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Wattwurmblut und Offroad-Träume: Die Defender Experience auf Sylt 

Die Defender Experience auf Sylt
Die Defender Experience auf Sylt
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Lesezeit7 Min · 1.474 Wörter

In der Welt der Geländewagen gibt es wenige Namen, die so viel Abenteuergeist und Robustheit versprechen wie der Defender. Doch was passiert, wenn man diesen ikonischen Offroader mit einer Prise Luxus und einer Portion Sylt kombiniert? Das durfte ich bei der Defender Experience auf der nordfriesischen Insel erleben. Ein Wochenende, das sowohl die Sinne als auch den Geist anregen sollte – mit dem neuen Defender 110 OCTA  als vermeintlichem Hauptdarsteller. 

Der Start in Hamburg vielversprechend. Mit den ikonischen Defender-Modellen machen wir uns auf den Weg durch Schleswig-Holstein entlang der Nordseeküste nach St. Peter-Ording zu Deutschlands einzigem Autostrand. Über die asphaltierte Zufahrt geht es über den Deich hinein in die große Sandkiste. Wolken, Wind und Wellen – die Fahrt über den endlosen Strand, durch die riesigen Wasserpfützen hindurch, und das raue Nordseeklima (eigentlich der ideale Vorgeschmack auf ein Offroad-Abenteuer) sollten die größten Herausforderungen im Gelände bleiben. 

Angekommen im Pfahlbau des Salt & Silver am Meer erwartet uns ein kulinarischer Auftakt der Extraklasse. Co-Gründer Jo höchstpersönlich kredenzt Jakobsmuscheln, Austern, Steak und Steinbutt. Und das in einer Art und Weise, die selbst die eher anspruchsvollen Gaumen unserer Journo-/Influencer-Gruppe überrascht und keine Fragen offen lässt. Eine hausgemachte Steak-Sauce zum Niederknien, da waren wir uns alle schnell einig. 

Letzte Vorbereitungen vor dem Star-Auftritt der Jakobsmuschel im Salt & Silver am Meer, Foto: Defender.

Mit viel Protein im Blut und dem Geschmack der Béarnaise noch auf der Zunge geht es weiter nach Niebüll. Wir lassen den rauen Wind und die Wolken von St. Peter-Ording endgültig hinter uns. Mit dem Autozug nach Sylt gleiten wir quasi vom Abenteuer- in den Urlaubs-Modus. Kaum auf der Insel angekommen, stellt sich unmittelbar ein Gefühl der Entschleunigung ein. Wir landen zwar nicht im Lanserhof, aber fast – im benachbarten A-ROSA, das für die nächsten beiden Nächte unser Domizil sein wird. Es verspricht nicht weniger Komfort, aber auch nicht mehr Modernität. Mittlerweile leider etwas in die Jahre gekommen, und die große Eingangstür grüßt auch am dritten Tag noch mit einem störrischen „Außer Betrieb“. 

Auch am ersten Abend in der Strandhalle Sylt, dem Restaurant des Hamburger Promi-Wirts Tim Becker unweit vom Ellenbogen, droht Proteinschock-Gefahr. Das Highlight des Abends jedoch nicht die Eskalation des kollektiven Schalentier-Massakers, sondern definitiv die legendären Geschichten von Dag Rogge. Rogge, Gründer und langjähriger Leiter der Land Rover Experience in Deutschland, entführt uns in die Welt des Offroad-Abenteuers. Dag erzählt von seinen Anfängen Ende der 80er Jahre, als er eine kleine Agentur übernahm und die ersten Trainings quasi als One-Man-Show durchführte. Mit der Einführung des „Land Rover Defenders“ im Jahr 1990 mietete er einen Steinbruch und entwickelte die Idee, ganzjährige Offroad-Trainings anzubieten. Heute erstreckt sich sein Offroad-Paradies in der Nähe von Düsseldorf über nicht weniger als 17 Hektar mit 27 anspruchsvollen Hindernissen, die jährlich von beeindruckenden 5000 Teilnehmern gemeistert werden. Seine Geschichten führen uns weiter zu den wilden Experience Touren, die er seit 2000 organisiert. Die 13 Expeditionen führen in die entlegensten Winkel der Erde, von Jordanien, Island, Peru bis hin nach Afrika, wo es jährlich ein Reiseprogramm von Defender Experience zu erleben gibt. 

