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„Was machst du in Halifax?“

„Was machst du in Halifax?“
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Aktualisiert
Lesezeit8 Min · 1.516 Wörter

Einmal gefühlt um die Welt fliegen, von Berlin über Reykjavik nach Nova Scotia – was für eine Tour!

Bevor es losging, hegte ich die stille Hoffnung, dass sich Icelandair etwas ganz Besonderes einfallen lässt, als ich mich im Herbst von Deutschland aus auf den Weg über Island nach Nova Scotia machte. Trolle zum Beispiel oder Rentiere, die dich beim Einsteigen in den Flieger begrüßen. Dass man sich aber so eine Überraschung für mich einfallen ließ, hätte ich mir nicht träumen lassen. 

Ich begegnete Daði Freyr! Kennt ihr nicht? Wirklich nicht? Er war der Bandleader von Gagnamagnið und hätte mit seinem Song Think About Things beim ESC 2020 fast gewonnen. Ihr erinnert euch, COVID-19 kam dazwischen. Damals freute ich mich kichernd über die gekonnt steifen Tanzeinlagen und bewegungslosen Gesichter zu diesem eingängigen Song. Es erinnerte mich an die Slapstick von Monty Python, nur auf Isländisch halt. Und nun flogen wir zwei gemeinsam dank Icelandair nach Island und ich konnte ihm beim samplen über die Schulter schauen. Mega! 

Nach der Landung in Reykjavik lernte ich auch noch drei coole Frauen aus Großbritannien kennen, mit denen ich diese Reise gemeinsam antrat: Janet aus Glasgow, Gaby aus Oxford und Jenna aus Manchester. Eine spannende Mischung aus englischem Kauderwelsch, welches mich die nächsten Tage in kleinere Missverständnisse katapultierte. Ich gewöhnte mich daran.

Island, Baby! Feuer und verrückte Vibes 

Während des kurzen Aufenthalts in Reykjavik nutzten wir die Möglichkeit mit dem Flugsimulator von „Flyover Iceland“ das Land der heißen Quellen und Fjorde zu erkunden. Die Simulation ließ uns durch die isländische Natur fliegen und Gletscher, Vulkane und Wasserfälle hautnah erleben. Ich töne ja gern damit rum, mal mit der Privatpilotenlizenz (PPL) begonnen zu haben und in meinem zweiten Leben Pilotin zu werden. Aber ganz ehrlich: zwischenzeitlich hatte ich die Augen ganz fest zugedrückt und krallte mich an allen Halterungen fest, so rasant ging es durch unzählige Flusstäler, schnellten wir wieder hoch auf Berggipfel, um dann wieder hinabzustürzen über das offene Meer. Dabei spürte ich die Gischt der Flüsse im Gesicht und hoch oben in den Bergen den aufwirbelnden Schnee. Wirklich!

Ich brauchte Entspannung und wir verbrachten den Nachmittag in der „Sky Lagoon“, ca. 15 Minuten von Reykjavik entfernt, einer modernen Thermalbad-Oase. Das hier angepriesene, mehrstufige Ritual – vom heißen Becken über Dampfbäder bis hin zur kalten Dusche – war nach diesen Turbulenzen genau das Richtige für mich. Der Infinity-Pool mit Blick auf den Ozean war magisch, besonders im Licht der langsam untergehenden Sonne. Polarlichter, von September bis April bestens zu beobachten, gab es noch keine zu sehen.

