitness beschäftigen.