Wann Bubatz legal? Das sagen Insider aus der Cannabis-Branche
Wenige Themen der Ampel-Koalitionsverhandlungen wurden in den sozialen Medien stärker diskutiert als die beschlossene Legalisierung von Cannabis. Was vor einige Monaten noch Zukunftsträumereien von Kiffer:innen und Cannabis-Unternehmer:innen waren, könnte nun schon bald Realität werden.
Allerdings sind Theorie und Praxis immer auch zwei verschiedene Paar Schuhe. Noch stellen sich einige Fragen bei der Umsetzung: Wie schnell wird Cannabis wirklich legal? Ist die Infrastruktur gegeben? Wie werden die Abgabestellen aussehen? Darüber haben wir mit einigen wichtigen Playern der deutschen Cannabis-Branche gesprochen.
Ab wann wird Cannabis legal?
Klar, die Legalisierung ist beschlossene Sache. Doch bis ein entsprechendes Gesetz in die Wege geleitet wird, wird voraussichtlich noch ganz schön viel illegales Weed in Joints verbrannt.
Branchen-Insider Jakob Sons, Co-Founder des medizinischen Cannabisunternehmens Cansativa verrät im Gespräch zur Frage, wann Cannabis wohl offiziell verkauft wird: „Wir haben uns darauf festgelegt, dass wir sagen: 24 bis 36 Monate sind realistisch“.
Auch der CEO der Bloomwell Group Niklas Kouparanis ist trotz der Euphorie in der Community zurückhaltend: „Durch den Koalitionsvertrag haben die Ampel-Parteien die Weichen klar auf Legalisierung gestellt. Ich glaube allerdings, die Legalisierung wird nicht über Nacht passieren. Die regulatorische Ausgestaltung muss jetzt angegangen werden“.
Dazu sollten seiner Meinung nach Unternehmer:innen, Apotheker:innen sowie Behörden und Drogenbeauftragte gemeinsam mit der Regierung an einem Gesetz zur Legalisierung arbeiten. Zur Bloomwell Group gehört unter anderem das Unternehmen Algea Care, welches durch Telemedizin den Zugang zu Cannabis als Medikament für Patient:innen erleichtern möchte.
Ist der deutsche Markt bereit für eine Legalisierung?
Neben den regulatorischen Bedingungen stellt sich natürlich auch die Frage, ob die gegebene Infrastruktur für eine Legalisierung in den nächsten Jahren ausreicht. Denn wie wir am Beispiel in Kanada gesehen haben, könnten Verkaufsstellen in den ersten Wochen stark überlastet sein.
Bedenken zur Versorgung in Deutschland stellt auch Moritz Fendt, der Co-Gründer der CBD-Brand Hanfgeflüster und dem medizinischen Cannabis-Unternehmen Nxt-Pharma, an: „Einige Quellen sprechen davon, dass nach einer Legalisierung von Cannabis, der Markt für Cannabisprodukte ein Drittel so groß sein könnte wie der Markt für Alkohol. Dafür gäbe es Stand heute nicht genügend Supply“.
Lars Müller, CEO des Unternehmens Synbiotic, sieht vor der Legalisierung ähnliche Herausforderungen für den deutschen Markt: „Ich glaube auch, dass die ganze Versorgungskette heute noch gar nicht bereit dafür ist, weil der Schwarzmarkt riesig ist. Wir als Cannabis-Branche müssen diese Lücke füllen. Deshalb sollte man sich immer mit dem Schwarzmarkt vergleichen“.

Damit es also genügend Weed an der Theke zu kaufen gibt, sollte zunächst einmal die Wertschöpfungskette überprüft und ausgebaut werden. Denn wem nützt eine Legalisierung, wenn das Produkt ständig ausverkauft ist? Im schlechtesten Fall dem Schwarzmarkt.
Wie könnte eine Abgabestelle für Cannabis aussehen?
