Revolution im Kühlregal: Formo bringt Käse vom Koji-Pilz in die Supermärkte
Formo revolutioniert den Käsemarkt mit tierfreien Alternativen aus Koji-Proteinen. Rewe investiert kräftig. Nachhaltigkeit und Geschmack überzeugen Experten.
Ein neuer Stern am Käsehimmel: Das Berliner Food-Tech-Startup Formo hat den weltweit ersten Käse auf Basis von Koji-Proteinen auf den Markt gebracht. Diese Innovation könnte den Käsemarkt auf den Kopf stellen und eine nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Milchprodukten bieten. Doch was steckt hinter dieser bahnbrechenden Entwicklung?
Koji-Pilz: Ein alter Bekannter in neuem Gewand
Der Koji-Pilz, in Japan seit Jahrhunderten für die Fermentation von Sojasoße, Misopaste und Sake genutzt, hat eine neue Bestimmung gefunden. Formo hat es geschafft, diesen vielseitigen Pilz für die Herstellung von tierfreien Käsealternativen zu nutzen. Bereits seit September sind in 2000 Rewe-Filialen in Deutschland, bei Billa in Österreich und in deutschen Metro-Märkten drei Sorten Frischkäse sowie eine Camembert-Alternative im Kühlregal zu finden.
Formo und Rewe: Eine starke Partnerschaft
Rewe, bekannt für sein Engagement in innovative Food-Startups, hat sich als neuer Investor bei Formo eingeklinkt. In einer beeindruckenden Series-B-Finanzierungsrunde konnte Formo 61 Millionen Dollar einsammeln. Auch Bestandsinvestoren wie Foodlabs und EQT Ventures sind weiterhin an Bord. Formo konnte insgesamt 117 Millionen Dollar an Kapital aufbringen. Diese Summe zählt zu den höchsten Kapitalrunden für ein deutsches Food-Tech-Unternehmen in diesem Jahr.
Warum Koji-Proteine?
Koji-Proteine bieten laut Branchenexpertin Barbara Siegert zahlreiche Vorteile, wie sie laut „msn.de“ erklärte: „Koji-Proteine könnten bei der Käseherstellung ein Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen pflanzlichen Alternativen haben.“ Der komplexe Geschmack, die leicht körnige Textur und die guten ernährungsphysiologischen Eigenschaften machen sie zu einer attraktiven Option.
Die Technologie hinter dem Käse
Formo nutzt nicht den Koji-Pilz selbst als Biomasse, sondern extrahiert die Proteine, die der Pilz durch Mikrofermentation produziert. Gründer und Chef von Formo, Raffael Wohlgensinger, verriet, dass die Pilze mit Kohlenhydraten und Stickstoff gefüttert werden. Sie produzieren demnach ein Protein, das Molkenprotein sehr nahe kommt. Dieses Protein wird geerntet, als Pulver weiterverarbeitet und schließlich in einer familiengeführten Käserei in Norddeutschland zu Käse verarbeitet.
Vorteile der Mikrofermentation
Ein großer Vorteil dieser Technologie ist, dass Produkte aus Koji-Pilz nicht als neuartiges Lebensmittel („Novel Food“) zugelassen werden müssen. Das spart Zeit und Kosten im Vergleich zu anderen innovativen Lebensmitteln.
Präzisionsfermentation: Die Zukunft von Formo
Formo forscht seit 2019 an bioidentischen Milchproteinen, die durch Präzisionsfermentation gewonnen werden. Diese Methode erfordert jedoch eine Zulassung als Novel Food, was den Prozess in Europa verzögert. Aus diesem Grund hat Formo zunächst auf die Mikrofermentation gesetzt, um schneller auf den Markt zu kommen und Umsatz zu generieren.
Markterweiterung und Produktionskapazitäten
Formo plant, die Produktionskapazitäten bis 2025 zu verdreifachen und das Sortiment um weitere Sorten wie Feta, Blauschimmelkäse und Hüttenkäse zu erweitern. Das neue Kapital soll auch bei der Internationalisierung helfen. Neben Österreich und der Schweiz will Formo in weiteren Ländern Fuß fassen.
Umweltfreundlicher als herkömmlicher Käse
Die Umweltbilanz der tierfreien Käsealternativen von Formo ist beeindruckend. Eine Lebenszyklusanalyse zeigt, dass der Frischkäse Frischhain 96 Prozent weniger Wasser, 83 Prozent weniger Land und 65 Prozent weniger Emissionen benötigt als herkömmlicher Käse. Käse aus Kuhmilch gilt als eines der ressourcenintensivsten Lebensmittel überhaupt, was den nachhaltigen Ansatz von Formo umso bedeutender macht.
Zukunftspläne und internationale Expansion
Formo hat große Pläne für die Zukunft. Bis 2025 sollen die ersten Produkte mit Präzisionsfermentation in den USA auf den Markt kommen. „Vor allem aber forschen wir weiter intensiv an bioidentischen Casein- und Molkenproteinen aus Präzisionsfermentation“, sagt Wohlgensinger. In den USA hofft Formo auf eine schnelle Zulassung, um sein Käseportfolio zu erweitern.
Formo steht an der Spitze einer Revolution im Käsemarkt. Mit innovativen Methoden und einem starken Partner wie Rewe im Rücken könnte das Berliner Startup die Art und Weise, wie Käse hergestellt und konsumiert wird, grundlegend verändern. Die Kombination aus Nachhaltigkeit, Geschmack und technologischer Innovation macht Formo zu einem Vorreiter in der Food-Tech-Branche.