Unternehmer im Bundestag: Wirtschaftskompetenz auf dem Rückzug
Die Zahl der Unternehmer im Bundestag hat einen Tiefstand erreicht. Was bedeutet das für die Wirtschaftskompetenz in der Politik? Ein kritischer Blick auf die Lage.
Ein Parlament ohne Unternehmer? Ja, das gibt es tatsächlich. Die Zahl der Abgeordneten mit unternehmerischem Hintergrund im Deutschen Bundestag hat einen neuen Tiefstand erreicht. Von insgesamt 630 Abgeordneten sind nur noch 37 Unternehmer. Das wirft Fragen auf: Wo bleibt die wirtschaftliche Expertise in der Politik?
Unternehmer auf dem Rückzug
Im Vergleich zur vorherigen Legislaturperiode, in der noch 51 Unternehmer im Bundestag saßen, ist der Rückgang deutlich spürbar. 2017 waren es sogar noch 78. Die Zahlen sprechen für sich: Der unternehmerische Sachverstand wird in der Politik immer seltener. Besonders auffällig ist der Verlust durch das Ausscheiden der FDP aus dem Parlament. Die Liberalen hatten zuvor die meisten Unternehmer in ihren Reihen.
Die neue Unternehmer-Partei
Mit dem Rückzug der FDP hat die AfD die Führung in Sachen Unternehmer im Bundestag übernommen. Ganze 17 Abgeordnete der AfD-Fraktion geben an, Unternehmer oder selbstständig zu sein. Prof. Rainer Kirchdörfer von der Stiftung Familienunternehmen und Politik sieht diese Entwicklung kritisch: „Es ist bedauerlich, dass die Zahl der Unternehmer in Parteien der politischen Mitte abnimmt.“ Die CDU/CSU folgt mit elf Unternehmern, während SPD, Grüne und Linke deutlich weniger unternehmerische Repräsentation aufweisen.
Kleinbetriebe dominieren
Die überwiegende Mehrheit der Unternehmer im Bundestag sind Inhaber von Kleinbetrieben. Große Familienunternehmen mit internationaler Ausrichtung sind selten vertreten. Ein prominentes Beispiel für den Rückzug ist Carl-Julius Cronenberg von der FDP, ein Familienunternehmer, der das Parlament verlassen hat.
Ein Aufruf zur Öffnung
Prof. Kirchdörfer appelliert an die Politik, sich für Menschen mit praktischer Markterfahrung zu öffnen. „Deutschland ist eine Wirtschaftsnation. Da ist es keine gute Entwicklung, wenn unternehmerischer Sachverstand in den Parlamenten seltener wird.“ Die Parteien sollten mehr Menschen mit beruflichem Erfolg in die Politik holen, anstatt sich auf parteipolitische Karrieren zu konzentrieren.
Der Rückgang der Unternehmer im Bundestag wirft Fragen auf über die wirtschaftliche Kompetenz in der deutschen Politik. Wenn wirtschaftlicher Sachverstand fehlt, könnten Gesetze und Entscheidungen an der Realität der Unternehmer vorbeigehen. Die Parteien stehen vor der Herausforderung, mehr Menschen mit praktischer Erfahrung in die Politik zu holen. Doch es bleibt abzuwarten, ob sie dieser Aufgabe gerecht werden und wie sich dies auf die politische Landschaft auswirken wird.
Quelle: Stiftung Familienunternehmen und Politik