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Wie die politische Macht von X, Podcastern und alternativen Medien die Wahl beeinflusst  

Wie die politische Macht von X, Podcastern und alternativen Medien die Wahl beeinflusst  
Erschienen
Lesezeit3 Min · 564 Wörter

Die Medien in den USA haben das Vertrauen der Wähler verloren; sie haben sich neue Informationsquellen gesucht. Was heißt das für die deutschen Wahlen? Einige der zentralen Unterstützer in Donald Trumps Wahlkampf kamen aus Ecken, die man für eine solche Rolle bis vor kurzem nicht vermutet hätte.  

Elon Musk, der omnipräsente Milliardär, der nun die nächsten Jahre damit verbringen wird, die öffentliche Verwaltung der USA auf ähnliche Weise zurechtzustutzen, wie er das bereits mit der Belegschaft von Twitter/X getan hat. Oder Dana White, der Käfig- kampf-Promoter. Die wohl bemerkenswerteste Gruppe aber waren die Podcaster. Joe Rogan, die „All-In“- Tech-Bros um David Sacks und Chamath Palihapitiya und viele andere halfen Trump, die Massen direkt zu erreichen und ein Gegengewicht zu den ihm größtenteils in tiefer Abneigung verbundenen Mainstream-Medien zu bilden. Allein Trumps dreistündiger Auftritt beim Podcaster, Stand-up-Comedian und Unternehmer Joe Rogan wurde auf unterschiedlichen Plattformen mehr als 100 Millionen Mal heruntergeladen. Seine TV-Duelle mit Biden und später mit Harris verblassten dagegen.  

Wer hat das Sagen?  

Auch X hatte im US-Wahlkampf endgültig dazu beigetragen, die Meinungsmacht der tradierten Medien zu brechen. Über 50 Millionen Amerikaner sind jeden Tag auf der Plattform aktiv, etablierte Top-Leitmedien wie die New York Times sind dagegen Zwerge. Und es sind nicht nur die nackten Zahlen, die beeindrucken, sondern auch das Vertrauen, das die Bürger mittlerweile in diese neuen Medien haben. Jede große Um- frage zeigt, dass das Vertrauen der Menschen in die etablierten Medien im Sturzflug ist, während Rogan und Co. zunehmend nicht mehr nur als gute Unterhaltung, sondern mehr und mehr als ehrliche Quellen für Fakten gelten.  

Janna Ensthaler

Was will ich glauben?  

Wer verstehen möchte, wie es zu diesem Wandel kam, muss auf das dritte, neue Medienphänomen des jüngsten US-Wahlkampfs schauen: die Wettmärkte. Die teuer erstellten Umfragen der Mainstream-Medien sahen bis zum Schluss ein Kopf-an-Kopf-Rennen der Kandidaten, mit leichten Vorteilen für Harris. Die Online- Wettbörse Polymarket dagegen sah die Wahrscheinlichkeit für einen Trump-Sieg zum selben Zeitpunkt bei mehr als 60 Prozent. Ob diese Diskrepanz schlicht das Resultat schlechter Methoden war? Was aus diesem US-Wahlkampf bleibt, ist ein nachhaltiger Relevanz- verlust der etablierten Medien in den USA zugunsten von Podcasts, X und Co. Was bedeutet das alles für uns in Deutschland, dem Land, in dem laut ZDF nicht weniger als bemerkenswerte 72 Prozent der Menschen fest mit einem Harris-Sieg gerechnet hatten?  

Soziale Trends aus den USA schwappen mit Verzögerung über den Atlantik zu uns rüber (Goodbye, woke ;)). Noch haben wir hier keine Podcaster vom Standing eines Joe Rogan. Auch X-Beefs zwischen Spitzenpolitikern sind nach wie vor selten. Der aktuelle Kampf ums Kanzleramt wird also weiterhin in Bild, BamS und der Glotze ausgetragen, wie es der Ex-Kanzler Gerd Schröder 1998 verlauten ließ. Aber wird das auch noch für 2029 gelten? Ich habe meine Zweifel. Wenn große Teile der deutschen Medien nicht schleunigst aus den Fehlern ihrer nordamerikanischen Kollegen lernen und die Bericht-erstattung wieder mehr an der von ihnen ungeliebten Realität ausrichten, sind wir vielleicht nur noch wenige ZDF-Umfragen davon entfernt, dass auch bei uns Podcaster nicht mehr nur gute Unterhaltung beim Joggen liefern, sondern die zentralen Meinungs-macher werden.  

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Portrait Janna Ensthaler

Janna Ensthaler

Janna Ensthaler ist seit 2021 Partnerin des von ihr gegründeten Green Generation Funds, eines Risikokapitalfonds mit Fokus auf Investments in Greentech und Foodtech. Seit April 2023 ist sie Investorin in der Fernsehsendung Die Höhle der Löwen. Nach ihrer Studienzeit in Oxford und der London School of Economics war sie Unternehmensberaterin bei Bain & Company in London. Danach gründetet sie in Deutschland zwischen 2009 und 2015 drei Firmen: gemeinsam mit dem Startup-Inkubator Rocket Internet die Kosmetikfirma Glossybox (2017 Verkauf an die Hut Group), einer der führenden MICE Online Marktplätze und SaaS Anbieter in Europa: Event Inc und eine Gastronomie (Verkauf 2015). Das Manager Magazin zählt sie zu den einflussreichsten Frauen der deutschen Wirtschaft. Sie lebt mit ihren drei Kindern zwischen Braunschweig und Berlin.