Ungleichheit in der Investment-Welt: Nur jeder 7. Business Angel ist weiblich
Für viele Gründerinnen und Gründer sind Business Angels ein entscheidender Schritt, um mit ihrem Startup weiter zu skalieren. Doch wenn es um das Verhältnis von investierenden Männern zu investierenden Frauen geht, sehen wir in Deutschland eine Schieflage. Denn hierzulande gibt es viel weniger weibliche Investorinnen als männliche.
Nur circa 1.500 weibliche Business Angels gibt es in Deutschland nach aktuellen Zahlen der Bertelsmann Stiftung. Das entspricht einem Frauenanteil von lediglich 13,6 Prozent bei den Startup-Investorinnen und -Investoren. Dabei sind Frauen im Team insbesondere für die Weiterentwicklung von Diversität – sowohl in großen als auch in jungen Unternehmen – ganz besonders wichtig. Denn Frauen stellen auch eher neue Frauen ein.
Im Rahmen einer Befragung von der IU Internationale Hochschule und dem Female Investors Network (FIN) wurde im November 2023 der aktuelle Stand weiblicher Business Angels in Deutschlands erfasst. Es handelt sich dabei um eine Folgestudie, die unter anderem die aktuelle Situation mit der des Jahres 2020 vergleicht. Teilnahmen 208 Frauen, die Interesse daran hatten, zu investieren. Knapp die Hälfte der Befragten waren bereits als Business Angel aktiv.
Frauen zeigen steigendes Interesse am Investieren
Grundsätzlich scheinen Frauen als Investorinnen eher eine Neuerscheinung zu sein. Drei von zehn befragten Frauen investieren erst seit unter einem Jahr als Business Angel. Knapp über die Hälfte der Befragten investieren seit einem bis maximal fünf Jahren, lediglich 15 Prozent investieren bereits seit mehr als fünf Jahren. Das Interesse von Frauen für das Investieren stieg also in den letzten Jahren immer weiter an. 2020 dachten lediglich knapp über 63 Prozent der Frauen darüber nach, in Startups zu investieren, das ergab die Studie aus 2020. Heute sind es neun von zehn der befragten Frauen.
Diversität: Frauen fördern Frauen
Auch diese Befragung zeigt, dass Frauen andere Frauen fördern. So investierten 30 Prozent der Befragten in rein weibliche Teams, fast die Hälfte in gemischte Teams und lediglich 20,7 Prozent in rein männliche Teams. Andere Frauen zu stärken und für Chancengleichheit zu sorgen, war für fast 60 Prozent der Befragten der Grund für ihr Investment in ein rein weibliches Team – wobei drei von zehn Befragten angeben, das Geschlecht habe beim Investment überhaupt keine Rolle gespielt.
Allgemein ist für viele der Befragten die Chancengleichheit ein großes Thema. Circa 70 Prozent der Frauen geben an, dass sie in Startups investieren, um Gründerinnen zu unterstützen. Außerdem nennen die Teilnehmerinnen als Gründe für die Investitionen ihren Impact und die Förderung von Innovationen.
Mehr Sichtbarkeit, wenige Veränderungen
Die Studie zeigt: Auch bei den Startup-Investments ist noch viel Luft nach oben bis hin zur Chancengleichheit, sowohl bei den Gründerinnen als auch bei den Investorinnen. 40 Prozent der Befragten wünschen sich eine frühe Aufklärung und mehr Sichtbarkeit für das Thema, um mehr weibliche Business Angels zu mobilisieren. Für viele ist die öffentliche Präsenz zwar da – doch bleibt es meist bei der erhöhten Sichtbarkeit, auf die keine echten Veränderungen folgen.
„Die Wahrnehmung ist gestiegen, dennoch werden Frauen aus meiner Sicht immer noch nicht an ‚den‘ Tisch gelassen, sondern vielmehr müssen sie sich ihren eigenen Tisch schaffen, zu teilweise schlechteren Konditionen”, so beschreibt eine Teilnehmerin der Befragung ihre Wahrnehmung der Situation. In diversen Bereichen sehen die Befragten Nachholbedarf, wenn es um weibliche Gründerinnen und Investorinnen geht: Mentorinnen und Mentoren, staatliche Förderung, Bildung oder auch das entsprechende Startkapital.