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Twin.TV: “Das, was wir jetzt haben, ist eigentlich unser Traum“

Twin.TV: “Das, was wir jetzt haben, ist eigentlich unser Traum“
Felix Goergens
Erschienen
Aktualisiert
Lesezeit5 Min · 943 Wörter

Wie seid ihr dazu gekommen, Videos zu drehen und diese auf YouTube hochzuladen? War das eher ein Hobby, oder wolltet ihr schon damals beruflich in die Richtung gehen?

Dennis: Das war die Zeit, in der YouTube für uns als Jugendliche das Hauptmedium war.  Man hat sich sowas wie Sami Slimani, Y-Titty und die ganzen Musikparodien angesehen. Aber ich persönlich – ist schon ein bisschen länger her – hatte nie das Bedürfnis selber etwas hochzuladen.

Benni: Und dann kam ich. Ich habe das ein bisschen mehr verfolgt als Dennis und habe gesehen, dass es Leute gibt, die ihren eigenen Stuff machen. Und dann wollten wir auch so eine Sendung haben. Und das, was wir jetzt haben – das klingt zwar krass – aber das ist eigentlich unser Traum.

(Credits: Felix Goergens)

Und wie seid ihr dann gestartet?

Benni: Ich hatte uns einfach eine Kamera bestellt. So eine kleine, für 60 Euro. Als die Kamera dann ankam, habe ich die auf die Fensterbank gestellt und wir haben unser erstes Video gedreht. Vorher habe ich noch so ganz peinliche Trailer hochgeladen. Im ersten richtigen Video haben wir uns dann einfach vorgestellt.

Was habt ihr denn vor YouTube gemacht?

Benni: Ich habe eine Ausbildung in einer Werbeagentur gemacht. Dennis hat eine in einer anderen Werbeagentur gemacht. Damals hatten wir unseren Kanal bei Endemol Beyond, der Tochterfirma von Endemol, gehostet. Die hatten uns dann ein Angebot gemacht, dass wir rüberkommen und dort die Konzepte für die Kunden kreieren. Und dann haben wir beide dort gearbeitet. Ich als Art Director, Dennis als Konzeptioner.

Dennis: Da hatten wir auch voll Bock drauf. Denn so waren wir einerseits angestellt bei Endemol und hatten aber auch immer einen Tag in der Woche Zeit für unsere Videos.

Okay, dann wart ihr auch vor Funk so ein bisschen selbstständig.

Dennis: Wir haben unser Geld schon bei Endemol verdient, aber unser Studio war nebenan, Das heißt, wir konnten auch immer zwischendurch drehen. 2016 hatte das Endemol Beyond Netzwerk dann dicht gemacht. Das war der Zeitpunkt, an dem wir uns selbständig gemacht hatten und unser eigenes Studio, eigenhändig im Büroraum eines befreundeten Produzenten, gebaut haben. Im September folgte dann die Zusammenarbeit mit funk.

Ihr seid ja Zwillingsbrüder und seht euch fast jeden Tag. Wie trennt ihr Business und Privates?

Benni: Einerseits finden wir, dass es ein enormer Vorteil ist, Brüder zu sein. Wäre man nur befreundet, dann wäre die Chance da, dass man sich zofft und das Geschäftliche schnell ein Ende nimmt. Wir sind aber Familie, daher ist die Chance gering, dass wir uns mal trennen werden.

Zumal wir uns super ergänzen. Ich bin eher der Bauchmensch, Dennis ist eher der Kopfmensch. Das heißt, jeder hat seine Skills und gemeinsam funktionieren wir perfekt.

Dennis: Dazu kommt, dass es unser gemeinsamer Traum war. Also es wurde nicht einer ins Boot geholt, sondern alles was wir uns aufgebaut haben, haben wir uns zusammen aufgebaut. Von Anfang an. Es gibt keinen, der mehr gemacht hat als der andere, sondern es hat sich immer alles ergänzt. Daher besteht hier keine Gefahr, dass wir damit aufhören.

Wie kann man sich die Zusammenarbeit zwischen euch und Funk vorstellen? An was für Regeln müsst ihr euch halten, weil ihr jetzt über den Rundfunkbeitrag finanziert werdet?

Dennis: Das Erste, an das wir uns gewöhnen mussten war, dass man keine Markeneinblendungen haben darf. Denn früher sind wir häufig mit Nike oder Adidas Pullis rumgelaufen, und hatten uns nichts dabei gedacht. Funk hat dem schnell ein Ende gemacht, was aber ja auch verständlich ist, da es sich beim Content-Netzwerk um ein werbefreies Angebot handelt.

Aber was die Arbeit angeht, sind wir unabhängig. Wir werden redaktionell von der Funk-Zulieferredaktion des Hessischen Rundfunk, das ist die Sendeanstalt, die für uns zuständig ist, betreut. Hier werden unsere Videos auch redaktionell abgenommen. Im Jour Fix besprechen wir kommende Themen mit der Redaktion, aber Idee, Dreh, Produktion machen wir alles innerhalb unserer Produktionsfirma.

Benni: Ich glaube, die Leute, die uns länger verfolgen, die kennen uns und wissen auch, dass wir uns nichts vorschreiben lassen würden, sondern authentisch sind. Sonst hätten wir das mit funk auch nicht gemacht.

Andere YouTuber finanzieren sich durch ihre Werbeeinnahmen. Wie ist das bei euch?

Dennis: Wir sind mit unserer Twin.TV GmbH eine Produktionsfirma und unser Kanal, vier Uploads die Woche, ist eine Auftragsproduktion für Funk, beziehungsweise für den Hessischen Rundfunk.

Jedes Jahr wird dann ein Vertrag geschlossen. Da werden dann verschiedene qualitative beziehungsweise quantitative Ziele sowie ein Budget vereinbart und damit wird dann quasi ein Jahr lang Content produziert. Das ist ein ganz normaler Produktionsauftrag von Produktionsfirma zu Sender.

Wie sucht ihr eure Gäste aus?

Benni: Das Gute ist, dass wir bereits durch unsere langjährige Arbeit ein Standing haben und daher proaktiv von Leuten aus der Film- und Fernsehbranche Vorschläge bekommen. Dafür sind wir natürlich sehr dankbar.

Ansonsten schauen wir einfach, wen wir so spannend finden. Zum Beispiel hatten wir letztens Money Boy zu Gast, den finden wir cool. Oder Lars Eidinger, ein mega Schauspieler. Das sind halt so Leute, die wir selbst bereits auf dem Schirm haben und die wir dann einfach anschreiben.

Dennis: Außerdem schauen wir auch immer, über wen gerade viel geredet wird und fragen uns: Was oder wer interessiert die Leute derzeit? Wir haben auch gern kontroverse Leute bei uns, aber wir würden uns jetzt keine Radikalen einladen. Es muss immer mit unseren Idealen zusammenpassen.

Michael Gnahm

Michael studiert Marketingkommunikation, weil er es mit klassischen Studiengängen wie Wirtschaftswissenschaften einfach nicht so hat. In den Journalismus ist er zufällig reingestolpert und mittlerweile voll in Love. In seiner Freizeit hört er gerne musikalische Kunstwerke aus dem Bereich des deutschen Sprechgesangs. Also komm ins Café, wir müssen reden!