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Tesla unter Druck: Chinas E-Auto-Offensive bedroht Musks Marktmacht

Elon Musk
picture alliance / ASSOCIATED PRESS | RONNY HARTMANN Elon Musk
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Aktualisiert
Lesezeit5 Min · 991 Wörter

Xiaomi, BYD und Co. setzen Tesla in China massiv unter Druck. Der YU7-SUV sammelte in kürzester Zeit Hunderttausende Bestellungen. Teslas China-Umsatz bricht ein, während die lokale Konkurrenz mit digitalen Ökosystemen und aggressiver Preispolitik punktet.

Der chinesische Markt entwickelt sich für Tesla zum Albtraum. Während Elon Musks Elektroautobauer weltweit noch als Innovationsführer gilt, schwindet seine Dominanz im wichtigsten E-Mobilitätsmarkt der Welt rapide. Der jüngste Schlag: Smartphone-Gigant Xiaomi verzeichnete für seinen neuen Elektro-SUV YU7 innerhalb einer Stunde nach Markteinführung fast 300.000 Bestellungen – ein klares Signal an den einstigen Marktführer.

Xiaomis digitales Ökosystem als Game-Changer

Mit einem Einstiegspreis von umgerechnet 35.000 US-Dollar positioniert Xiaomi seinen YU7 strategisch als direkten Konkurrenten zu Teslas Bestseller Model Y, der bei 36.760 Dollar startet. Doch der Preisvorteil ist nur ein Aspekt der Bedrohung. „Der neue Xiaomi ist wahrscheinlich die bisher größte Bedrohung für Tesla, nicht nur in China, sondern weltweit. Es ist sehr wettbewerbsfähig und attraktiv“, erklärt Felipe Muñoz, globaler Analyst bei JATO Dynamics, gegenüber „Business Insider“.

Der eigentliche Wettbewerbsvorteil liegt jedoch in Xiaomis digitalem Ökosystem. Bill Russo, CEO des Shanghaier Beratungsunternehmens Automobility, betont im Gespräch mit „Bloomberg TV“: „Sie sind nicht nur ein E-Auto-Unternehmen. Sie schaffen ein vollständig integriertes digitales Ökosystem und ein Wertversprechen, das in China, der größten digitalen Wirtschaft der Welt, sehr, sehr gut ankommt.“

Mit über 600 Millionen vernetzten Geräten weltweit kann Xiaomi eine Kundenbindung erzeugen, die traditionelle Autohersteller kaum erreichen können. Der Technologiekonzern überträgt seine „Smartphone-Mentalität“ auf Fahrzeuge und betrachtet Autos als digitale Endgeräte innerhalb eines breiteren Netzwerks.

Dramatischer Absatzeinbruch für Tesla

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Teslas Absatz in China ist zwischen Januar und Mai 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 18 Prozent eingebrochen. Gleichzeitig überholte der chinesische Elektroautobauer BYD das Unternehmen bei den weltweiten Verkaufszahlen deutlich – 894.000 verkaufte E-Fahrzeuge gegenüber 603.000 von Tesla.

Auch beim Umsatz musste Tesla zurückstecken. BYD erwirtschaftete im vergangenen Jahr 107 Milliarden Dollar, während Tesla auf 97,7 Milliarden Dollar kam. Selbst in Europa zeichnet sich ein Wandel ab: Im April übertraf BYD erstmals die Verkaufszahlen von Tesla mit 7.230 verkauften batterieelektrischen Fahrzeugen gegenüber 7.165 von Tesla.

Experten sehen einen Hauptgrund für Teslas Schwäche in der alternden Produktpalette. „Es ist an der Zeit, eine komplett neue Generation zu bekommen“, sagt Muñoz. „Basierend auf der Strategie, die mit anderen Modellen umgesetzt wurde, sieht es jedoch nicht so aus, als ob ein komplett neues Model Y in nächster Zeit kommen würde.“

Interne Turbulenzen verstärken die Krise

Der wachsende Druck zeigt auch intern Wirkung. Mehrere Medien berichteten kürzlich, dass Omead Afshar, Teslas Vizepräsident für Produktion und langjähriger Vertrauter von Musk, das Unternehmen verlassen hat. Sein Abgang folgt dem von Milan Kovac, dem Leiter des Roboterprojekts Optimus.