Wenn Versorgungsketten geklärt und abgesichert sind, bleibt immer noch die Frage, in welchen Stores Cannabis zum Verkauf angeboten wird. Diskutiert wurden im Vorhinein bereits eine Abgabe durch Apotheken oder eine Einführung von zertifizierten Cannabis-Shops.
Die Branchen-Insider scheinen sich in der Frage der Abgabe ziemlich einig zu sein. Alle vier Unternehmen sehen zertifizierte Cannabisabgabestellen als den besten Weg, um Apotheken nicht unnötig zu belasten und außerdem den Jugendschutz sicherzustellen.
„In einem Cannabis-Fachgeschäft, das nur Cannabis verkauft, kann man einfach sagen, dass unter 18-Jährige nicht reinkommen“, wie Jakob Sons erklärt. In Apotheken wäre eine solche Beschränkung nicht möglich.
Auch Bloomwell Group-CEO Niklas Kouparanis spricht sich für zertifizierte Abgabestellen aus: „Wir brauchen lizenzierte Fachgeschäfte mit erfahrenen Marktteilnehmern, zum Beispiel aus dem medizinischen Cannabisbereich, aber auch Suchtstellen können die Schulung von Verkaufskräften übernehmen“. Deshalb fordert Kouparanis für die vollständige Legalisierung einen Schulterschluss zwischen Cannabis-Unternehmen, Apotheken und Suchtstellen.
Welche Chance ergibt sich aus der Legalisierung für Cannabis-Unternehmen?
Cannabis-Unternehmen wie Nxt-Pharma, Bloomwell Group, Synbiotic und Cansativa sind nach einer vollständigen Legalisierung prädestiniert dafür, den Freizeitmarkt mit Cannabis-Produkten abzudecken. Was für Chancen sich die Gründer und CEOs ausrechnen? Wir haben nachgehakt.
„Als Nxt-Pharma und Hanfgeflüster eignen wir uns natürlich perfekt, um in diesen Markt einzusteigen. Wenn wir die beiden Firmen zusammen nehmen, sehen wir darin eine immense Marktmöglichkeit, weil einerseits unsere Versorgung, unsere Logistik und das Operationale steht und wir andererseits eine Marke etabliert haben, die mittlerweile die bekannteste Marke für CBD-Produkte in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist“, erklärt Moritz Fendt.

Jakob Sons Mitgründer und Bruder gibt sich ebenfalls optimistisch für die Marktchancen des eigenen Unternehmens Cansativa: „Unser Engagement im Bereich des Recreational-Cannabis wird sehr vielfältig. Ein Teil ist selbstverständlich der Bezug von Cannabis aus dem Ausland. Relevanter wird jedoch der Betrieb von Cannabis-Lizenzabgabestellen im Bereich Adult-Use“.
Niklas Kouparanis sieht für die Bloomwell Group eine blühende Zukunft vorraus: „Wir wollen nicht nur an diesem Markt teilnehmen, sondern wollen ihn auch aktiv mitgestalten. Deswegen ist es für uns auch wichtig, von Anfang an mit einbezogen zu sein. Wir richten sowohl unsere aktuellen pharmazeutischen Unternehmen als auch neue Portfoliounternehmen darauf aus, aktiv am Freizeitmarkt zu partizipieren“.
Und na klar, auch die Synbiotic-Gruppe will ein Stück des großen Cannabis-Kuchens – oder Cookies, höhö – abhaben, wie Lars Müller bestätigt: „Ich darf gerade noch nicht so viel sagen, aber wir werden in den nächsten Monaten so gut aufgestellt sein wie kein anderer in Europa. Erst kürzlich haben wir die Unternehmensgruppe von Daniel Kruse übernommen. Das bedeutet, dass vier extrem vielversprechende und bereits etablierte Companys in die SynBiotic eingeflossen sind“.
Der Weg bis zur endgültigen Legalisierung scheint also immer noch steinig, aber nicht mehr allzu schwer, wie unter einer CDU-Regierung. Bis dahin heißt es weiter Füße still halten und entspannen, doch das sollte Kiffer:innen ja sowieso nicht all zu schwer fallen.