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Steuerbonus killt Karrieren: SPD will Ehegattensplitting kippen

SPD will Ehegattensplitting kippen
Shutterstock SPD will Ehegattensplitting kippen
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Lesezeit4 Min · 769 Wörter

Die SPD attackiert das Ehegattensplitting als Karrierekiller für Frauen und Verstärker des Fachkräftemangels. Bis zu 20.000 Euro Steuervorteil pro Jahr stehen gegen eine halbe Million potenzielle Vollzeitkräfte.

Ein Steuervorteil von bis zu 20.000 Euro jährlich steht einer halben Million potenzieller Vollzeitkräfte gegenüber. Das Ehegattensplitting, seit Jahrzehnten fester Bestandteil des deutschen Steuersystems, gerät massiv unter Druck.

Die SPD fordert jetzt dessen Ende und bekommt Rückendeckung von namhaften Wirtschaftsexperten. Doch der Widerstand ist erheblich – nicht nur aus der Union.

Karrierebremse mit Steuervorteil

Das Ehegattensplitting funktioniert wie ein perfekter Steueroptimierungstrick: Die Einkommen beider Partner werden zusammengerechnet und dann so versteuert, als hätte jeder exakt die Hälfte verdient. Laut „hasepost.de“ profitieren davon vor allem Paare mit großen Einkommensunterschieden. Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Wiebke Esdar kritisiert, dass dieses System „negative Erwerbsanreize für Frauen“ setze und „Alleinverdiener-Ehen“ begünstige.

Die Folgen sind weitreichend: Viele Frauen arbeiten in Teilzeit, erhalten geringere Lohnersatzleistungen bei Arbeitslosigkeit und bauen deutlich niedrigere Rentenansprüche auf. „Es kann nicht Aufgabe des Staates sein, ein völlig überholtes Rollenbild sowie Ungleichheit zu fördern“, betont Esdar laut „hasepost.de“. Die Steuerregelung zementiere alte Geschlechterrollen und schaffe finanzielle Abhängigkeiten.

Wirtschaftliche Dimension des Problems

Die Debatte geht weit über Gleichstellungsfragen hinaus. Während die Bundesregierung mit Haushaltslücken von über 170 Milliarden Euro bis 2029 kämpft, wie „hasepost.de“ berichtet, könnte eine Reform des Ehegattensplittings handfeste wirtschaftliche Vorteile bringen.

Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) prognostiziert, dass eine Abschaffung zu mehr als einer halben Million zusätzlicher Vollzeitkräfte führen könnte – ein erhebliches Potenzial angesichts des akuten Fachkräftemangels. Auch die Vorsitzende des Sachverständigenrats, Monika Schnitzer, empfiehlt in einem Gutachten für den deutsch-französischen Ministerrat die Abschaffung des Ehegattensplittings. Die Erwerbsbeteiligung von Frauen müsse durch Reformen der Kinderbetreuung und der steuerlichen Behandlung von Zweitverdienenden erleichtert werden.

Politischer Kompromiss in Sicht?

Die nordrhein-westfälische SPD-Vorsitzende Sarah Philipp signalisiert Verhandlungsbereitschaft: „Wenn es darum geht, das Ehegattensplitting in ein gerechtes Familiensplitting zu überführen, sind wir gerne bereit, mit der Union zu verhandeln“, zitiert „hasepost.de“ die Politikerin. Gleichzeitig warnt sie vor einem „sozialen Kahlschlag“ und fordert, den Blick stärker auf die Einnahmenseite zu richten. Die Union lehnt eine Abschaffung allerdings strikt ab. Ihr Argument: Ehepartner müssten selbst über die Verteilung ihres Einkommens entscheiden können. Zudem verweisen sie auf die Grundsicherung, wo Ehepartner füreinander einstehen müssen – dem müssten auch entsprechende steuerliche Vorteile gegenüberstehen.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hatte das Ehegattensplitting bereits vor zwei Jahren als „antiquiertes Steuermodell“ bezeichnet. Allerdings bremste der damalige Kanzler Olaf Scholz diese Initiative aus. Hinzu kommt, dass eine Reform aus verfassungsrechtlichen Gründen nur für zukünftige Ehen gelten könnte – was den kurzfristigen finanziellen Effekt deutlich schmälert.

Business Punk Check

Die Abschaffung des Ehegattensplittings wäre ein längst überfälliger Wirtschaftsboost. In einer Zeit, in der Unternehmen händeringend nach Fachkräften suchen, subventioniert der Staat mit bis zu 20.000 Euro jährlich pro Haushalt das Zuhausebleiben qualifizierter Arbeitskräfte. Diese Steuerregelung ist kein Familienschutz, sondern ein teurer Anachronismus, der den Wirtschaftsstandort Deutschland schwächt.

Besonders Start-ups und Wachstumsunternehmen, die dringend Talente suchen, leiden unter diesem staatlich geförderten Fachkräftemangel. Die Umwandlung in ein modernes Familiensplitting wäre ein echter Game-Changer: Es würde Eltern unabhängig vom Trauschein unterstützen und gleichzeitig Karrierehindernisse abbauen. Unternehmen sollten jetzt Druck machen – denn eine halbe Million zusätzlicher Vollzeitkräfte wären ein massiver Wettbewerbsvorteil.

Häufig gestellte Fragen

  • Welche wirtschaftlichen Vorteile hätte die Abschaffung des Ehegattensplittings konkret?
    Laut RWI-Studie könnten über 500.000 zusätzliche Vollzeitkräfte dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Für Unternehmen bedeutet das eine spürbare Entlastung beim Fachkräftemangel, besonders in frauendominierten Branchen wie Gesundheit, Bildung und Dienstleistungen.
  • Wie könnten Unternehmen von einem Familiensplitting profitieren?
    Ein modernes Familiensplitting würde Eltern unabhängig vom Familienstand unterstützen und Arbeitszeitmodelle flexibilisieren. Unternehmen könnten so leichter qualifizierte Teilzeitkräfte für Vollzeitstellen gewinnen und ihre Diversity-Strategie stärken.
  • Welche Branchen würden am stärksten von einer Reform profitieren?
    Besonders der Mittelstand in personalintensiven Sektoren wie IT, Pflege, Einzelhandel und Gastronomie würde aufatmen. Diese Branchen leiden aktuell am stärksten unter dem Fachkräftemangel und könnten durch die Reform ihr Wachstumspotenzial besser ausschöpfen.
  • Was bedeutet die Reform für Start-ups und Gründer?
    Für Start-ups eröffnet sich ein größerer Talent-Pool, besonders bei hochqualifizierten Frauen, die bisher durch das Ehegattensplitting vom Arbeitsmarkt ferngehalten werden. Gründerinnen selbst würden von einer faireren Steuerbelastung profitieren und weniger finanzielle Risiken beim Unternehmensaufbau tragen.

Quellen: „hasepost.de“, „Handelsblatt“

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