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Mark Zuckerberg macht jetzt auf Fashion, Baby!

Anja Horn / Business Punk
Anja Horn / Business Punk
Erschienen
Aktualisiert
Lesezeit6 Min · 1.120 Wörter

Mal ehrlich, wer musste da nicht erst mal ChatGPT prompten oder den Business Punk seines Vertrauens fragen: Greubel what? Eine Greubel Forsey also. Wer bisher dachte, dass nur die Welt kompliziert ist, merkt plötzlich, dass Uhren noch viel komplizierter sein können. Als Mark Zuckerberg jetzt die Zeitenwende auf seinen Sozialen Netzwerken verkündete und allen Fact-Checkern per Videoansprache kündigte, legte er sich eine 900.000 Euro teure Uhr dieser kleinen Schweizer Manufaktur ans Handgelenk. Eine Grande Complication, wie es in der Watchmaking World heißt, in 6000 Stunden Handarbeit gefertigt. Die Botschaft dahinter: Die Steve-Jobs-Ära im Silicon Valley ist endgültig over. Kein Nerd-Look mehr. Jetzt kommt Meta-Mark in Mode.

Als Kanzler Olaf Scholz kürzlich auch eine Zeitenwende im Deutschen Bundestag verkündete, hatte er sich style-technisch deutlich weniger Mühe gegeben. Grauer Anzug, weinrote Krawatte. Nicht mal eine dieser red Power-Ties, wie sie amerikanische Wahlkämpfer in schwierigen Zeiten gern tragen, hatte er sich gebunden. Olaf und der good old Germany Chic eben. Grau als Farbe der Hoffnung: Da muss man auch erst mal drauf kommen.

Meta-Chef Mark Zuckerberg durchlebt dagegen seine eigene Meta-Morphose. Ausgerechnet er, der Poster-Boy des Nerd-Looks. Der jahrelang immer nur die gleichen grauen T-Shirts überstreifte und eine eigene Philosophie daraus entwickelte, dass er sich beim Griff in den Kleiderschrank eben keine Gedanken machen wolle, was ihm denn nun am besten stehen könnte. Klar, er hat doch Wichtigeres zu tun. Weltretten und so. Voller Fokus darauf, acht Milliarden Menschen mit einem sozialen Netzwerk einzufangen. Bunte Hemden und Pullis können da doch nur ablenken. Wer kennt es nicht.

Im Silicon Valley braucht alles eine gute Story. Einen Elevator Pitch. Auch wenn die Offices in San Francisco gar nicht so hoch sind.

Steve Jobs – klar, das war der mit den schwarzen Rollkragenpullovern. Der Erfinder des Signature-Looks, wie es die Fashionwelt feierte. Die neue Uniform des Erfolgs. Old Economy-CEOs tragen teure Maßanzüge, New Economy Milliardäre Rollis. Simple kleiden, komplex denken. Jobs, die Jobmaschine. Er touchte alle auch ohne sein iPad. Und so musste der Apple schon aus Copyright-Gründen weit vom Stamm fallen: Mark blieb nur ein labbriges graues Shirt. Sein Post dazu: „Ich bin keine coole Person und habe auch nie versucht, cool zu sein.“

Jetzt hat Mister Facebook sein Update programmiert. Ein Glow-Up. Er sieht aus wie sein eigener Avatar mit Gen-Z-Locken statt Mirco-Pony und Bling-Bling wie ein echter Bro. 

Der Abschied vom Programmierer-Style. Zuckerberg inszeniert sich als Tech-Cäsar. Er trägt plötzlich overzised mit lateinischen Aufdrucken. Auf einer Meta-Konferenz schrie sein Shirt: „Aut zuck, aut nihil“. Was übersetzt so viel bedeutet wie: Entweder Zuckerberg oder nichts. Eine Anspielung auf das berühmte Zitat: „Aut caesar, aut nihil“, entweder Cäsar oder nichts. 

Zu seinem 40. Geburtstag war die Botschaft seiner Brust: „Carthago delenda est“, Karthago muss zerstört werden. Und die Brust ist deutlich breiter geworden. Cäsar-Zuck probiert sich neuerdings im Kampfsport und postet sogar Bilder davon.

Während sein Kollege Elon Musk in die Weltpolitik abbiegt, fährt Mark auf Fashion ab. Er schließt Partnerschaften mit Prada, Balenciaga und Thom Browne. Und designt sogar höchstpersönlich. Mit Mike Amiri, amerikanisch-iranischer Modedesigner, entwirft Zuckerberg eigene Kollektionen.  