Von allen Geschmackssinnen überrollt

Zurück in unserem Hotel „Edition“, direkt neben der Oper und mit herrlichem Blick auf die Altstadt von Reykjavik, warteten wir in der Lobby am offenen Kamin, während das Spektakel der Nordlichter an die Wand projiziert wurde. Wir waren mit Carolyn verabredet, einer Australierin, die sich verliebt hatte in dieses raue Land und hier seit sieben Jahren lebt, Reise-Bücher schreibt und Gäste wie uns in die kulinarischen Geheimnisse dieser Insel einweihte. Sie entführte uns ins „Brut“, einem in Reykjavik angesagten Fisch-Restaurant, das auf weniger bekannte Meeresarten spezialisiert ist und mit einer Weinbar aufwartete, die uns mächtig berauschte. Dazu gab es isländische Meeresschnecken in Knoblauchbutter und Köstlichkeiten wie Kabeljauzunge. Die Desserts, bestehend aus Mille-feuille mit Pistazien, einzelnen Zitronenbaiserkuchen und Fruchtpavlova, wurden auf Rädern herangerollt. Was gibt es Schöneres für den Gaumen? Natürlich! Polarlichter für die Augen! Und die bekamen wir tatsächlich zu sehen. Langsam wabernde Strahlen bewegten sich über das nächtliche Reykjavik. Besser konnte dieser Tag nicht enden.

Und dann Halifax: Ein wilder Mix aus Historie und Hightech

Moment! Bevor ich euch mit Leuchttürmen und Fischerdörfern zutexte: Halifax ist nicht nur eine romantische Einwanderungsstadt, sondern ein aufstrebender Tech-Hotspot! Hier treffen sich Start-ups und Unicorns. Diese Stadt hat Drive – es herrscht eine ruhelose Mischung aus traditioneller Seefahrerromantik und zukunftsweisender Technologie.

In unserem Moxy-Hotel, dem hottest Place für instagrammable Fotos, lernte ich Tami LeBlanc kennen. Sie ist Sales Director von CIBC Building und erklärte mir, dass die Stadt durch ihre Lage, die Lebensqualität und die starke Unterstützung durch Universitäten wie die Dalhousie University ein ideales Umfeld für Start-ups biete. Besonders dabei sei das wachsende Netzwerk aus Co-Working-Spaces, Inkubatoren und Acceleratoren, die Innovationen fördern, wie sie mir erzählte. Orte wie Volta Labs, ein führendes Technologie- und Innovationszentrum in Halifax, sind Knotenpunkte für kreative Köpfe und ambitionierte Unternehmer. Zum Beispiel: Verafin, ein Unternehmen für Finanztechnologie, das sich auf Lösungen zur Bekämpfung von Finanzkriminalität spezialisiert hat. Verafin wurde 2020 von Nasdaq für 2,75 Milliarden Dollar übernommen.Halifax hat also das Zeug dazu, ein Zentrum für globale Innovationen zu werden. 

Adrenalin pur und lokale Köstlichkeiten

Und doch ist Halifax eben auch eine charmante Hafenstadt – und für uns der Ausgangspunkt unserer Reise durch malerische Landschaften und kulinarische Genüsse der Region Nova Scotia. Zum Beispiel eine Stadtrundfahrt mit dem kultigen „Halifax Harbour Hopper“ – ein amphibisches Fahrzeug, das uns nicht nur durch die Straßen der Stadt, sondern auch aufs Wasser zu einer kleinen Hafenrundfahrt entführte. 

Oder wie wäre es mit einem Nervenkitzel beim „Tidal Bore Rafting“. Wer es mag durch die Stromschnellen desTide zu hüpfen und dabei ein durch den wechselnden Wasserstand erzeugtes Abenteuer zu erleben, ist hier genau richtig. Ich war völlig durchnässt und schlammverschmiert und einfach nur froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Das stilvolle Dinner im „Muir“, Austern schlürfend und mit einem beruhigenden Meerblick, hätte ich fast verpasst, da meine komplette Kleidung gereinigt werden musste. Aber es fühlte sich gut an, wir hatten etwas erlebt, das wir so schnell nicht vergessen werden.  

