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Waymo tritt auf’s Gas: Mit 16 Milliarden mehr bis London

Waymo tritt auf’s Gas: Mit 16 Milliarden mehr bis London
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Waymo hat 16 Milliarden Dollar eingesammelt und dreht den Expansionsregler auf Anschlag. Nach den USA sollen jetzt Städte wie London und Tokio dran glauben. Aus dem einstigen Google-Forschungsprojekt ist eine kommerzielle Maschine geworden, die jede Woche Hunderttausende Fahrten ausspuckt. Aber je größer die Flotte, desto lauter die Fragen nach Sicherheit und Kontrolle.

Waymo ist längst kein Laborprojekt mehr, sondern ein Schwergewicht mit einer Bewertung von 126 Milliarden Dollar. Unterstützt von Alphabet und flankiert von Investoren wie Sequoia, Andreessen Horowitz und Mubadala wird klar: Hier geht’s nicht mehr ums Testen, sondern ums Erobern. Kapital ist nicht das Problem. Tempo ist die Mission.

Phoenix war der Anfang, jetzt kommt der Rest der Welt

Phoenix war das erste echte Spielfeld ohne Sicherheitsfahrer. Was dort als Experiment begann, wurde zur Blaupause für skalierbare Robotaxi-Zonen. Heute rollt Waymo durch mehrere US-Metropolen – und plant den Sprung in über 20 neue Städte ab 2026.

Nächster Halt: London. Und Tokio

Sechs Ballungsräume, 400.000 Fahrten jede Woche, über 20 Millionen insgesamt. Allein 2025 hat Waymo sein Jahresvolumen verdreifacht und 15 Millionen Fahrten geknackt. Das ist keine Zukunftsmusik mehr, das ist Serienbetrieb auf Asphalt. London und Tokyo sind keine PR-Namen, sondern konkrete Zielmarken. Waymo will raus aus der US-Blase und rein in komplexe, dichte, internationale Verkehrsökosysteme. Wenn es dort funktioniert, funktioniert es überall.

Skalierung heißt: Reibung inklusive

Mit jeder neuen Stadt steigt nicht nur die Reichweite, sondern auch die Fallhöhe. US-Behörden untersuchen Vorfälle rund um Schulzonen, Schulbusse und Verkehrsregeln. Ein Robotaxi erfasste ein Kind mit geringer Geschwindigkeit – glimpflich, aber ein Weckruf für alle Beteiligten. Waymo formuliert es selbstbewusst: Man beweise nichts mehr, man skaliere eine „kommerzielle Realität“. Bedeutet übersetzt: Das Geschäftsmodell steht, jetzt geht es um Fläche, Frequenz und Vertrauen. Und genau daran entscheidet sich, ob Robotaxis Alltag oder Dauerdebatte werden.

Warum das kein Tech-Thema mehr ist

Je mehr Fahrzeuge unterwegs sind, desto stärker betrifft es Städte, Politik und Gesellschaft. Robotaxis verändern Verkehrsplanung, Haftungsfragen, Arbeitsmärkte und Sicherheitsdebatten. Das hier ist nicht nur ein Produktlaunch – das ist Infrastruktur im Entstehen. Die USA waren der kontrollierte Probelauf. Europa und Asien werden härter: dichtere Städte, strengere Regeln, andere Verkehrskulturen. London und Tokio sind weniger Expansion als Bewährungsprobe.

Software übernimmt das Steuer

Waymo hat das Geld, die Technik und den Ehrgeiz. Was noch fehlt, ist die kollektive Gewöhnung daran, dass kein Mensch mehr vorne sitzt. Die nächsten Jahre entscheiden, ob wir Robotaxis als Fortschritt feiern oder als rollendes Experiment betrachten, das uns überholt hat.

Günther Suchy

Günther Suchy ist bei Business Punk Head of Digital Editorial. Daneben ist er Professor für Kommunikation und Journalismus an der Duale Hochschule Baden-Württemberg am Campus Ravensburg – also einer, der die Medienwelt nicht nur lehrt, sondern lebt. Der promovierte Volkswirt kennt den Journalismus und die digitalen Medien jenseits des Elfenbeinturms: Er leitet das Hochschulradio „Das kleine U-Boot“, baut crossmediale Ausbildungs- und Produktionsformate auf und hält dabei immer den Finger am Puls der Branche. Bevor er an die Hochschule nach Ravensburg kam, war Suchy unter anderem in der Unternehmenskommunikation von MAN und in leitenden Funktionen digitaler Medienprojekte tätig – sowie als Online-Redaktionsleiter der Automotive-Formate bei Motorvision (DSF). Seine Lehr- und Forschungsprojekte bringen ihn immer wieder in die Welt hinaus: Nach China, Chile, Marokko oder Bhutan, wo er 2024 und 2025 am Royal Thimpu College lehrte und das Nationale Olympische Komitee zum Thema „Nachhaltigkeitskommunikation im Sport“ beriet. An der Universität Durban in Südafrika gibt er Seminare zum Thema "Green Startups". Zwischen Subkultur, Startup-Mindset und System fühlt er sich zu Hause – und genau aus dieser Perspektive schreibt er für Business Punk.