Neues Handy-Experiment: Müssen wir erst wieder lernen, live zu leben?
„Ich war auf dem besten Konzert der Welt – und habe kein einziges Video davon.“ Was sich für viele wie ein Upload-Fehler anhört und schlimmste Panikattacken auf Social Media auslöst, ist ein Experiment, das unser Leben verändern könnte wie die Einführung des iPhones – nur eben andersherum. Die entscheidende Frage an uns alle: Können wir eigentlich noch Momente genießen, ohne sie sofort fotografieren und posten zu müssen? Die Sänger RIN und Schmyt, unsere Business Punks der Woche, wollen es herausfinden. Sie starten jetzt Deutschlands erste „No Phones Allowed Tour“. Work hard, play hard – aber bitte mal ohne Handy.
Die Ansage von RIN ist klar wie seine Songtexte. Er sagt: „Es gibt zwei Blickwinkel, die mich genervt haben. Punkt 1 sind die Zuschauer: Ich merke einfach, dass ihr viel zu oft unter Druck steht, irgendwie diesen ganzen Social-Media-Quatsch mitzumachen. Dazu kommt der Druck auf uns Künstler in so einer großen Halle, wenn alle Handys hochgehen. Das möchte man nicht die ganze Zeit haben.“
Klar, es gibt kein Konzert mehr auf der Welt, bei dem nicht alles live auf Instagram und TikTok geteilt und geshared wird. Was absurd ist. Wir zahlen ein Vermögen für teure Tickets, haben vielleicht sogar die besten Plätze – und schauen trotzdem nicht mehr zu. Live-Konzert heißt für viele nur noch, live durchs Handy zu schauen, um unseren Followern zu zeigen, was wir doch wieder mal Tolles erleben – während wir es natürlich nicht erleben, weil wir ja nicht leben, sondern filmen und damit eigentlich arbeiten. Ein totaler Widerspruch in unserem heutigen Lifestyle. Als würde nur existieren, was in den Feeds unserer Channels auftaucht.
Wir sind unsere eigenen Avatare geworden, die irgendwie auf der falschen Seite des iPhones leben. Alles muss jederzeit hinter diesen Touchscreen gepusht werden. In der Musik, beim Sport, in den Clubs. Kein Meer mehr ohne ein Meer von Bildern.
Das soll sich jetzt ändern. In den USA haben Künstler wie Comedian Dave Chappelle das schon probiert – und echte Likes dafür bekommen. Jetzt kommt der große Deutschland-Test mit der „No Phones Allowed Tour“.
RIN sagt: „Ein Teil der Liveshows ist über die Jahre einfach verloren gegangen. Der Gedanke kam mir, als ich alte Clips von mir gesehen habe. Da habe ich gemerkt: Kein Mensch hatte ein Handy in der Crowd. Und das wünscht man sich zurück. Dieses Experimentelle und Freie. Ich vermisse ganz, ganz arg diesen Zustand, den ich hatte, wenn ich aus dem Studio raus bin und auf die nächste Club-Show gegangen bin: Man hat einfach Songs gespielt, weil man sie spielen wollte, und nicht, weil man Promo machen wollte. Ich weiß, ich habe auch oft Songs live für Promozwecke gespielt. Aber das will ich nicht die ganze Zeit machen. Ich würde supergern Sachen spielen, ohne zu wissen, dass der ganze Scheiß sofort im Netz landet.“
Der Pitch von RIN: „Wir wollen einen einzigartigen Moment schaffen, einen wirklich intimen Moment.“
Sein Konzertpartner Schmyt sagt: „Wir wollen Sachen spielen, die wir noch nie gespielt haben, die wir noch nie veröffentlicht haben, die wir zum Teil noch nicht mal aufgenommen haben. Das ist für mich sehr spannend. Ich freu mich krass drauf, dass wir uns in einem Raum gegenüberstehen und ich feststelle, dass ihr echte Menschen seid. Und andersherum auch.“
Ein ganz neuer Sound in diesem Business, so RIN: „Ich weiß, im Zeitalter, wo es bei jeder Tour darum geht, wie die Reichweite auf TikTok ist – das nervt. I don’t care. Es fehlt mir einfach die Intimität, die Intimität auf beiden Seiten. Ich glaube auch, dass es ganz vielen Besuchern fehlt.“
Der Business-Punk-Tipp zum Wochenende also: Einfach mal abschalten. Im wahrsten Sinne des Wortes. Kein Phones, kein Social Media. Einfach nur Spaß haben.
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