Startup & Scaling 24-Stunden-Gründung gestrichen: Rüstungs-Startups bekommen Staatsgeld

24-Stunden-Gründung gestrichen: Rüstungs-Startups bekommen Staatsgeld

Über 100 Maßnahmen, null Illusionen: Die Bundesregierung plant erstmals direkte Staatsbeteiligungen an Militär-Startups. Doch die 24-Stunden-Gründung? Verschwunden. Was bleibt von Reiches großem Versprechen?

Die 24-Stunden-Gründung ist tot. Totgeschwiegen. Im Koalitionsvertrag stand der Begriff noch dreimal, jetzt findet sich in der neuen Startup-Strategie der Bundesregierung kein einziges Wort mehr dazu. Stattdessen plant Wirtschaftsministerin Katherina Reiche etwas viel Brisanteres: Der Staat will erstmals direkt in Rüstungs-Startups investieren. Das geht aus der Beschlussvorlage für das Bundeskabinett hervor, die am Mittwoch verabschiedet werden soll und die Gründerszene exklusiv vorliegt.

Über 100 Maßnahmen umfasst das Strategiepapier, wie das Handelsblatt berichtet. Von Steuerrabatten über Arbeitsrechtsreformen bis zum Bürokratieabbau – das komplette Startup-Bingo. Doch das eigentliche Novum versteckt sich im Detail: ein neues Finanzierungsinstrument, über das sich der Bund direkt an Startups aus dem Sicherheits- und Verteidigungssektor beteiligen kann. Direktbeteiligung, nicht nur Förderung. Der Staat als Investor im Waffengeschäft.

Vom Leuchtturm zum Phantom

Was ist aus dem großen Versprechen geworden? Die 24-Stunden-Gründung sollte das Leuchtturmprojekt der schwarz-roten Koalition werden. Jetzt taucht der Begriff in der Strategie nicht mehr auf. An seine Stelle tritt das Projekt „Schneller Gründen“, das Verwaltungsprozesse digitalisieren soll. Klingt weniger sexy, ist aber auch weniger messbar.

Typisch Politik: Wenn ein Versprechen nicht haltbar ist, gibt man ihm einfach einen neuen Namen. Dafür setzt die Regierung auf handfeste Finanzinstrumente. Der Deutschlandfonds soll ausgebaut werden – jenes Förder- und Absicherungsprogramm, das durch staatliche Garantien bis zu 130 Milliarden Euro an privatem Kapital mobilisieren soll. Außerdem plant die Regierung, Wagniskapital-Investitionen in der Altersvorsorge zu verankern und Stiftungen den Einstieg bei Startups zu erleichtern, so die WirtschaftsWoche.

Verteidigung als Wachstumsmarkt

Die Fokussierung auf Defense-Tech kommt nicht aus dem Nichts. Laut EY-Barometer sammelten Startups aus dem Verteidigungssektor im ersten Halbjahr 579 Millionen Euro ein – ein gewaltiger Anstieg. Die Bundesregierung reagiert auf eine Marktdynamik, die längst da ist. Technologiegetriebene Startups sind die Lieblinge der Investoren, Hardware und Rüstung boomen parallel. Gleichzeitig sank die Anzahl der Finanzierungsrunden um elf Prozent, wie die WirtschaftsWoche schreibt. Investoren setzen zunehmend auf sichere Wetten und Mega-Deals über 50 Millionen Euro.

Junge Startups haben das Nachsehen. Genau hier setzt die Strategie an: Sie will den Kapitalzugang in allen Wachstumsphasen robuster aufstellen. Auch beim Fachkräftemangel greift die Regierung durch. Flexiblere Kündigungsregeln für hochbezahlte Jobs und attraktivere Mitarbeiterkapitalbeteiligungen sollen deutsche Startups im globalen Talentkrieg wettbewerbsfähiger machen. Auf europäischer Ebene ist eine einheitliche Rechtsform geplant, um grenzüberschreitende Aktivitäten zu erleichtern.

Business Punk Check

Klingt nach großem Wurf, ist aber primär Reaktion statt Vision. Die Regierung folgt dem Markt, statt ihn zu gestalten. Rüstungs-Startups boomen bereits, der Staat springt jetzt auf den Zug auf. Die 24-Stunden-Gründung? War offenbar nie mehr als PR. Das Versprechen verschwindet stillschweigend, während man sich mit über 100 Maßnahmen schmückt, von denen die wenigsten konkrete Deadlines haben.

Immerhin: Die Direktbeteiligung an Defense-Tech ist mutig und überfällig. Deutschland braucht technologische Souveränität, gerade im Sicherheitsbereich. Doch Startups brauchen keine 100-Punkte-Pläne, sondern drei Dinge: Kapital, Talente, weniger Bürokratie. Wenn die Regierung wirklich liefern will, muss sie messbare Ziele setzen. Bis dahin bleibt es Strategietheater mit einem interessanten Rüstungs-Twist.

Quellen: WirtschaftsWoche, Handelsblatt, Gründerszene

Das könnte dich auch interessieren