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Wegen blauem KI-Ring? WhatsApp-Nutzer fliehen zu diesen 4 Alternativen

Das sind Alternativen zum WhatsApp Messenger.
Business Punk by KI Das sind Alternativen zum WhatsApp Messenger.
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Lesezeit4 Min · 847 Wörter

WhatsApp-Nutzer suchen verstärkt nach Alternativen – nicht zuletzt wegen Meta AI. Vier Messenger bieten echten Datenschutz, innovative Features und befreien vom Meta-Ökosystem. Die Umstiegshürde bleibt jedoch hoch.

Der blaue Riese wackelt. Fast drei Milliarden Menschen nutzen WhatsApp weltweit, doch die Kritik am Meta-Dienst wächst. Sicherheitslücken, Betrugsmaschen und vor allem die Implementierung von Meta AI sorgen für Unmut. Die künstliche Intelligenz lässt sich nicht vollständig deaktivieren – ein Fakt, der viele Nutzer zum Nachdenken über Alternativen bringt. Dazu kommt die wachsende Skepsis gegenüber Mark Zuckerbergs Datenhunger und seiner politischen Positionierung. Zeit für einen Blick über den Tellerrand des Meta-Universums.

Die Messenger-Umstiegsfalle

Die größte Hürde bei jedem Messenger-Wechsel ist nicht die Technik, sondern das soziale Netzwerk dahinter. Der Wert eines Kommunikationsdienstes steigt mit der Anzahl seiner Nutzer – ein klassischer Netzwerkeffekt. Wer umsteigt, muss sein Umfeld überzeugen mitzukommen. Das führt zur paradoxen Situation: Die beste Alternative nützt wenig, wenn niemand sie nutzt. Realistisch betrachtet werden die meisten zunächst mehrere Messenger parallel betreiben müssen.

Signal – Der Whistleblower-Favorit

Signal hat sich als erste Anlaufstelle für Datenschutzbewusste etabliert. Die App wird von einer gemeinnützigen Organisation entwickelt und verzichtet komplett auf Werbung und Tracking. Stattdessen finanziert sich der Dienst ausschließlich über Spenden – darunter 50 Millionen Dollar vom WhatsApp-Mitgründer Brian Acton, der nach dem Verkauf an Facebook die Seiten wechselte.

Bei der Anmeldung ist zwar eine Telefonnummer erforderlich, doch die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gilt als besonders sicher. Nicht ohne Grund ist Edward Snowden einer der prominentesten Nutzer. Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten speichert Signal keine Daten auf Servern, sondern ausschließlich auf den Endgeräten der Nutzer.

Funktional bietet Signal mittlerweile fast alles, was auch WhatsApp kann: Sprach- und Videoanrufe, Gruppenchats, Sticker, GIFs und sogar Stories. Die App wirkt dabei aufgeräumter und weniger überladen. Ein besonderes Feature: Nachrichten können mit einem Timer versehen werden, nach dessen Ablauf sie sich automatisch löschen.

Threema – Schweizer Qualität hat ihren Preis

Während die meisten Messenger kostenlos sind, verfolgt Threema einen anderen Ansatz: Die App kostet einmalig 5,99 Euro. Das Schweizer Unternehmen finanziert sich durch diesen Kaufpreis statt durch Daten oder Werbung – ein transparentes Geschäftsmodell, das Vertrauen schafft.

Der größte Vorteil: Threema funktioniert ohne Telefonnummer oder E-Mail-Adresse. Stattdessen erhalten Nutzer eine anonyme ID. Die Server stehen in der Schweiz und unterliegen strengen Datenschutzgesetzen. Zudem ist der Quellcode öffentlich einsehbar (Open Source) und wird regelmäßig von unabhängigen Experten überprüft.

Funktional konzentriert sich Threema auf das Wesentliche. Die App verzichtet bewusst auf Schnickschnack und bietet stattdessen durchdachte Features wie eine praktische Umfragefunktion für Gruppenchats. Die Oberfläche ist aufgeräumt und intuitiv. Wer maximale Sicherheit sucht und bereit ist, dafür zu zahlen, findet hier die wohl vertrauenswürdigste Alternative.

