Tesla killt das Model S – und sein Auto-Geschäft gleich mit
Tesla stampft das Model S ein. Das Auto, das 2012 die Branche umkrempelte. Doch das ist nur der Anfang: Elon Musk verabschiedet sich vom Autogeschäft. Die Zahlen crashen, China überholt, die Börse feiert trotzdem. Was läuft hier?
Tesla beerdigt das Model S. Das Auto, das 2012 E-Mobilität salonfähig machte, verschwindet. Aber das ist nicht das Ende einer Ära. Es ist der Anfang von etwas viel Größerem: Tesla dreht dem Autogeschäft den Rücken zu. Die Frage ist nur: Ist das ein genialer Schachzug oder der Anfang vom Ende?
Die Zahlen lügen nicht
2025 liefert Tesla erstmals in der Firmengeschichte schlechtere Zahlen als im Vorjahr. Umsatz: 94,8 Mrd. Dollar, minus 3 Prozent. Gewinn: 3,8 Mrd. Dollar, minus 46 Prozent. Im vierten Quartal bricht der Gewinn um 61 Prozent auf 840 Mio.
Dollar ein. 2022 verdiente Tesla in einem einzigen Quartal noch 3,7 Mrd. Der symbolische Tiefschlag: BYD überholt Tesla als weltgrößter E-Auto-Hersteller. 2011 lachte Musk noch über die Chinesen. Heute liefert BYD mehr Fahrzeuge aus und macht das zu deutlich günstigeren Preisen. Model S und Model X? Machen zusammen mit dem Cybertruck gerade mal 3 Prozent der Verkäufe aus. 50.000 Einheiten gegen 1,6 Millionen Model 3 und Y.
Warum Tesla abstürzt
Die Produktpalette ist veraltet. Seit dem Model Y 2020 kam kein neues Massenmodell. Das angekündigte 25.000-Dollar-Auto? Gestrichen zugunsten des Robotaxis. Der Cybertruck? Die Konkurrenz hat aufgeholt: Jeder Hersteller baut mittlerweile E-Autos, viele davon besser und günstiger als Tesla.
Musks politisches Engagement schadet der Marke messbar. In Europa verkauft Tesla 2025 rund 28 Prozent weniger, obwohl der Gesamtmarkt wächst. Die Trump-Regierung streicht E-Auto-Subventionen, Teslas Einnahmen aus CO₂-Zertifikaten brechen ein. Jahrelang verdiente das Unternehmen damit Milliarden.
Der große Pivot: Physical AI statt Autos
Tesla setzt jetzt auf „Physical AI“ – KI, die in der realen Welt agiert. Drei Projekte stehen im Fokus: Der humanoide Roboter Optimus soll im umgebauten Fremont-Werk produziert werden, Ziel sind 1 Million Einheiten pro Jahr. Das Robotaxi-Programm läuft in Austin, weitere sieben US-Städte folgen. Das Cybercab ohne Lenkrad und Pedale soll im April in Produktion gehen. Für diese Transformation investiert Tesla 2026 über 20 Mrd. Dollar – mehr als doppelt so viel wie 2025. Zusätzlich fließen 2 Mrd. Dollar in Musks KI-Startup xAI. Analysten sprechen vom „Point of no Return“. Es gibt kein Zurück mehr.
Die unbequeme Wahrheit
Waymo macht 400.000 Robotaxi-Fahrten pro Woche in sechs Städten mit 2.500 Fahrzeugen. Gerade mal 34 Fahrzeuge im Einsatz, laut Vision Mobility. Ein Fan dokumentierte 54 Fahrten in Austin – keine davon wirklich fahrerlos, immer mit Begleitfahrzeug. In Kalifornien fehlt Tesla die Genehmigung für autonome Taxis. Das Cybercab? Die US-Regulierung erlaubt maximal 2.500 solcher Fahrzeuge pro Jahr.
Tesla plant Millionen. Optimus ist noch ein Forschungsprojekt, in Teslas Fabriken nicht produktiv im Einsatz. Anders als bei E-Autos ist Tesla hier kein Pionier: Boston Dynamics, Unitree, Xpeng sind längst im Rennen. Und wie bei E-Autos gewinnt, wer am günstigsten produziert – also vermutlich China. xAI verbrennt 1 Mrd. Dollar pro Monat bei nur 500 Mio. Dollar Jahresumsatz. OpenAI erwartet für 2025 dagegen 13 Mrd. Dollar Umsatz.
Das Bewertungsparadox
Tesla ist mehr wert als die 25 größten Autohersteller zusammen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei über 250. VW kommt auf 5, Ford auf 8, Apple und Amazon auf 30 bis 40. Tesla wird wie ein Tech-Konzern bewertet, nicht wie ein Autobauer. Das funktionierte, solange das Autogeschäft wuchs.
Jetzt braucht es neue Narrative. Analysten nennen Tesla zunehmend einen „Meme-Stock“. Die Bewertung hat sich von der Realität entkoppelt. Der Kurs wird nicht mehr von Umsatz und Gewinn getrieben, sondern von Hype und einer loyalen Fanbase.
Das Musk-Imperium: Wer zahlt wirklich?
