Ein Mann tauschte mit seiner Kollegin die Signatur – und spürte Sexismus am eigenen Leib
Sexismus am Arbeitsplatz – alle reden darüber, doch bei einem selbst will man nichts davon gewusst haben. So auch Martin Schneider, Redakteur beim Online-Filmportal “Front Central Row“: Auf Twitter teilte Schneider vergangene Woche eine kleine Geschichte, die ihm und seiner damaligen Kollegin Nicole Hallberg 2014 widerfuhr.
https://twitter.com/SchneidRemarks/status/839910253680553988
Ihr damaliger Vorgesetzter kritisierte regelmäßig, dass Hallberg für die selben Kundenanfragen mehr Zeit benötigte als Schneider. Mögliche Hindernisse durch Hallbergs Geschlecht? Natürlich grober Unfug. Auch für Schneider war es zunächst nicht nachvollziehbar, woran genau es bei seiner Kollegin haken würde.
https://twitter.com/SchneidRemarks/status/839910969123958784
https://twitter.com/SchneidRemarks/status/839912016236142592
Schneiders Sicht auf die Dinge drehte sich allerdings, als ihm bei der Nutzung eines Mail-Accounts (den er sich für Kundenanfragen mit Hallberg teilte) ein kleiner Fehler unterlief.
https://twitter.com/SchneidRemarks/status/839912736666632193
Der Fehler? Schneider antwortete versehentlich mit der Signatur seiner geschätzten Kollegin.
https://twitter.com/SchneidRemarks/status/839913165735485441
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Schneider war ernüchtert davon, wie respektlos und herablassend der Kunde zu “Nicole“ war. Als er seinen Fehler bemerkte, wechselte Schneider zu seiner Signatur und suggerierte, das Thema von Hallberg übernommen zu haben. Ein kleiner Wandel in der Kommunikation:
https://twitter.com/SchneidRemarks/status/839913863596343297
Kein Novum für seine Kollegin, die den Umgang schon kannte. Als Schneider sie darauf ansprach, antwortete sie, dass es ein solcher Umgang keine Seltenheit sei.
Zeit für ein kleines Experiment
Um zu sehen, ob das Ganze nur ein Einzelfall oder bitterer Alltag sei, entschlossen die Beiden, für ein paar Tage die jeweilige Signatur des Anderen zu nutzen. Das Ergebnis? Für Hallberg war das Experiment ein Segen: Sie bezeichnete es als die “produktivste Woche ihrer Karriere“. Für Schneider allerdings war es allerdings weniger angenehm:
https://twitter.com/SchneidRemarks/status/839915081269981184
https://twitter.com/SchneidRemarks/status/839915987411533824
Hallberg konnte ungestört ihrer Arbeit nachgehen, während Schneider am eigenen Leib erfuhr, was Sexismus am Arbeitsplatz bedeuten kann.
Die große Erkenntnis für den Vorgesetzten blieb allerdings aus. Es gäbe doch so viele mögliche Gründe für die Angelegenheit, so die Geschäftsleitung. Schon in der Vergangenheit fiel der Vorgesetzte der Beiden mit sexistischen Kommentaren und Ignoranz am Arbeitsplatz auf, wie Hallberg in einem eigenen Blogartikel auf Medium erläuterte.
https://twitter.com/SchneidRemarks/status/839917370852392960
Ein Lehrstück
Dass das Beispiel mit Hallberg und Schneider nicht zwangsläufig der bittere Alltag sein muss, ist klar. Dennoch bietet der Fall eine wertvolle Erkenntnis. Ob Sexismus, Rassismus oder jede andere Form der Diskriminierung – die Folgen von Ungerechtigkeit werden uns wesentlich klarer, wenn wir selbst davon betroffen sind. Eine lehrreiche Geschichte für unseren täglichen Umgang (nicht nur) im professionellen Umfeld.