work wise · Biden

Warum Kamala keine Lichtgestalt ist

Kamilla
Anja Horn
Erschienen
Aktualisiert
Lesezeit3 Min · 540 Wörter
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Eben noch verspottet, plötzlich zur Trump-Bezwingerin aufgebaut: Was die Welt über Kamala Harris denken soll und warum das Kokolores ist.

Hey Punks – wer, wie ich gerade Ferien macht, hat die Chance auf Helikopteransichten. Nein, ich steige nicht in den Hubschrauber und rotore über die oberitalienische Seenplatte, wo es mich angenehmerweise hinverschlagen hat. Ich lese und stöbere und blättere nur wie ein befristet Unbeteiligter in all dem, was wir Journalisten uns so zurecht produzieren. In meine journalistische Helikopterzeit fällt jetzt gerade der Antritt von Kamala Harris als US-Präsidentschaftskandidatin, und ich muss an einen früheren Kollegen denken: Alle hatten sich immer über den beschwert, bis er aus unserer Mitte heraus plötzlich Chefredakteur wurde. Da fanden ihn die meisten plötzlich prima.

Ich bin allenfalls Küchenpsychologe, aber ich glaube, wir beurteilen Menschen nicht nach dem, wie sie sind, sondern nach dem, was sie sind. Mein Bruder zum Beispiel, der auch nicht mehr bei der U-30-Party durchgeht, lässt’s gerade krachen, haut auf die Sahne und wenn es dabei Kollateralschäden geben sollte, wäre es ihm egal und mir auch, denn er ist ja mein Bruder.

Kamala Harris ist bereits ganz zu Beginn der vergangenen vier Jahre, seit sie als Vizepräsidentin in die Optik der USA-Erklärer gerutscht war, aus deren Perspektive kläglich gescheitert. Ihre öffentlichen Auftritte, so erklärten sie uns, wirkten unbeholfen. Sie griff immer mal in der Wortwahl daneben, hielt keine mitreißende Reden – und ihre Umfragewerte waren lange noch schlechter als die Bidens. Kein politisches Thema führte sie zu einem durchschlagenden Erfolg. „Blass“ war noch das harmloseste Attribut, das ihr anhaftete. „Überfordert“ war der eigentliche Ausdruck, der ihr zu Gesichte stand.

Portrait Oliver Stock

Oliver Stock

Oliver Stock ist Herausgeber und Chefredakteur von Business Punk. Der studierte Volkswirt und Historiker sowie Autor mehrerer Bücher und Blogger (https://einbisschenbesser.de/) kennt die Welt der Politik, der Startups und der Unternehmen: Als Journalist arbeitet der 1965 in Hannover geborene Stock für focus online, die Schweizer Weltwoche und den Börsianer aus Wien. Er war Vize-Chef bei der Wirtschaftswoche und 16 Jahre beim Handelsblatt, als Korrespondent in Zürich, als Chef der Finanzzeitung in Frankfurt und die letzten fünf davon als Anführer von Handelsblatt online. Als Kommunikationschef von Ergo, Sprecher im Wirtschaftsministerium und Startup-Mitgründer kennt er auch die andere Seite.