Musk kontrolliert Tesla, SpaceX und xAI. Zwischen diesen Firmen fließt Geld hin und her. Ein Beispiel: Musk kauft Twitter für 44 Mrd. Der Wert crasht auf 9 Mrd. Dann kauft xAI Twitter und bewertet es plötzlich mit 33 Mrd. Die Twitter-Investoren sind gerettet – mit dem Geld der xAI-Investoren. Und wer finanziert xAI?
Tesla und SpaceX mit jeweils 2 Mrd. Tesla-Aktionäre haben Musk 2024 verklagt. Der Vorwurf: Er ziehe Mitarbeiter und Ressourcen zu xAI ab. Die Klage läuft noch. Trotzdem übernimmt SpaceX jetzt xAI komplett. Ein Merger von Tesla und SpaceX steht im Raum. Das Problem: Musk hält 15 Prozent an Tesla, deutlich mehr an SpaceX und xAI. Bei einem Merger verhandelt er mit sich selbst – auf beiden Seiten des Tisches. Und weil er mehr Anteile an SpaceX hält, wird er den Deal kaum im Sinne der Tesla-Aktionäre gestalten.
Business Punk Check
Tesla verkauft keine Vision mehr, sondern Ablenkung. Die Zahlen sind eindeutig: Das Autogeschäft schrumpft, die Konkurrenz überholt, die Produktpipeline ist leer. Musks Antwort? Ein radikaler Pivot zu Robotaxis und humanoiden Robotern – Märkte, in denen Tesla keinen Vorsprung hat und die regulatorisch blockiert sind. Die Börsenbewertung von über 250 beim KGV ist absurd für ein Unternehmen mit schrumpfendem Kerngeschäft. Tesla ist längst ein Meme-Stock, getrieben von Hype statt Fundamentaldaten. Wer jetzt einsteigt, wettet nicht auf ein Unternehmen, sondern auf Musks Fähigkeit, neue Narrative zu verkaufen.
Das eigentliche Problem: Musk jongliert zwischen Tesla, SpaceX und xAI. Geld fließt zwischen den Firmen, Ressourcen werden verschoben, Bewertungen künstlich aufgebläht. Tesla-Aktionäre finanzieren Musks andere Projekte – ob sie wollen oder nicht. Sollte der SpaceX-Merger kommen, ist das kein Triumph, sondern ein Eingeständnis: Das Autogeschäft ist tot. Die unbequeme Wahrheit: Tesla hat die richtigen Themen früh erkannt, aber den Vorsprung verspielt. Bei E-Autos sind sie einer von vielen. Bei autonomem Fahren liegt Waymo Jahre voraus. Bei Robotik dominieren andere. Was bleibt, ist ein CEO, der lieber neue Versprechen macht, als alte einzulösen. Wer darauf setzt, sollte wissen: Das ist kein Investment, das ist Glücksspiel.
Häufig gestellte Fragen
Warum stellt Tesla das Model S ein?
Das Model S macht nur noch 3 Prozent der Verkäufe aus und ist wirtschaftlich nicht mehr relevant. Tesla fokussiert sich auf die Massenmodelle Model 3 und Y sowie auf neue Geschäftsfelder wie Robotaxis und humanoide Roboter. Die Produktionslinien in Fremont werden für den Optimus-Roboter umgebaut.
Wie realistisch ist Teslas Robotaxi-Versprechen?
Wenig realistisch. Waymo macht 400.000 Fahrten pro Woche mit 2.500 Fahrzeugen, Tesla hat gerade mal 34 im Einsatz – keine davon wirklich autonom. In Kalifornien fehlt die Genehmigung für fahrerlose Taxis. Das Cybercab darf regulatorisch nur in homöopathischen Dosen gebaut werden: maximal 2.500 Fahrzeuge pro Jahr.
Lohnt sich ein Investment in Tesla noch?
Nur für Zocker. Das KGV liegt bei über 250, das Autogeschäft schrumpft, die neuen Geschäftsfelder sind hochspekulativ. Tesla wird wie ein Tech-Konzern bewertet, agiert aber zunehmend wie ein Meme-Stock. Wer jetzt kauft, wettet auf Musks Fähigkeit, neue Narrative zu verkaufen – nicht auf solide Fundamentaldaten.
Was bedeutet der BYD-Erfolg für die E-Mobilität?
BYD zeigt, dass E-Mobilität ein Massenmarkt geworden ist, in dem Preis und Produktvielfalt entscheiden. Die Chinesen produzieren günstiger, bringen schneller neue Modelle und dominieren zunehmend auch außerhalb Chinas. Teslas First-Mover-Vorteil ist Geschichte. Die Mobilitätswende findet statt – nur nicht mehr mit Tesla als unangefochtener Nummer eins.
Wie gefährlich ist Musks Firmen-Jonglage für Tesla-Aktionäre?
Sehr gefährlich. Musk verschiebt Geld und Ressourcen zwischen Tesla, SpaceX und xAI. Tesla finanziert mit 2 Mrd. Dollar xAI, obwohl das Startup monatlich 1 Mrd. Dollar verbrennt. Bei einem möglichen SpaceX-Merger sitzt Musk auf beiden Seiten des Tisches und hält mehr Anteile an SpaceX. Tesla-Aktionäre zahlen für Musks andere Projekte – ohne Mitspracherecht.
Quellen: Vision Mobility, Autopreneur