Rogges Leidenschaft ist ansteckend: Während wir an unseren Gläsern nippen, fühlen wir uns, als säßen wir mit Rogge am Lagerfeuer irgendwo in der Wildnis. Man hätte eigentlich nur ein Tonbandgerät aufstellen müssen, transkribieren und fertig wäre die perfekte Story. 

Der Defender OCTA im Severin’s: Man möchte ihn nur zu gerne von seinem Podest entführen, Foto: Defender. 

Der Samstag verspricht die lang ersehnte Defender OCTA Experience. Im Severin’s Resort & Spa Sylt steht er da, bereit zum Bestaunen – auch für die ortsansässige Lokalpresse und erste Interessenten. 

Der OCTA präsentiert sich (auch im fesselnden Werbeteaser)  als beeindruckende Performance-Version des Defender 110. Inspiriert von der Robustheit und Eleganz von Diamanten – daher der Namensbezug auf achteckig (octa) – kombiniert er die extreme Leistungsfähigkeit mit einem luxuriösen Innenraum. 

Schmuckdesignerin Leo Eberlin und ihr Mann Steven Neumann, Gemmologe (Edelsteinexperte), vom Schmucklabel LEO MATHILD tauchen mit uns ein in die Welt der Diamanten. Viel Input, sehr spannend und aufschlussreich und eine tolle Lebensgeschichte zweier sympathischer Menschen. An sich brillant, wenngleich der Diamanten-Bezug zum Fahrzeug etwas holprig daherkommt. Klar, Robustheit, „Luxus“, man positioniert sich mit dem OCTA, mit einem Einstiegspreis von 185k, klar in diesem Segment, aber der Zusammenhang erschließt sich einem nicht intuitiv. 

Leo Eberlin und Steven Neumann: Faszination Diamanten unter der Lupe, Foto: Defender. 

Unter der Haube arbeitet ein 4,4-Liter-Twin-Turbo-Mild-Hybrid-V8-Motor, der beeindruckende 467 kW (635 PS) und bis zu 750 Nm Drehmoment liefert. Das katapultiert den OCTA in nur 4,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h, bei einer Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h. Das Einzige, was mich heute aber noch von 0 auf 100 katapultieren und mich durchs Wasser ziehen würde, ist der Kite. 

Äußerlich fällt der OCTA durch seine verbreiterten Radhäuser, erhöhte Bodenfreiheit und imposanten 22-Zoll-Felgen mit 33-Zoll-Reifen auf. Der Hingucker ist definitiv das neue Design des Kühlergrills, durch den der SUV optisch noch brutaler wirkt, während zugleich der Luftstrom optimiert wird. Ein Unterbodenschutz aus Aluminiumlegierung schützt das Fahrzeug im Gelände. Die Wattiefe beeindruckende 1 Meter, ein Meilenstein im Segment der Geländefahrzeuge. Im Interieur kann man sich auf höchsten Luxus mit hochwertigen Materialien und exklusiven Ausstattungsoptionen freuen. Innovativ die „Body and Soul“-Vordersitze mit modernster sensorischer Technologie und Wellness-Funktion. Mehrere Boxen in den Sitzen sorgen für ein immersives, sensomotorisches Erlebnis, indem sie Media- und Motorsound direkt in das Gestühl einleiten. Sechs integrierte Wellnessprogramme nutzen diese Technologie, um verschiedene sensorische Erlebnisse zu erzeugen, von entspannenden Klängen bis hin zur vollen Ladung Bass – ähnlich einer Massage, ohne tatsächlich eine zu sein. 

