party like a punk · Oskar Edberg

Oskar Edberg zeigt: Der Pitch ist tot, es lebe die Story

Oskar Edberg zeigt: Der Pitch ist tot, es lebe die Story
Business Punk
Erschienen
Aktualisiert
Lesezeit3 Min · 679 Wörter

PowerPoint war gestern. Wer Investoren heute überzeugen will, braucht weniger Folien – und mehr Persönlichkeit. Das zeigte der Business-Punk-Gondel-Pitch auf dem R26 Summit in Bochum eindrucksvoll.

Oskar Edberg gewann mit European PowerTennis den Business-Punk-Startup-Award – nicht mit dem dicksten Pitch-Deck, sondern mit einer Vision, die im Kopf blieb. Sein Erfolg steht exemplarisch für einen Wandel, der die Startup-Welt gerade grundlegend verändert.

Story schlägt Slide

Der klassische Startup-Pitch war lange ein vorhersehbares Ritual: Problem, Lösung, Marktgröße, Geschäftsmodell, Umsatzprognose. Alles sauber aufbereitet, möglichst viele Zahlen, möglichst wenig Überraschung. Doch genau das wird zum Problem. Investoren sehen jedes Jahr Hunderte Präsentationen. Medien werden täglich mit neuen Gründungsgeschichten überschüttet. Und seit Künstliche Intelligenz professionelle Pitch-Decks, Businesspläne und Marktanalysen in wenigen Minuten erstellen kann, verliert die perfekte Präsentation ihren Status als Wettbewerbsvorteil. Die neue Währung heißt Aufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit entsteht nicht durch die schönste Grafik, sondern durch die beste Geschichte.

Der Gondel-Pitch als Gegenentwurf

Business Punk machte diese Entwicklung beim R26 Summit in Bochum selbst zum Programm. Statt Gründer auf eine klassische Bühne zu schicken, mussten sie ihre Unternehmen zunächst beim Gondel-Pitch präsentieren. Während die Kabinen des Riesenrads über das Festivalgelände schwebten, blieben nur wenige Minuten Zeit, um Jury und Gesprächspartner von der eigenen Idee zu überzeugen – ohne PowerPoint, ohne Distanz und ohne den Schutz eines perfekt inszenierten Bühnenauftritts. Aus diesen Gesprächen gingen die Finalisten für den Business-Punk-Startup-Award hervor.

Bild: Debborah Landshut (Chefredakteurin Business Punk, re.) und Oskar Edberg in der Pitch-Gondel

Oskar Edberg im Finale vorn

Im Finale trafen schließlich European PowerTennis, Blockbrain und Edgeless Systems aufeinander. Den Sieg holte sich Oskar Edberg. Nicht, weil er die meisten Zahlen präsentierte, sondern weil er eine Vision vermittelte: Tennis nicht als klassischen Wettkampf, sondern als modernes Entertainment-Erlebnis mit Tempo, Emotionen und Show.

Menschen investieren in Menschen

Der Erfolg von Edberg zeigt, worauf es heute ankommt. Investoren investieren längst nicht mehr nur in Geschäftsmodelle. Sie investieren in Gründer. In Überzeugungskraft. In Leidenschaft. In Menschen, denen sie zutrauen, eine Idee gegen alle Widerstände groß zu machen. Genau deshalb gewinnt Storytelling an Bedeutung. Gründer müssen heute nicht nur erklären, was ihr Unternehmen macht. Sie müssen vermitteln, warum es existiert, warum sie selbst die richtigen Personen dafür sind und weshalb ihre Vision größer ist als das Produkt. Der Business-Punk-Gondel-Pitch machte genau das sichtbar. Ohne Folienschlacht blieb nur das Wesentliche: Persönlichkeit. Wer seine Geschichte glaubwürdig erzählen konnte, blieb im Kopf. Wer sich hinter Slides versteckte, hatte es deutlich schwerer.

Festival statt Frontalunterricht

Dass dieses Format auf dem R26 Summit stattfand, passt ins Bild. Startup-Events entwickeln sich immer stärker zu Business-Festivals. Networking ersetzt starre Konferenzabläufe. Matchmaking wird wichtiger als Monologe auf der Bühne. Gespräche auf Augenhöhe verdrängen den klassischen Frontalvortrag. Auch das r26 setzte konsequent auf diesen Ansatz und kombinierte Talks, Masterclasses, Networking und Live-Pitches zu einem Format, bei dem Begegnungen wichtiger waren als bloße Wissensvermittlung. Innovation entsteht schließlich selten in der letzten PowerPoint-Folie. Sie entsteht dort, wo Menschen diskutieren, Ideen hinterfragen und spontan neue Partnerschaften eingehen.

KI macht Authentizität wertvoller

Paradoxerweise beschleunigt gerade Künstliche Intelligenz diese Entwicklung. Pitch-Decks werden einfacher. Businesspläne entstehen schneller. Präsentationen sehen professioneller aus als je zuvor. Doch genau dadurch wird das, was sich nicht automatisieren lässt, zum eigentlichen Wettbewerbsvorteil: Charisma. Glaubwürdigkeit. Begeisterung. Vertrauen. Das perfekte Pitch-Deck wird zur Eintrittskarte. Den Unterschied macht der Mensch dahinter.

Die Zukunft gehört den Geschichten

PowerPoint wird nicht verschwinden. Zahlen, Marktanalysen und Geschäftsmodelle bleiben die Grundlage jeder Investitionsentscheidung. Doch sie reichen nicht mehr aus, um Aufmerksamkeit zu gewinnen. Der Sieg von Oskar Edberg beim Business-Punk-Startup-Award und der Gondel-Pitch auf dem R26 Summit zeigen, wohin sich die Startup-Welt entwickelt: weg von der Folienschlacht, hin zu Erlebnissen. Wer Investoren heute überzeugen will, muss nicht nur ein starkes Unternehmen bauen – sondern eine Geschichte erzählen, die noch nachwirkt, wenn die Präsentation längst vorbei ist.

Günther Suchy

Günther Suchy ist bei Business Punk Head of Digital Editorial. Daneben ist er Professor für Kommunikation und Journalismus an der Duale Hochschule Baden-Württemberg am Campus Ravensburg – also einer, der die Medienwelt nicht nur lehrt, sondern lebt. Der promovierte Volkswirt kennt den Journalismus und die digitalen Medien jenseits des Elfenbeinturms: Er leitet das Hochschulradio „Das kleine U-Boot“, baut crossmediale Ausbildungs- und Produktionsformate auf und hält dabei immer den Finger am Puls der Branche. Bevor er an die Hochschule nach Ravensburg kam, war Suchy unter anderem in der Unternehmenskommunikation von MAN und in leitenden Funktionen digitaler Medienprojekte tätig – sowie als Online-Redaktionsleiter der Automotive-Formate bei Motorvision (DSF). Seine Lehr- und Forschungsprojekte bringen ihn immer wieder in die Welt hinaus: Nach China, Chile, Marokko oder Bhutan, wo er 2024 und 2025 am Royal Thimpu College lehrte und das Nationale Olympische Komitee zum Thema „Nachhaltigkeitskommunikation im Sport“ beriet. An der Universität Durban in Südafrika gibt er Seminare zum Thema "Green Startups". Zwischen Subkultur, Startup-Mindset und System fühlt er sich zu Hause – und genau aus dieser Perspektive schreibt er für Business Punk.