Studie: Ransomware-Cyberangriffe explodieren um 276 Prozent in Deutschland
Microsofts Digital Defense Report 2026 zeigt: Ein Viertel aller beobachteten Angriffe trifft die USA, dahinter folgen Kriegsparteien Israel und Ukraine; Ransomware wächst vor allem in Europa rasant.
Ein Viertel aller von Microsoft beobachteten Cyberangriffe auf Kundinnen und Kunden entfällt auf die USA. Das zeigt der neue Digital Defense Report 2026 des Konzerns, der die Häufigkeit bösartiger Aktivitäten im ersten Halbjahr 2026 je Land auswertet. Dahinter folgen mit Israel und der Ukraine zwei Staaten, die sich im Krieg befinden.
Taiwan landet auf Platz vier, Deutschland schafft es als einziges EU-Land in die Top Zehn. Laut dem Bericht bleiben die Ukraine und NATO-Staaten Schwerpunkte russischer Angreifer, während sich chinesische staatliche Gruppen auf den Indopazifik, die USA und strategische Tech-Standorte konzentrieren. Taiwan war zuletzt Ziel einer Kampagne mit KI-Agenten, aufgedeckt vom israelisch-österreichischen Unternehmen Dream.
Ransomware explodiert in Europa
Die Zahl der Ransomware-Fälle, die Microsoft in Deutschland erfasst hat, stieg demnach von 59 auf 222 Fälle im Jahresvergleich, ein Plus von 276 Prozent. In Italien hat sich die Zahl fast verdreifacht, in der Schweiz mehr als verdoppelt. Die USA bleiben mit 1.087 Fällen das am stärksten betroffene Land, Angriffe auf Israel nahmen um 21 Prozent zu.
Microsoft vermutet dahinter auch den Iran, der Ransomware als Mittel hybrider Kriegsführung einsetze. Als aktivste Erpresser-Software nennt der Report Qilin und Akira. Qilin ist bei Kriminellen beliebt, weil die Betreiber ihren Partnern 80 bis 85 Prozent der Lösegelder überlassen, mehr als bei den meisten anderen Diensten. Insgesamt stieg die Zahl ausgelöster Ransomware-Angriffe auf Unternehmen um 15,8 Prozent.
KI verschärft das Wettrüsten
Den größten Umbruch sieht Microsoft in der Künstlichen Intelligenz. Angreifer nutzen sie, um schneller und in größerem Umfang vorzugehen, Verteidiger setzen sie ein, um Bedrohungen rascher zu erkennen. Gleichzeitig werden KI-Systeme selbst zum Ziel: Microsoft entdeckte eine bösartige Browser-Erweiterung mit mehr als 600.000 Installationen, die Gesprächsverläufe aus ChatGPT und DeepSeek abgriff und fast 10.000 Organisationen betraf.
Wie schnell offensive KI-Fähigkeiten auch in frei verfügbaren Modellen landen, zeigte zuletzt das chinesische Modell GLM-5.3, demnach. Laut Branchenprognosen könnten bis 2028 rund 1,3 Milliarden KI-Agenten im Einsatz sein, die ebenfalls abgesichert werden müssen. Als wichtigstes Einfallstor gelten weiterhin gestohlene Zugangsdaten, weshalb Microsoft zu Passkeys und phishing-resistenter Mehr-Faktor-Authentifizierung rät.
Grenzen der eigenen Datenlage
Das Länder-Ranking hat methodische Schwächen. Es misst nur, wie oft Microsoft-Kundinnen und -Kunden angegriffen werden und hängt damit davon ab, wie viele Nutzende und Unternehmen in einem Land Microsoft-Produkte einsetzen.
Große Märkte wie die USA landen fast automatisch weiter vorne als kleine. Zudem stützt sich der Konzern ausschließlich auf eigene Daten, nach eigenen Angaben mehr als 165 Billionen Sicherheitssignale pro Tag. Angriffe auf Systeme anderer Anbieter fließen nicht ein. Weitere europäische Länder folgen erst mit Abstand: Frankreich auf Platz 17, die Schweiz auf Platz 39, Österreich auf Platz 66.
Auf einen Blick
- Ein Viertel aller von Microsoft beobachteten Angriffe entfällt auf die USA, gefolgt von Israel und der Ukraine.
- Ransomware-Fälle in Deutschland stiegen laut Microsoft von 59 auf 222, ein Plus von 276 Prozent.
- Microsoft nennt Qilin und Akira als aktivste Ransomware-Familien, Qilin lässt Partnern bis zu 85 Prozent der Lösegelder.
- Das Ranking basiert ausschließlich auf Microsofts eigenen Kundendaten und bildet andere Anbieter nicht ab.
Quellen: Trendingtopics, KI-unterstützt