Discord – Mehr als nur für Gamer

Was als Gaming-Plattform begann, hat sich zu einer vollwertigen Kommunikationszentrale entwickelt. Discord bietet eine Mischung aus Gruppen-Messenger und sozialer Plattform. Das Konzept der „Server“ – geschlossene Räume für bestimmte Interessengruppen – ermöglicht eine strukturierte Kommunikation jenseits endloser Chat-Verläufe.

Besonders beeindruckend ist die Audioqualität bei Gruppenanrufen. Selbst große Videokonferenzen laufen flüssig und zuverlässig. Die Plattform integriert zudem ständig neue Features – von Screen-Sharing bis hin zu Clubhouse-ähnlichen Audio-Räumen, in denen bestimmte Personen sprechen können, während andere zuhören.

Seit September 2024 bietet Discord auch Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für Audio- und Videoanrufe. Für Textnachrichten steht diese Funktion allerdings noch aus. Die Plattform eignet sich besonders für Freundeskreise, die mehr als nur chatten wollen – etwa gemeinsam spielen, Videos schauen oder an Projekten arbeiten.

Viber – Der internationale Geheimtipp

In Deutschland eher unbekannt, gehört Viber mit über 250 Millionen aktiven Nutzern zu den größten Messengern weltweit. Besonders in Osteuropa, dem Nahen Osten und Teilen Asiens ist die App verbreitet. Der vom japanischen Konzern Rakuten betriebene Dienst bietet einige innovative Features, die WhatsApp nicht hat.

Neben klassischen Gruppenchats gibt es unbegrenzt große Communities mit erweiterten Administrationsrechten. Besonders durchdacht: die „Secret Chats“ mit Selbstzerstörungsfunktion für sensible Gespräche und die Möglichkeit, bestimmte Kontakte als „sicher“ zu markieren. Gegen Gebühr kann Viber sogar normale Telefonnummern anrufen – praktisch für internationale Kommunikation.

Die Verschlüsselung erfolgt Ende-zu-Ende, und die App bietet zahlreiche Privatsphäre-Einstellungen. In Deutschland nutzen laut Statista allerdings nur etwa vier Prozent aller Messenger-Nutzer Viber – die Überzeugungsarbeit im Freundeskreis dürfte also besonders schwerfallen.

Der Trend geht klar in Richtung mehr Datenschutz und Kontrolle über die eigenen Kommunikationsdaten. Während Meta mit WhatsApp und dem Facebook Messenger noch dominiert, wächst die Nutzerschaft der Alternativen stetig.

Die Zukunft könnte in der Interoperabilität liegen – der Möglichkeit, über verschiedene Messenger hinweg zu kommunizieren. Die EU drängt mit dem Digital Markets Act bereits in diese Richtung. Bis dahin bleibt der pragmatische Ansatz: Mit verschiedenen Gruppen über verschiedene Kanäle kommunizieren und langsam den Übergang gestalten. Der Abschied von WhatsApp muss kein abrupter Schnitt sein, sondern kann als schrittweiser Prozess erfolgen – mit dem Ziel, die Kontrolle über die eigene digitale Kommunikation zurückzugewinnen.

Quellen: Netzpiloten, t3n, Chip

Portrait Uli Weißgerber

Uli Weißgerber

Seit über 25 Jahren bewegt er sich an der Schnittstelle von Medien, Marketing und Technologie. Stationen? Sport1, ProSiebenSat.1, Bertelsmann – er war beim Start von Sport1.de dabei hat unter anderem die erste Affiliate-Kampagne in Polen ausgerollt hat. Später hat er mit getperformance das erste TV-Performance-Tracking entwickelt und Marken wie Trivago ins Fernsehen katapultiert. Als Gesellschafter von Promipool wurde er Publisher und baute ein starkes, unabhängiges Content-Portfolio auf. Heute bringt er mit seinem Team und Partnern eigene, komplexe KI-Workflow-Lösungen in Verlage und Agenturen, die mehr können als Buzzwords – unter anderem steuern sie die komplette digitale Plattform von Business-Punk.com.