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Wenn der Roboter Gitarre spielt – und besser klingt als du

Roboter spielen nun auch schon Gitarre. (Symbolbild)
BP | KI-generiert mit ChatGPT Roboter spielen nun auch schon Gitarre. (Symbolbild)
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Lesezeit2 Min · 477 Wörter

28 Servomotoren, ein paar Plektren und null Rockstar-Allüren: Eine Reddit-Bastlerin baut einen Roboter, der jede Melodie auf akustischer Gitarre spielen kann. Kickstarter-Kampagne geplant.

Während die meisten von uns noch daran scheitern, „Wonderwall“ ordentlich hinzubekommen, bastelt sich das Internet gerade seinen eigenen Gitarristen zusammen. Reddit-Nutzerin Megcell hat einen Roboter entwickelt, der an eine akustische Gitarre geschraubt wird und dort jeden beliebigen Song spielt.

Das Besondere: Das Ding ist nicht auf eine Melodie programmiert, sondern kann MusicXML-Dateien verarbeiten – theoretisch jedes Lied, das je geschrieben wurde.

Von Nujabes bis zum nächsten Hit

28 Servomotoren braucht es, damit der mechanische Musikant funktioniert. Ein Teil schlägt die Saiten an, ein anderer greift die Akkorde. Die Plektren bewegen sich nach jedem Kontakt minimal nach oben – für mehr Kontrolle über Artikulation und Anschlagdynamik, wie t3n berichtet. Im Demovideo spielt der Roboter eine Version von „Luv(sic)“ des japanischen Hip-Hop-Produzenten Nujabes. Klingt noch mechanisch?

Geschenkt. Megcell konzentriert sich aktuell darauf, eine „solide technische Grundlage“ zu schaffen, bevor sie ausdrucksstärkere Techniken wie variable Anschlagsstärken, Vibrato oder Bendings einbaut. Das Projekt steckt noch im Entwicklungsstadium. Die Bastlerin testet gerade verschiedene Materialien für die Plektren, um die beste Balance zwischen Klang und Haltbarkeit zu finden. Aber die Vision ist klar: Letztlich will Megcell eine ganze Roboter-Band aufbauen, ähnlich der Berliner Formation Compressorhead, die seit 2013 mit mechanischen Musikern auf Festivals auftritt.

Kickstarter statt Plattenvertrag

Anders als die Berliner Roboter-Rocker soll Megcells Gitarrist aber auch für die Massen zugänglich werden. Eine Kickstarter-Kampagne ist angekündigt, ein konkretes Startdatum gibt es noch nicht. Das Interesse ist da: Unter dem Reddit-Post tummeln sich potenzielle Käufer, auch wenn manche kritisieren, dass der Sound zu roboterhaft klinge. Eine Kritik, die Megcell kaltlässt – wer eine technische Revolution bauen will, muss mit Kinderkrankheiten leben können.

Die Frage ist weniger, ob der Roboter technisch funktioniert, sondern wofür er eigentlich gut sein soll. Musik-Automatisierung ist nicht neu, von MIDI-Controllern bis zu KI-Kompositionstools gibt es bereits zahlreiche Werkzeuge. Aber ein physischer Roboter, der echte Instrumente spielt? Das kratzt an einer anderen Frage: Was passiert, wenn Maschinen nicht nur Musik generieren, sondern auch performen?

Business Punk Check

Seien wir ehrlich: Ein Roboter, der Gitarre spielt, ist technisch beeindruckend, aber ökonomisch erstmal ein Nischenprodukt. Wer kauft sich einen 28-Servomotoren-Gitarristen für die heimische Jam-Session? Vielleicht Musikschulen für Demonstrations­zwecke, vielleicht Technik-Nerds mit zu viel Bastelbudget. Der wahre Wert liegt woanders: in der Demokratisierung komplexer Robotik.

Megcell zeigt, dass man keine Millionen-Budgets braucht, um mechanische Musikautomation zu bauen – Open-Source-Spirit trifft DIY-Kultur. Sollte die Kickstarter-Kampagne abheben, könnte daraus eine Plattform für modulare Musik-Robotik entstehen. Bis dahin bleibt es ein faszinierendes Hobbyprojet mit großem Showcase-Potenzial. Für die Musikindustrie: irrelevant. Für die Maker-Szene: Inspiration pur. Wer wetten will, setzt nicht auf Massenmarkt, sondern auf Spin-offs – etwa vereinfachte Robotik-Kits für MINT-Bildung.

Quellen: t3n, The Verge

Portrait Uli Weißgerber

Uli Weißgerber

Seit über 25 Jahren bewegt er sich an der Schnittstelle von Medien, Marketing und Technologie. Stationen? Sport1, ProSiebenSat.1, Bertelsmann – er war beim Start von Sport1.de dabei hat unter anderem die erste Affiliate-Kampagne in Polen ausgerollt hat. Später hat er mit getperformance das erste TV-Performance-Tracking entwickelt und Marken wie Trivago ins Fernsehen katapultiert. Als Gesellschafter von Promipool wurde er Publisher und baute ein starkes, unabhängiges Content-Portfolio auf. Heute bringt er mit seinem Team und Partnern eigene, komplexe KI-Workflow-Lösungen in Verlage und Agenturen, die mehr können als Buzzwords – unter anderem steuern sie die komplette digitale Plattform von Business-Punk.com.