Musk ist für die Telekom ein willkommener Partner
Elon Musk wird von Unternehmen und Institutionen in Deutschland kritisch beobachtet. Viele wenden sich von seinen Firmen und deren Produkten ab. Nicht so die Telekom: Ihre US-Tochter startet jetzt eine Kooperation mit Musks Satelliten-Dienst Starlink.
Apples iPhone kann neuerdings zum Satellitenfunknetzwerk Starlink Kontakt aufnehmen und dabei hilft die Deutsche Telekom. Die US-Telekom-Tochter T-Mobile bei einer Vorführung in den USA hat jedenfalls jetzt gezeigt, dass und wie es geht. In einer Phase, in der Multi Unternehmer-Elon Musk, der Starlink und die Mutterfirma SpaceX aufgebaut hat, in Deutschland wegen seiner politischen Aussagen kritisch betrachtet wird, geht Telekom-Chef Timotheus Höttges in die Gegenrichtung und stärkt die Verbindung zu Starlink und damit zu Musk.
Zuvor hatte T-Mobile USA bereits mit Samsung gearbeitet, um Starlink-Dienste anbieten zu können. Die Telekomtochter teilt jetzt mit, man habe mit der Installation des Systems bei „ausgewählten optimierten Smartphones“ begonnen. Der volle Start werde „die große Mehrzahl moderner Smartphones“ unterstützen. Anfangs dürfte es um das Versenden von Textnachrichten und Standorten gehen. Musk selbst hatte in dieser Woche jedoch mitgeteilt, die nächste Generation seiner Satellitens werde auch Videos mittlerer Auflösung übertragen können.
Die Idee hinter dem Satellitenfunk ist stets, eine Netzabdeckung außerhalb von Bereichen zu installieren, in denen es an regulären Anschlüssen fehlt. Die mehr als 7000 Satelliten, die in Ketten, sogenannten Starwalks, im Orbit fliegen, sind eine Ergänzung zum regulären Mobilfunknetz, was der Telekom wichtig sein dürfte, die sich schließlich nicht selbst Konkurrenz machen will. Bis zum Jahr 2027 sollen 12 000 Starlink-Satelliten im All sein. Sie befinden sich nicht – wie bei früheren Anbietern – in 36 000 Kilometern Höhe, sondern in nur etwa 500 Kilometern. Das hat für Nutzer einen unschätzbaren Vorteil: Die Signallaufzeit ist viel geringer. Denn statt 72.000 Kilometer zum Satelliten und zurück muss das Datensignal nur 1000 Kilometer bis zur Bodenstation zurücklegen. Die Reaktionszeiten etwa beim Aufbau von Internetseiten, aber sogar beim Gaming sind deutlich besser.
Die Telekom überzeugt die Technologie offenbar und sie integriert die Dienste der Musk-Firma in ihr System. Sie stimmt damit nicht ein in den Chor derjenigen, die Musk mal wegen eines ausgetreckten rechten Arms, der sie an den Hitlergruß erinnert, oder wegen eines öffentlichen Gesprächs mit AfD-Chefin Alice Weidel für einen Geschäftspartner halten, mit dem sich nichts mehr zu tun haben wollen. Ihre Ablehnung richtet sich insbesondere gegen Musks prominenteste Marke Tesla.
So teilten der baden-württembergische Energieversorger Badenova und der Hamburger Ökostromanbieter Lichtblick jüngst mit, künftig auf neue Autos der Marke zu verzichten. Die Drogeriekette Rossmann gab einen entsprechenden Beschluss bereits im vergangenen Sommer bekannt. Das niedersächsische Hausbauunternehmen Viebrockhaus entschied sich gegen Tesla-Batterien, als es darum ging, sie in Musterhäusern zu verbauen. „Das Handeln von Elon Musk, nun quasi in Regierungsfunktion, hat uns aufhorchen lassen“, zitiert der Spiegel Badenova-Vorstand Hans-Martin Hellebrand. Der Freiburger Energiemanager kritisiert, mit dem Wirken des US-Unternehmers werde der Wirtschaftsstandort Deutschland geschwächt. „Das werden wir nicht akzeptieren.“ Auch von Musks Kurznachrichtendienst X wenden sich einige Nutzer in Deutschland demonstrativ ab. So teilten in diesem Monat mehr als 60 Universitäten mit, X nicht mehr für Informationen aus ihrem Haus zu nutzen.