Trump und Putin am Telefon: Kriegspoker um die Ukraine
Donald Trump will am Dienstag mit Wladimir Putin über eine Waffenruhe in der Ukraine verhandeln. Hinter den Kulissen laufen bereits intensive Gespräche.
Der nächste große Schachzug im Ukraine-Konflikt steht unmittelbar bevor. US-Präsident Donald Trump kündigte während eines Flugs in der „Air Force One“ an, am Dienstag mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu telefonieren, wie die „Bild“ berichtet. Im Zentrum des Gesprächs: eine mögliche Waffenruhe für die Ukraine und territoriale Fragen. Die Chancen für eine Einigung stünden laut Trump „sehr gut“ – während in der Ukraine die Bomben weiterfallen.
Gebiete und Vermögenswerte als Verhandlungsmasse
Die Gespräche zwischen Washington und Moskau drehen sich offenbar um konkrete Zugeständnisse. Große Teile der Diskussion werden sich um Gebietsansprüche drehen, erklärte Trump gegenüber Reportern. Bemerkenswert: Der US-Präsident sprach auch von Verhandlungen über die „Aufteilung gewisser Vermögenswerte“ zwischen den Konfliktparteien. Eine Formulierung, die in Kiew und europäischen Hauptstädten für Stirnrunzeln sorgen dürfte.
„Vieles ist bereits mit beiden Seiten, der Ukraine und Russland, besprochen worden“, betonte Trump. Die Aussage legt nahe, dass hinter verschlossenen Türen bereits intensiv verhandelt wird. Tatsächlich telefonierte US-Außenminister Marco Rubio erst am Samstag mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow über „nächste Schritte“. Zudem traf US-Sondergesandter Steve Witkoff kürzlich Putin persönlich in Moskau.
Bewegung nach langer Blockade
Die diplomatische Maschinerie läuft auf Hochtouren. Bei Gesprächen in Saudi-Arabien stimmte die Ukraine kürzlich einem US-Vorschlag für eine 30-tägige Feuerpause zu. Washington nahm daraufhin die zwischenzeitlich ausgesetzte Militärhilfe wieder auf – ein klares Signal an Kiew, dass Kooperationsbereitschaft belohnt wird. Moskau reagierte bislang zurückhaltend und stellte Bedingungen.
Bereits Mitte Februar hatten Trump und Putin miteinander telefoniert. Damals verkündete der US-Präsident, er habe mit dem Kremlchef den „unverzüglichen“ Beginn von Verhandlungen über die Zukunft der Ukraine vereinbart. Kurz darauf trafen sich in Saudi-Arabien erstmals seit Kriegsbeginn 2022 offizielle Delegationen aus den USA und Russland.
Europäische Sorgen und ukrainische Realität
In Brüssel beraten heute die EU-Außenminister über die Lage im Ukraine-Krieg. Die europäischen Partner blicken mit wachsender Sorge auf Trumps Verhandlungskurs. Sie befürchten eine Friedensregelung, die Russland einseitig begünstigt und faktisch als Sieger aus dem Konflikt hervorgehen lässt. Besonders alarmierend: Die Trump-Administration verlangte von der Ukraine bereits ein Abkommen zur Ausbeutung Seltener Erden – quasi als Gegenleistung für die bisherige US-Unterstützung.
Während in Washington und Moskau über Frieden gesprochen wird, eskaliert die Gewalt in der Ukraine weiter. Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Russland auf „X“ vor, kein echtes Interesse an Kriegsende zu haben: „Wer den Krieg so schnell wie möglich beenden will, agiert nicht in dieser Weise.“ Binnen einer Woche habe es Angriffe mit mehr als 1.000 Drohnen und über 1.300 Gleitbomben gegeben, dazu Raketen- und Marschflugkörper-Angriffe.
Friedenspoker mit ungewissem Ausgang
Die kommenden Tage könnten entscheidend für den Verlauf des Ukraine-Konflikts werden. Trump setzt auf seine selbst proklamierten Verhandlungsfähigkeiten, um einen Deal zu erzielen, den er als außenpolitischen Erfolg verbuchen kann. Doch die Interessenlagen bleiben komplex: Russland strebt territoriale Gewinne an, die Ukraine kämpft um ihre Souveränität, Europa fürchtet einen Präzedenzfall für Aggression, und die USA verfolgen ihre eigenen geopolitischen Ziele.
Ob das Telefonat am Dienstag tatsächlich den Durchbruch bringt, bleibt fraglich. Die bisherigen Verhandlungsversuche scheiterten stets an unvereinbaren Positionen. Doch eines ist sicher: Trump will Ergebnisse sehen – und zwar schnell. Die Frage ist nur, zu welchem Preis und auf wessen Kosten.
Quelle: Bild.de