let's techle it · China-USA

Nvidia gerät ist Räderwerk der Weltmächte. Geholfen ist damit keinem. Schon gar nicht den USA.

Jensen Huang von Nvidia
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Jensen Huang hat eine deprimierende Botschaft: Der Nvidia-Chef berichtet davon, wie für den weltweit führenden Chiphersteller der chinesische Markt zusammengebrochen ist. Huang ist bis auf Weiteres ein Opfer der Trump-Zölle.

Die Nachricht klingt wie ein Technologie­drama im Achterbahntempo: „Von 95 Prozent auf null“ – so formulierte Nvidia‐Chef Jensen Huang den Absturz des Konzerns im chinesischen Markt für Top-KI-Chips. Der US-Export-Stopp greift – konsequent und schonungslos. Wer wie der Nvidia-Chef global denkt, sieht sich mit einer Welt konfrontiert, in der Markt­zugänge jederzeit politisch gekappt werden können. Für Konzerne heißt das: Risiko­aufschläge einkalkulieren, Liefer­ketten neu denken, China als Wachstumstreiber neu bewerten – oder eben ganz abschreiben.

Das trifft zuallererst die USA. US-Firmen verlieren ihr China-Geschäft und damit jenen technologischen Hebel, mit dem sie bisher steuern konnten, was, wie im Reich der Mitte produziert wird. Wer glaubt, Trumpismus könne mit Zöllen, Export­verboten und Technologie­sperren Lockdown­effekte erzeugen, irrt: Die Karten werden neu gemischt – und nicht unbedingt zu Amerikas Gunsten. Für Huawei, Alibaba, Tencent & Co. hat sich ein technologisches Zeitfenster geöffnet, das früher verschlossen war. Der Verlust von Nvidia-Technologie zwingt zur Beschleunigung der eigenen Entwicklung – „Chips made in China“ bekommen ein neues Gewicht.

Geholfen ist keinem, denn: Bleibt es bei der Abschottung, entstehen zwei getrennte, möglicherweise verfeindete Systeme. Kein Handel verlangsamt den Fortschritt und ist immer teurer als ein fruchtbarer Austausch. Der Fall Nvidia zeigt exemplarisch, wie die Ära der „globalen Marke“ vorbei ist. Dass das ausgerechnet im Chipmarkt beginnt, ist kein Zufall, sondern geopolitisches Interesse: Chipmacht bedeutet im Zeitalter von Digitalisierung und KI Weltmacht, und in dieses Räderwerk ist Nvidia mitten hineingeraten.

Portrait Oliver Stock

Oliver Stock

Oliver Stock ist Herausgeber und Chefredakteur von Business Punk. Der studierte Volkswirt und Historiker sowie Autor mehrerer Bücher und Blogger (https://einbisschenbesser.de/) kennt die Welt der Politik, der Startups und der Unternehmen: Als Journalist arbeitet der 1965 in Hannover geborene Stock für focus online, die Schweizer Weltwoche und den Börsianer aus Wien. Er war Vize-Chef bei der Wirtschaftswoche und 16 Jahre beim Handelsblatt, als Korrespondent in Zürich, als Chef der Finanzzeitung in Frankfurt und die letzten fünf davon als Anführer von Handelsblatt online. Als Kommunikationschef von Ergo, Sprecher im Wirtschaftsministerium und Startup-Mitgründer kennt er auch die andere Seite.