Tech & Trends Rolle rückwärts bei Atom – wie geht das?

Rolle rückwärts bei Atom – wie geht das?

Nach dem Abschalten des letzten Reaktors vor gut eineinhalb Jahren entwickelte sich – je nach Standpunkt – die Befürchtung, oder die Hoffnung, dass Deutschland nun mit der Kerntechnologie nichts mehr zu tun haben werde, und die Forschung abwandern würde. Betrachtet man aber die Leistungen an Universitäten und anderen wissenschaftlichen Instituten, und zieht Bilanz über die technischen Voraussetzungen für einen erneuten Betrieb von Kernreaktoren gleich welcher Ausprägung, ist Deutschland bislang jedenfalls nicht abgehängt. Was wäre nötig für den Wiedereinstieg?

  1. Sicherheitscheck der bestehenden Anlagen

Bis zu fünf der seit 2021 abgeschalteten Anlagen könnten wieder in Betrieb genommen werden, darunter Isar 2, Neckarwestheim oder Emsland, so die französische Energiegesellschaft Areva. Notwendig wäre eine umfassende Sicherheitsüberprüfung, gegebenenfalls Modernisierung, und die Neubeschaffung von Brennstoffen (Uran).

  • Brennstoffversorgung hochfahren

Die Beschaffung von Uran für den Betrieb der deutschen Reaktoren sollte theoretisch keine Hürde darstellen. Allerdings setzt dies einiges an Überlegungen voraus, mit welchen Handelspartnern man den deutschen Maßstäben folgend zusammenarbeiten will. Nicht alle Erzeuger sind da akzeptabel, bisher kam viel Uran aus Russland. Zur Aufbereitung des Urans wären vorerst ausländische Kapazitäten nötig. Stillgelegte Fertigung in Deutschland zu reaktivieren, kostet Zeit. Logistik und Zwischenlagerung sind weitere Themenfelder, die neu sortiert werden müssten.

  • Die richtigen Leute finden

Das eingespielte Personal der stillgelegten Kraftwerke ist im Ruhestand oder anderweitig beschäftigt. In den Nachbarländern Techniker und Ingenieure zu finden, wäre wohl eine Möglichkeit, den Mangelzustand zu überbrücken. Die Vernetzung jener Wissenschaftler und Forscher, die derzeit an kerntechnischen Themen arbeiten, beispielsweise in Fraunhofer- oder Max-Planck-Instituten, müsste neu aufgesetzt werden, soweit es die Anwendung in neu zu bauenden Kernkraftwerken betrifft.

  • Neue Regeln festlegen

Für den neuerlichen Betrieb von Kernkraftwerken bedürfte es zahlreicher gesetzlicher Regelungen, darunter zunächst die, den gesetzlichen Atomausstieg rückgängig zu machen. Es folgten dann Genehmigungsverfahren mit der entsprechenden Dauer und den erwartbaren Einsprüchen. Zertifizierung der jeweiligen Reaktoren wäre der nächste Schritt, sodann natürlich die weiterhin akute Frage der Endlagerung radioaktiver Abfälle.

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