Studie: Sparkassen-Bosse kassieren ab – im Durchschnitt 402.000 € jährlich
Sparkassen-Vorstände führen die Gehaltsrangliste öffentlicher Unternehmen an – mit durchschnittlich 402.000 Euro jährlich. Die Public Pay Studie 2025 deckt massive Branchenunterschiede und Transparenzlücken auf.
Während in Bildungseinrichtungen und Sozialwesen die Gehälter bei mageren 105.000 bis 117.000 Euro dümpeln, sahnen die Chefs der Sparkassen richtig ab. Mit durchschnittlich 402.000 Euro Jahresgehalt stehen sie unangefochten an der Spitze aller öffentlichen Unternehmen in Deutschland.
Das zeigt die aktuelle Public Pay Studie 2025 der Zeppelin-Universität Friedrichshafen und der Personalberatung LAB & Company. Der Gehaltsvorsprung zu anderen Branchen ist dabei so massiv, dass selbst die zweitplatzierten Hafen- und Flughafenchefs mit 330.000 Euro deutlich abgeschlagen sind.
Die Sparkassen-Schere
Die Vergütungsunterschiede innerhalb der Sparkassenlandschaft sind gewaltig. Während Vorstände kleinerer Institute mit rund 190.000 Euro auskommen müssen, kassieren ihre Kollegen in Großstädten wie Hamburg, München oder Köln bis zu 683.000 Euro jährlich.
Diese Spreizung wirft Fragen zur Verhältnismäßigkeit auf – besonders angesichts der Tatsache, dass es sich um öffentliche Unternehmen handelt, die dem Gemeinwohl verpflichtet sind.
Transparenzlücken im öffentlichen Sektor
Besonders brisant: Von 370 untersuchten Sparkassen haben nur 219 ihre Vergütungsdaten offengelegt. Diese Intransparenz zieht sich durch den gesamten öffentlichen Sektor. Laut „Bild“ konnten die Studienautoren nur die Gehälter von etwa 2.000 Personen aus knapp 1.150 Unternehmen erfassen.
Auf kommunaler Ebene legt gerade einmal jedes fünfte Top-Managementmitglied (20,3 %) seine Vergütung personenbezogen offen. Zum Vergleich: Bei öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten liegt die Transparenzquote bei beeindruckenden 98,6 %.
Das öffentliche Gehalts-Ranking
Die Branchenunterschiede bei den Vergütungen sind frappierend. Nach den Sparkassen (402.000 €) und Häfen/Flughäfen (330.000 €) folgen Stadtwerke und Energieversorger mit 256.000 Euro auf Platz drei.
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk zahlt durchschnittlich 250.000 Euro, Krankenhäuser 225.000 Euro. Am unteren Ende der Skala finden sich Kultur- und Bildungseinrichtungen mit 128.000 bzw. 105.000 Euro – weniger als ein Viertel dessen, was Sparkassen-Bosse verdienen.
Gender Pay Gap und Gehaltsentwicklung
Die Studie offenbart zudem einen anhaltenden Gender Pay Gap. Männliche Führungskräfte verdienen mit durchschnittlich 177.000 Euro deutlich mehr als ihre weiblichen Kolleginnen mit 149.000 Euro.
Immerhin: Die Vergütung von Frauen stieg im Median um 2,5 %, die von Männern um 2,0 %. Insgesamt legten die Managergehälter 2023 um durchschnittlich 4,1 % zu – während die allgemeinen Löhne in Deutschland laut Statistischem Bundesamt um fast 7 % stiegen.
Regulierungslücken bei Sparkassen
Auf Bundesebene existieren seit 2016 Transparenzregeln: Unternehmen mit mehr als 16.500 Beschäftigten müssen Managergehälter ab 200.000 Euro offenlegen. Sparkassen fallen jedoch nicht unter diese Regelung.
Studienleiter Ulf Papenfuß fordert daher einheitliche Veröffentlichungspflichten für alle öffentlichen Unternehmen. Die Studie empfiehlt zudem die Integration von Nachhaltigkeitszielen in Vergütungssysteme – etwa CO₂-Reduktion, Diversity oder Compliance.
Business Punk Check
Die Gehaltsdebatte bei öffentlichen Unternehmen offenbart ein klassisches Dilemma: Einerseits müssen Sparkassen & Co. mit der Privatwirtschaft um Top-Talente konkurrieren, andererseits verwalten sie öffentliche Gelder. Der wahre Skandal liegt jedoch nicht in der Höhe der Sparkassen-Gehälter, sondern in der systematischen Intransparenz. Während die Politik Transparenz predigt, praktiziert sie Geheimniskrämerei.
Die fehlende Offenlegungspflicht für Sparkassen ist ein Governance-Versagen erster Klasse. Zukunftsfähige öffentliche Unternehmen brauchen keine Gehaltsdeckel, sondern smarte Vergütungsmodelle mit messbaren ESG-Zielen und vollständiger Transparenz. Die aktuelle Praxis untergräbt das Vertrauen in öffentliche Institutionen – und das können wir uns in Zeiten wachsender Demokratieskepsis nicht leisten.
Häufig gestellte Fragen
- Warum verdienen Sparkassen-Vorstände so viel mehr als andere öffentliche Manager?
Sparkassen agieren in einem Spannungsfeld zwischen öffentlichem Auftrag und Wettbewerb mit Privatbanken. Sie müssen marktfähige Gehälter zahlen, um qualifizierte Führungskräfte zu gewinnen. Dennoch ist die Gehaltsdifferenz zu anderen öffentlichen Sektoren wie Bildung (105.000 €) oder Gesundheit (117.000 €) kaum zu rechtfertigen und spiegelt eher historisch gewachsene Machtstrukturen als tatsächliche Leistungsunterschiede wider. - Welche Konsequenzen hat die mangelnde Vergütungstransparenz für den Mittelstand?
Die Intransparenz bei öffentlichen Unternehmen schafft ungleiche Wettbewerbsbedingungen. Mittelständische Unternehmen müssen in einigen Fällen transparenter agieren als staatliche Konkurrenten, wenn sie beispielsweise an der Börse gelistet sind. Zudem verzerrt die fehlende Offenlegung den Arbeitsmarkt für Führungskräfte. Mittelständler sollten daher auf vollständige Transparenz bei öffentlichen Ausschreibungen und Kooperationen mit staatlichen Unternehmen bestehen. - Wie könnten nachhaltige Vergütungsmodelle für öffentliche Unternehmen aussehen?
Zukunftsfähige Vergütungsmodelle sollten 30-40% variable Gehaltsbestandteile enthalten, die an messbare ESG-Ziele gekoppelt sind. Dazu gehören CO₂-Reduktion, Diversity-Kennzahlen und regionale Wirtschaftsförderung. Entscheidend ist die vollständige Transparenz über Zielvereinbarungen und deren Erreichung. Vorbildliche Kommunen wie Hamburg haben bereits digitale Vergütungsportale eingeführt, die Vergleichbarkeit schaffen. - Welche Branchen könnten von einer Reform der öffentlichen Vergütungssysteme profitieren?
Besonders der Bildungs- und Gesundheitssektor würde von wettbewerbsfähigeren Gehältern profitieren. Mit durchschnittlich 105.000 € bzw. 117.000 € können diese Bereiche kaum Top-Talente aus der Privatwirtschaft anziehen. Eine Umverteilung von Sparkassen (402.000 €) zu diesen systemrelevanten Sektoren könnte Innovationskraft und Effizienz steigern – vorausgesetzt, die Gehälter werden an messbare Leistungskennzahlen gekoppelt.
Quellen: „Bild“, Public Pay Studie