„Die Entlassung von Afshar ist Teil des Spiels und Teslas Antwort auf die zunehmenden Herausforderungen in China, wenn man bedenkt, dass das Unternehmen aus Produktsicht nicht schnell reagieren kann“, analysiert Muñoz.

Währenddessen erlebt Xiaomi einen bemerkenswerten Aufschwung. Die Aktie des Unternehmens ist in diesem Jahr um 72 Prozent gestiegen – getrieben durch den Erfolg der Elektroautos, die Dominanz im Smartphone-Segment und die Expansion in den Bereich Haushaltsgeräte.

Deutsche Hersteller im Rückstand

Während sich der Kampf zwischen Tesla und den chinesischen Herstellern intensiviert, kämpfen die deutschen Autobauer um Anschluss. Volkswagen hat kürzlich mit dem ID.Buzz AD sein erstes autonomes Fahrzeug vorgestellt, das ab nächstem Jahr als Robotaxi in Hamburg und Los Angeles eingesetzt werden soll.

Doch der Rückstand ist erheblich. Klaus Schmitz, Partner der Strategieberatung Arthur D. Little, schätzt den Vorsprung von Waymo – der Google-Schwester, die bereits autonome Taxis in mehreren US-Städten betreibt – gegenüber VW auf etwa fünf Jahre.

Auch in China sind autonome Fahrzeuge längst Realität. Anbieter wie Baidu, AutoX oder WeRide testen ihre Robotaxis in Millionenstädten wie Shenzhen, Wuhan oder Guangzhou. „Hier wird nicht mehr ‚erforscht‘, sondern schon skaliert“, erklärt Martin Geißler, Partner bei der Unternehmensberatung Advyce & Company.

Teslas schwieriger Weg zurück zur Dominanz

Trotz der aktuellen Herausforderungen wäre es verfrüht, Tesla abzuschreiben. Das Unternehmen verfügt nach wie vor über eine starke Marke und technologische Expertise. Doch der Wettbewerb wird intensiver, besonders in China, wo lokale Hersteller mit maßgeschneiderten digitalen Ökosystemen und aggressiver Preispolitik punkten.

Die Zukunft des Elektroautomarktes dürfte von drei Faktoren bestimmt werden: der Fähigkeit, innovative Technologien zu integrieren, nahtlose digitale Erlebnisse zu schaffen und kosteneffizient zu produzieren. Tesla muss seine Produktpalette erneuern und stärker auf lokale Bedürfnisse eingehen, um seine Position zu behaupten.

Für die kommenden Jahre zeichnet sich ein intensiver Dreikampf zwischen Tesla, chinesischen Herstellern und traditionellen Autokonzernen ab. Dabei könnte die Fähigkeit, autonomes Fahren zu massentauglichen Preisen anzubieten, zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden – ein Feld, auf dem neben Tesla vor allem chinesische Technologiekonzerne wie Xiaomi und Baidu massive Fortschritte erzielen.

Häufig gestellte Fragen zum Thema „Tesla in China“

  • Warum verliert Tesla in China Marktanteile? Tesla kämpft mit einer alternden Produktpalette, während chinesische Konkurrenten mit neuen Modellen, besserer lokaler Integration und attraktiveren Preisen punkten. Zudem bieten Unternehmen wie Xiaomi ein umfassendes digitales Ökosystem, das bei chinesischen Verbrauchern gut ankommt.
  • Wie gefährlich ist Xiaomi für Tesla? Xiaomi stellt eine ernsthafte Bedrohung dar, da das Unternehmen nicht nur wettbewerbsfähige Elektroautos produziert, sondern diese in ein breites digitales Ökosystem mit über 600 Millionen vernetzten Geräten integriert. Der neue SUV YU7 konkurriert direkt mit Teslas Model Y und sammelte innerhalb kürzester Zeit Hunderttausende Bestellungen.
  • Können deutsche Autobauer im Bereich autonomes Fahren aufholen? Deutsche Hersteller haben erheblichen Rückstand. Während VW erst 2026 mit dem ID.Buzz AD in den Robotaxi-Markt einsteigen will, betreiben Unternehmen wie Waymo bereits Tausende autonome Fahrzeuge in mehreren US-Städten. Auch chinesische Anbieter wie Baidu testen ihre Systeme bereits im Alltagsbetrieb.

Quelle: Business Insider, Bloomberg TV, JATO Dynamics, Arthur D. Little, Advyce & Company

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