So sieht VW’s Antwort auf China aus. Leider kommt sie erst in zwei Jahren
Der Konzern plant ein Elektro Einstiegsmodell zum Preis ab 20 000 Euro. Das könnte funktionieren, wenn es denn jetzt käme. Tatsächlich vergehen bis zur Serienproduktion aber noch Zeit, die die Konkurrenz für sich nutzen wird.
Volkswagen hat einen Plan. Einen Triple A-Plan, um genau zu sein: Aufholen, Angreifen, Anführen, so sagen sie in Wolfsburg. Was steckt dahinter? Ist es der Befreiungsschlag, oder nur der letzte verzweifelte Versuch, sich aus der hausgemachten Krise zu manövrieren?
Die Kernmarke des Konzerns setzt jetzt auf ein elektrisches Einstiegsmodell für rund 20.000 Euro – ein Auto, das laut CEO Thomas Schäfer „die Champions League des Automobilbaus“ sein soll. Doch die Frage bleibt: Wird VW damit wirklich ein Comeback feiern oder ist das der nächste ambitionierte, aber halbherzige Versuch, verlorenen Boden gutzumachen?
Rückblick: Die Elektromobilität sollte VW zur glorreichen, nachhaltigen Zukunft führen. Doch die Realität sieht weniger schillernd aus. Der ID.3 startete holprig, die Verkaufszahlen hinken den Erwartungen hinterher, und chinesische sowie amerikanische Wettbewerber haben längst vorgemacht, wie man E-Autos richtig baut – günstiger, schneller, innovativer. Volkswagen hingegen? Kämpft mit Software-Problemen, Produktionsverzögerungen und einer Identitätskrise zwischen Vergangenheit und Zukunft.
Nun also der nächste Wurf: ein Elektroauto, das mit einem Basispreis von 20.000 Euro wirklich massentauglich sein soll. Damit könnte VW den E-Markt aufmischen und Teslas, BYDs und MGs die Stirn bieten – wenn das Versprechen hält, was es verspricht. Doch da liegt das Problem: Die Serienversion soll erst 2027 auf die Straße kommen. Bis dahin? Ist die Konkurrenz längst weitergezogen.
Wolfsburg soll es richten – mal wieder
Auf der Betriebsversammlung in Wolfsburg gab es immerhin einen ersten Blick auf das Design des elektrischen Hoffnungsträgers. Doch das allein reicht nicht. „E-Mobilität für alle attraktiv machen – das ist unser Markenversprechen“, so Schäfer. Die Rechnung ist einfach: Wer zu spät kommt, den bestraft der Markt. Und genau das könnte passieren, wenn VW nicht endlich beweist, dass es mehr kann als ambitionierte Ankündigungen.
Dazu soll Wolfsburg als „Hauptstadt der vollelektrischen Kompaktklasse“ glänzen – mit neuen Produktionsverfahren, der SSP-Plattform und zukunftssicheren Jobs. Der Standort ist das Herz von Volkswagen, doch auch Herzen müssen Leistung bringen. Und bislang wurde Wolfsburg eher als Sinnbild für Verkrustung und lähmende Betriebsratskämpfe wahrgenommen denn als Innovations-Hotspot.
Kann das gutgehen?
Der Plan klingt nach einem Befreiungsschlag. Doch während sich Volkswagen mit internen Strukturen und der eigenen Behäbigkeit herumschlägt, fahren die asiatischen Hersteller längst auf der Überholspur. Ein E-Kleinwagen für 20.000 Euro wäre tatsächlich ein Gamechanger – wenn er gut ist. Doch VW muss liefern, und zwar nicht erst in drei Jahren.
Ein elektrischer Golf-Nachfolger und ein bezahlbarer E-T-Roc sollen ab 2026 Wolfsburgs Zukunft sichern. Doch auch hier bleibt die Frage: Kommt das zu spät? Denn während Wolfsburg sich gerade erst für die neue Ära rüstet, haben andere längst ihr Spiel auf Champions-League-Niveau gebracht. Volkswagen muss also nicht nur aufholen und angreifen – es muss endlich beweisen, dass es wieder führen kann.