Dank des innovativen „6D Dynamics“-Fahrwerks mit Nick- und Wanksteuerung sowie optimierten Fahrwerkskomponenten garantiert der OCTA herausragende Fahreigenschaften sowohl auf der Straße als auch im Gelände. Das System, eine Kombination aus Sensoren, Hydraulik und elektronischer Steuerung, um die Fahrzeugbewegungen in Echtzeit anzupassen – zur Veranschaulichung  ein Miniatur-Fahrzeugunterboden aus Plexiglas, der einen auf ihn geworfenen Tischtennisball im Bruchteil einer Sekunde vollautomatisch ausbalanciert und zum Stillstand bringt. 

Seit Mitte August können erste Interessenten den OCTA bei Defender Partnern bestellen. Die Edition One, die im ersten Produktionsjahr erhältlich ist, bietet spezielle Ausstattungsoptionen wie exklusive Lackierungen und Details aus Chopped-Carbon-Fibre.  

Während wir auf die Shuttles zum Kitesurfing-Workshop warten, genießen wir im Severins alkoholfreie Negronis und kulinarische Häppchen. Die brennende Sonne lässt uns in Tagträume versinken. Rogges Geschichten vom Vorabend, der Teaser der beeindruckenden Performance-Skills des OCTA – fast unwillkürlich beginnen wir, den Weg zum Seiteneingang des Gartens gedanklich auszumessen. Das Auto vom Podest zu fahren, wäre bekanntlich ein Kinderspiel. Ein paar Blumenbeete und Sträucher müssten weichen, möglicherweise gäbe es ein paar leichte Schrammen. Bisschen Schwund ist ja immer bei einem Fahrzeugtest. Wir werden rechtzeitig aus unseren waghalsigen Gedanken gerissen. Das Meer ruft, es geht zum Kiten, und es bleibt bei einer beinahe Autoentführung. 

Für die perfekte Welle: Kitesurfen bei idealen Bedingungen am Sylter Ellenbogen, Foto: Defender.

Die ersten Erfahrungen mit einem Kite entpuppen sich als mein Point Break-Moment. Bei traumhaftem Wetter und heftigem Wind – sicherlich kein Anfängerwind, aber ideal, um die aufgestaute Abenteuerlust zu entladen – werden wir durchs Wasser an Deutschlands nördlichstem Surfspot am Ellenbogen gezogen. Mit den Neos im hüfttiefen, lagunenartigen Wasser und der einsetzenden Dämmerung ein wirklich magischer Moment. Ich fühle mich ein wenig wie Johnny Utah, der von Bodhi in die Welt des Adrenalins eingeführt wird. 

Besonderes Lob gilt dem Defender-Team und den Organisatoren der Reise. Alle Unternehmungen waren liebevoll geplant. Die Gruppe bunt gemischt: Journos, Influencer, jung und alt. Gute Laune, guter Austausch, keine Grüppchenbildung – eine wirkliche Bereicherung. 

Überraschend guter Abschluss: die vormittägliche Wattwanderung mit Guide Jan Krüger. Der Insulaner und ehemalige Gastronom, ein wirklicher Experte für den Lebensraum Watt und offizieller Nationalpark-Wattführer. Viel Input, viel Charme, viel gelernt:  Der unscheinbare Wattwurm könnte sich als medizinischer Lebensretter entpuppen. Sein Blut enthält ein besonderes Hämoglobin, das 50 Mal so viele Sauerstoffatome transportieren kann wie das menschliche. Forscher sehen darin enormes Potenzial: Von der Verbesserung von Organtransplantationen über die Behandlung von Schlaganfällen bis hin zur Versorgung von Covid-19-Patienten. Die ersten klinischen Studien sind vielversprechend. 

Strandkrabbe: Not amused, aber nach einem kurzen Auftritt von Wattführer Jan Krüger wieder glücklich in ihrem Element. Foto: Defender.

Was bleibt am Ende übrig? Wenig Auto gefahren, viel erlebt, viel gelernt. Der Wunsch nach mehr ist groß – mehr Abenteuer, mehr Erlebnisse. Nächstes Mal mit Rogge nach Namibia.

Torben Kneisler