AnlagePunk · KI-Hype

Shorts zurück: Angriff auf den KI-Hype

Shorts zurück: Angriff auf den KI-Hype
KI-generiert
Erschienen
Lesezeit2 Min · 424 Wörter

Jahrelang gab es an der Wall Street nur einen Trade: Big Tech kaufen und auf den nächsten KI-Schub setzen. Jetzt wächst der Zweifel – und immer mehr Profis wetten ausgerechnet auf fallende Kurse oder sichern sich gegen den nächsten Dämpfer ab.

Die KI-Rally läuft weiter, doch unter der glänzenden Oberfläche wird die Stimmung rauer. Rekordhohe Short-Positionen zeigen: Immer mehr Investoren fragen sich, ob die Börse der künstlichen Intelligenz inzwischen zu weit vorausgelaufen ist.

Die Bären kommen zurück

Nach Jahren im Schatten feiern Leerverkäufer ihr Comeback. Beim sogenannten Short Selling setzen Investoren auf fallende Aktienkurse – eine Strategie, die im KI-Bullenmarkt lange kaum Chancen hatte. Jetzt dreht sich das Bild: Nach Daten von S3 Partners kletterten die Short-Positionen auf US-Aktien zuletzt auf Rekordniveau. Im S&P 500 liegt das Short Interest inzwischen bei rund 3,79 Prozent des Streubesitzes, im Russell 3000 sogar bei 6,3 Prozent. Das Signal ist eindeutig: Die Skepsis kehrt an die Wall Street zurück.

Der KI-Hype bekommt erste Kratzer

Der Auslöser ist nicht ein einzelnes Ereignis, sondern eine Mischung aus Fragezeichen. Halbleiteraktien haben zuletzt an Schwung verloren, die Bewertungen vieler Tech-Konzerne bleiben ambitioniert und gleichzeitig sorgen Inflation sowie die unsichere Zinspolitik der US-Notenbank für Nervosität. Vor allem aber treibt Anleger eine Frage um: Wann zahlen sich die Milliardeninvestitionen in Rechenzentren, Chips und KI-Infrastruktur tatsächlich aus?

Milliarden rein – Rendite ungewiss

Die Tech-Giganten investieren weiter mit Vollgas in den Ausbau ihrer KI-Kapazitäten. Doch je höher die Summen werden, desto lauter wird die Frage nach der Rendite. Selbst JPMorgan-Chef Jamie Dimon bleibt trotz seiner langfristigen Überzeugung für Künstliche Intelligenz vorsichtig. KI werde die Wirtschaft grundlegend verändern, könne aber ebenso Fehlentwicklungen und erhebliche Marktverwerfungen mit sich bringen.

Mehr Absicherung als Weltuntergang

Die steigende Zahl der Leerverkäufe ist deshalb kein automatisches Crash-Signal. Viele institutionelle Investoren nutzen Shorts vor allem als Schutzschild, um ihre Portfolios nach mehreren Jahren außergewöhnlich starker Kursgewinne widerstandsfähiger aufzustellen. Hinzu kommen geopolitische Spannungen, steigende Ölpreise und ein insgesamt anspruchsvolleres Marktumfeld – Faktoren, die die Lust auf Absicherung deutlich erhöhen.

Die härteste Wette der Börse

Short Selling bleibt eines der riskantesten Geschäfte an den Finanzmärkten. Wer auf fallende Kurse setzt, kann theoretisch unbegrenzt Geld verlieren, wenn eine Aktie weiter steigt. Genau deshalb gelten erfolgreiche Shortseller als besonders disziplinierte Analysten. Dass ihre Zahl gerade jetzt wieder zunimmt, zeigt vor allem eines: An der Wall Street wird der KI-Hype nicht mehr nur gefeiert – er wird erstmals seit Langem wieder kritisch hinterfragt.

Günther Suchy

Günther Suchy ist bei Business Punk Head of Digital Editorial. Daneben ist er Professor für Kommunikation und Journalismus an der Duale Hochschule Baden-Württemberg am Campus Ravensburg – also einer, der die Medienwelt nicht nur lehrt, sondern lebt. Der promovierte Volkswirt kennt den Journalismus und die digitalen Medien jenseits des Elfenbeinturms: Er leitet das Hochschulradio „Das kleine U-Boot“, baut crossmediale Ausbildungs- und Produktionsformate auf und hält dabei immer den Finger am Puls der Branche. Bevor er an die Hochschule nach Ravensburg kam, war Suchy unter anderem in der Unternehmenskommunikation von MAN und in leitenden Funktionen digitaler Medienprojekte tätig – sowie als Online-Redaktionsleiter der Automotive-Formate bei Motorvision (DSF). Seine Lehr- und Forschungsprojekte bringen ihn immer wieder in die Welt hinaus: Nach China, Chile, Marokko oder Bhutan, wo er 2024 und 2025 am Royal Thimpu College lehrte und das Nationale Olympische Komitee zum Thema „Nachhaltigkeitskommunikation im Sport“ beriet. An der Universität Durban in Südafrika gibt er Seminare zum Thema "Green Startups". Zwischen Subkultur, Startup-Mindset und System fühlt er sich zu Hause – und genau aus dieser Perspektive schreibt er für Business Punk.