Neue Frühstart-Rente: So bekommen Kinder monatlich 10 Euro vom Staat
Ab 2027 zahlt der Staat jedem Kind monatlich zehn Euro fürs Alter. Klingt mickrig, könnte aber 53.000 Euro werden. Warum die Frühstart-Rente trotzdem nur die Hälfte der Wahrheit erzählt.
Zehn Euro im Monat – damit lässt sich heute kaum ein Kinobesuch finanzieren. Doch Bundesfinanzminister Lars Klingbeil verspricht: Aus diesem Taschengeld wird bis zur Rente ein Vermögen von 53.000 Euro. Die Frühstart-Rente soll rückwirkend zum 1. Januar 2026 starten – ein staatlich gefördertes Altersvorsorgedepot für Kinder ab sechs Jahren.
Das Bundeskabinett hat das Konzept bereits abgesegnet. Die Idee dahinter: Wer früh investiert, profitiert vom Zinseszinseffekt und verliert die Scheu vor dem Kapitalmarkt. Doch während die Politik von Chancengleichheit spricht, warnen Verbraucherschützer vor einem Programm, das vor allem Besserverdienende begünstigt.
Wie die Frühstart-Rente funktioniert
Der Staat überweist ab dem sechsten Geburtstag bis zur Volljährigkeit monatlich zehn Euro in ein Altersvorsorgedepot. Eltern können diesen Betrag aufstocken – die genaue jährliche Obergrenze wird in der finalen Gesetzesfassung festgelegt. Das Geld fließt in ein sogenanntes Standarddepot, das ausschließlich breit gestreute Fonds, ETFs und bestimmte Anleihen erlaubt. Einzelaktien, Kryptowährungen oder spekulative Produkte bleiben außen vor.
Die Kosten sollen reguliert werden – Details zur Kostenstruktur müssen der endgültigen gesetzlichen Ausgestaltung entnommen werden. Allein die staatlichen Einzahlungen summieren sich bis zur Volljährigkeit auf 1.440 Euro – mit Kapitalmarkterträgen kann das Depot deutlich höher liegen. Bis zum Renteneintritt könnten daraus etwa 53.000 Euro werden – vorausgesetzt, die Kapitalmärkte entwickeln sich positiv. Eine Renditegarantie gibt es nicht. Das Geld bleibt bis zum 65. Lebensjahr gesperrt, eine vorzeitige Auszahlung für Führerschein, Studium oder Immobilienkauf ist ausgeschlossen.
Wer profitiert – und wer nicht
Die Frühstart-Rente soll rückwirkend zum 1. Januar 2026 starten – zunächst für Kinder des Geburtsjahrgangs 2020. Für sie werden die Beträge rückwirkend zum 1. Januar 2026 gezahlt. Ältere Kinder gehen leer aus – ihre Eltern können zwar ein Depot eröffnen, erhalten aber keinen staatlichen Zuschuss.
Langfristig bekommen alle Kinder ab dem sechsten Geburtstag mit Wohnsitz in Deutschland die monatliche Förderung. Eltern müssen aktiv werden: Das Depot entsteht nicht automatisch. Beide Sorgeberechtigten müssen zustimmen, die Geburtsurkunde und die Steuer-ID des Kindes vorlegen. Wer kein Depot eröffnet, verliert den Anspruch auf die staatliche Förderung – eine kollektive Anlage durch die Bundesbank ist nicht vorgesehen. Die Frühstart-Rente wird über private Anbieter organisiert.
Kritik: Chancengleichheit oder Mitnahmeeffekt?
Klingbeil verkauft die Frühstart-Rente als Instrument für mehr Chancengleichheit. Doch Verbraucherschützer sehen das anders: Vor allem einkommensstarke Familien würden profitieren, die sich hohe Zuzahlungen leisten können. Wer monatlich nur die staatlichen zehn Euro einzahlt, baut zwar ein kleines Polster auf – doch von einem echten Vermögensaufbau kann keine Rede sein. Der Verbraucherzentrale Bundesverband kritisiert zudem die Produktkosten von einem Prozent als zu hoch.
Über Jahrzehnte frisst dieser Deckel einen spürbaren Teil der Rendite auf. Außerdem fehle eine umfassende Finanzbildungsstrategie. Statt Kompetenzaufbau gebe es nur Produktinformationen. Die Folge: Eltern ohne Börsenerfahrung bleiben verunsichert, während finanziell versierte Familien die Förderung maximal ausschöpfen. Die Frühstart-Rente droht so zum Mitnahmeeffekt für Besserverdienende zu werden – statt echte Chancengleichheit zu schaffen.
Kinderdepot als Alternative
Wer flexibler bleiben will, sollte ein klassisches Kinderdepot in Betracht ziehen. Dort können Eltern Fonds freier auswählen, Sparraten flexibel anpassen und das Geld bei Bedarf auch vor dem 65. Lebensjahr nutzen – etwa für Ausbildung, Studium oder den ersten Immobilienkauf.
Viele Banken und Broker bieten Depotführung und ETF-Sparpläne kostenlos an. Steuerlich bringt das Kinderdepot ebenfalls Vorteile: Mit einem Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro, dem Grundfreibetrag von 12.348 Euro und dem Sonderausgabenpauschbetrag von 36 Euro bleiben Kapitalerträge von rund 13.380 Euro im Jahr steuerfrei – vorausgesetzt, das Kind hat keine weiteren Einkünfte und die Eltern beantragen eine Nichtveranlagungsbescheinigung. Allerdings können hohe Kapitalerträge später den BAföG-Anspruch oder die Einstufung in der gesetzlichen Krankenversicherung beeinflussen.
Business Punk Check
Die Frühstart-Rente ist ein politisches Feigenblatt, verpackt als Chancengleichheit. Zehn Euro im Monat klingen nett, ändern aber nichts an der Kernwahrheit: Wer kein Geld hat, kann auch nichts aufstocken. Die versprochenen 53.000 Euro bis zur Rente entstehen nur bei optimistischen Kapitalmarktprognosen – und selbst dann reichen sie kaum für ein sorgenfreies Alter. Statt echter Finanzbildung gibt es ein Standarddepot mit eingeschränkten Anlageoptionen und Kosten, die über Jahrzehnte die Rendite auffressen. Die wahren Gewinner?
Einkommensstarke Familien, die zusätzlich einzahlen und den Zinseszinseffekt maximal ausnutzen. Für alle anderen bleibt ein symbolischer Betrag, der kaum mehr ist als politisches Marketing. Wer wirklich für seine Kinder vorsorgen will, sollte auf ein flexibles Kinderdepot setzen – mit freier Fondswahl, niedrigeren Kosten und der Möglichkeit, das Geld auch vor dem 65. Lebensjahr zu nutzen. Die Frühstart-Rente ist keine Revolution, sondern eine verpasste Chance für echte Chancengleichheit.
Quellen: t3n, tagesschau, Sparkasse, Finanztip, Capitalo, Vr, Dkb, Finanztip, tagesschau