Lunenburg und die South Shore

Tagesausflüge sind in Nova Scotia Pflicht und führten uns am zweiten Tag unserer Reise in das malerische Örtchen Lunenburg, eine UNESCO-Weltkulturerbestätte, gegründet im 18. Jahrhundert, mit bunten Häusern und einer reichen Geschichte, die von europäischen Siedlern, Seefahrt und kulturellem Erbe geprägt ist. Lunenburg zählt zu den bestbewahrten Siedlungen Kanadas und ist ein wirklich süßes Städtchen. Und wer noch nicht genug vom Wasser hat, kann in den etwa 30 Minuten entfernten South Shores dem Kayaking frönen. Eine etwas ruhigere Art durchs Wasser zu gleiten und die Vegetation in diesen ungewöhnlichen Steinformationen zu bewundern – ein absolutes Highlight.

Annapolis Valley – ein Rausch

An die Historie dieser Region kann ich mich nicht mehr genau erinnern, an die wunderbaren Weine schon. Sehr zu empfehlen: die „Benjamin Bridge Vineyards“, gefolgt von einem exquisiten Mittagessen im „Domaine de Grand Pré“. Weiter ging es mit einer Verkostung bei „Luckett Vineyards“ und wir rundeten das Ganze bei einem rustikalen Abendessen im „Hall’s Harbour Restaurant & Lobster Pound“ ab. Mein erster frischer Hummer bei einem Ausblick auf die stürmische Bay of Fundy. Unvergesslich.

Postkartenidylle Peggy’s Cove

Natürlich durfte ein Abstecher nach Peggy’s Cove nicht fehlen. Der berühmte Leuchtturm, die rauen Klippen – es war, als wäre ich in ein Gemälde getreten. Nur die vielen Touristen, die dieses raue Fleckchen anzieht, katapultierten mich zurück in die Gegenwart. 

Wieder angekommen in Halifax ging es auf eine Zeitreise durch die Halifax Citadel oder offiziell genannt „Fort George“, eine der am besten erhaltenen Festungen Nordamerikas. 1856 fertiggestellt war „Fort George“ Teil eines Netzwerks britischer Festungen, das die kolonialen Interessen in Nordamerika schützen sollte. „Fort George“ diente als strategisch wichtiger Hafen zur Sicherung der Stadt gegen potenzielle Angriffe und über die letzten Jahrzehnte hinweg als aktiver Militärstützpunkt. Heute wird hier gezeigt, wie Soldaten und ihre Familien damals lebten. 

Kurz seien die Ureinwohner dieser Region genannt, das Volk der Mi’kmaq. Sie waren eine der ersten indigenen Gruppen in Nordamerika, die mit europäischen Siedlern und Entdeckern in Kontakt kamen. Schon im 16. Jahrhundert trafen sie auf französische Fischer und Entdecker. Nova Scotia erkennt die Mi’kmaq als die ursprünglichen Bewohner der Region an. Der „Treaty Day“ am 1. Oktober ehrt die historischen Verträge zwischen den Mi’kmaq und der Krone.

Und was bleibt hängen?

Ein gut gemixter Cocktail: ein bisschen Abenteuer, eine Prise Luxus, viel Kultur und ein Schuss Inspiration. Reykjavik und Halifax könnten unterschiedlicher nicht sein, und doch haben beide diese unvergessliche Energie, die dich mitreißt. Woran das liegt? Vielleicht an einer Einwanderungskultur, die das über die letzten Jahrhunderte möglich machte. 

Pack deine Koffer und erlebe es selbst!

Wenn du also mit Icelandair von Europa über den Atlantik nach Nordamerika, wie zum Beispiel Halifax, fliegst, kannst du ohne Flugaufpreis einen Zwischenstopp von 1 bis 7 Tagen in Island einlegen. So erlebst du auf dem Weg zu deinem Ziel bereits ein Abenteuer.

Die durchschnittliche Dauer eines Fluges von Berlin nach Reykjavik beträgt etwa 3 Stunden, von Reykjavik nach Halifax etwa 5 Stunden. Der Hin- und Rückflug wird ab rund 500 € angeboten.

Anja Horn