Statt Blockchain setzt er neuerdings sogar auf Gold-Kettchen. Darauf graviert: Ein Gebet für seine beiden Töchter. „Ich singe es ihnen jeden Abend vor, wenn sie sie zu Bett bringe“, postet @zuck, wie er sich auf seinen Plattformen nennt. Es sei ein jüdisches Gebet namens Mi Shebeirach für Gesundheit und Mut: ‚Möge es uns gelingen, den Mut zu haben, unser Leben zu einem Segen zu machen. Ich habe es ihnen so ziemlich jede Nacht ihres Lebens vorgesungen, seit sie geboren wurden. Ich versuche, bei der Schlafenszeit dabei zu sein, und wenn ich Zeit mit meinen Kindern verbringe, bedeutet das mir und meiner Familie viel.“ Dafür lassen wir natürlich ein Herzchen auf Facebook und Instagram…

Stichwort Zeit: Da dreht Zuckerberg die Zeiger weiter. Auslöser war die Hochzeit des indischen Geschäftsmanns Anant Ambani, mit einem Vermögen von 120 Milliarden Dollar die reichste Familie Indiens. Stars wie Rihanna, Justin Bieber und Adele wurden extra dafür eingeflogen, auf der Einladungsliste auch Bill Gates, David Beckham sowie Mark Zuckerberg mit Ehefrau Priscilla Chan. Die beiden, so erzählten die teuren Gäste später, hätten Anbanis Uhr bewundert: Eine Richard Mille RM 30-01 für 300.000 Euro. Ein Anblick, der bei Zuck ein augenblickliches Software-Update auslöste. 

Zurück in Kalifornien, bestellte er sich eine Patek Philippe Ref. 5236P mit ewigem Kalender. Seitdem hat er seine Sammlung skaliert. Als Gast des YouTube Formats „Huge If True” erschien er mit einer F.P. Journe Chronometrè Souverain Havana aus Platin. Kein typisches Modell für einen frischen Sammler, Zuckerberg scheint sich mit der Materie wirklich beschäftigt zu haben.

So schauten Watch Lover auf der ganzen Welt bei seinem Neujahrs-Pitch jetzt auch mehr darauf, was er trug – als auf das, was er sagte. Seine Wahl für das Fake-News-Bekennervideo: Ein Knaller, lauter als jeder Silvesterböller. Eine Greubel Forsey, Model „Hand Made 1“. Nur zwei Exemplare gibt es davon auf der Welt. Kreiert in der Manufaktur Greubel Forsey im schweizerischen La-Chaux-de-Fonds. Absolute Handwerkskunst. Über 850 Komponenten, 95 Prozent davon handmade. Das bietet keine andere Schweizer Uhrenmarke. Kaufpreis: 900.000 Euro.

Rich Kids auf der ganzen Welt googelten sofort los: Greubel Forsey, gefoundet 2004 vom Franzosen Robert Greubel, der im Uhrmacherstore seine Vaters das Handwerk lernte und später bei IWC und Audemars Piguet perfektionierte. Sein Partner: Stephen Forsey. Engländer, groß geworden in der Restauration alter Uhrwerke. Zwei Innovatoren, spezialisiert auf High-End-Timepieces.

2004 haben sie bei der Baselword, der damals größten Uhrenmesse der Welt, ihre Double Tourbillon 30 präsentiert, ein Meisterwerk. Und eine andere Liga als alle anderen Trophy Watches. Dagegen wirkt selbst eine Rolex Daytona Black oder die von allen gejagte Patek Nautilus Stahl wie  ein Schnäppchen, auch wenn sie auf Plattformen wie Chrono24 trotz eines Ladenpreises von 33.000€ zwischenzeitlich für 195.000€ gehandelt wurde. 

Hier ist die Bel-Etage im Watch Game, hier spielen nur die ganz Großen: Im letzten Jahr haben sie bei Greubel Forsey mal kurz überlegt, ob sie die Durchschnittspreise vielleicht auf 500.000 Dollar pro Uhr senken sollten. Wozu? Nach Marks Zucker-Post, dass er alle Algorithmen für Fake-News freischaltet, ist der echte Hype da.

Michel Nydegger, CEO Greubel Forsey sagt: „Es ist eine Freude zu sehen, dass jemand, der die moderne digitale Landschaft so entscheidend mitgestaltet hat, den traditionellsten Ansatz der heutigen Feinuhrmacherei zu schätzen weiß.“

Ob Model-Mark noch ganz richtig tickt oder einfach nur teuer? Egal. Für eine 900.000 Euro Uhr muss auch er (Vermögen 211 Milliarden Dollar) hart arbeiten. Zumindest drei Minuten lang. Genug Zeit also für play hard.

Portrait Tom Junkersdorf

Tom Junkersdorf