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Wie Unternehmen anderen durch die Krise helfen

Wie Unternehmen anderen durch die Krise helfen
pxhere
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Aktualisiert
Lesezeit5 Min · 900 Wörter

Es gibt derzeit wohl kein Unternehmen, das nicht von der Corona-Krise betroffen ist. Das heißt aber nicht, dass es keine Firmen gibt, die versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Einige sind sogar dazu übergegangen, ihre Services kostenlos anzubieten – anderen helfen durch die Krise zu kommen, um so den Schaden für alle zu begrenzen.

„Wir sind im Überlebenskampf“, sagt Torsten Bendlin. Er ist einer der Gründer von „Valuedesk“. Das Bielefelder Startup hilft anderen Firmen, Kosten einzusapren und hat dafür eine KI-basierte Software entwickelt. Klar, dass das für viele Unternehmen gerade jetzt reizvoll sein kann. „Was sollen wir machen, wenn am Ende keine Mittelständler mehr da sind?“, fragt Bendlin. Immerhin: Bielefeld ist bekannt für genau diese Unternehmen, sie sind seine Kunden – und sie sind von den momentanen Ereignissen ebenso überfordert, wie alle anderen.

Ein kleiner Solidarbeitrag

Es hilft nur eines: „Wir müssen nach vorne gehen“, sagt Bendlin. Das heißt, aus der Not eine Tugend machen und Lösungen präsentieren, wie man jetzt Kosten senken kann. „Das ist ja unsere Kernkompetenz“, sagt er. Das Problem ist jedoch, dass Firmen jetzt natürlich keine Software kaufen. Also können sie die Software von „Valuedesk“ jetzt umsonst nutzen. „Das ist unser Solidarbeitrag“, sagt Bendlin.

Torsten Bendlin, Gründer von „Valuedesk“: „Das ist unser Solidarbeitrag“.

Die Software, die „Valuedesk“ anbietet, hilft Unternehmen, Ideen für Potenziale zur Finanzoptimierung aufzudecken und umzusetzen und Kollegen miteinander zu vernetzen. „Uns geht es darum, dass Ideen auch realisiert werden. Vieles versandet sonst in den Köpfen oder in den Exceltabellenin der Firmen“, sagt Bendlin.

Eines ist klar, auch „Valuedesk“ muss Geld verdienen, Mitarbeiter*innen und Miete bezahlen. Bendlin: „Wir hoffen natürlich, dass wir dadurch am Ende Kunden dazugewinnen.“ Doch sei das erstmal zweitrangig. Wichtiger sei, jetzt zu reagieren und zu retten, was zu retten ist.

Jetzt heißt es, der Mission zu folgen

„Valuedesk“ ist mit dieser Haltung nicht allein. Auch das Hamburger Startup „COYO“ will anderen Unternehmen durch diese harte Zeit helfen. „COYO“ baut Social-Intranets für große Konzerne. Man kann sich das vorstellen wie Facebook – nur eben für Mitarbeiter*innen. „Die Ereignisse haben sich überschlagen“, sagt Jan Marquardt. Er ist der CEO von „COYO“, und: „Die Idee, zu helfen kam nicht aus dem Management, sondern aus dem Team.“ Als immer mehr Unternehmen ihre Mitarbeiter*innen ins Homeoffice geschickt haben und klar war, dass die Firma selbst nicht so schlimm betroffen sein würde, haben sie ein Hilfspaket geschnürrt.

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Jan Marquardt, Gründer von „COYO“: „Das ist unsere Mission“.

Jetzt bietet „COYO“ seine App anderen Unternehmen an, die mit ihr leichter mit ihren Mitarbeiter*innen kommunizieren können. Firmen-News können über die App leicht an die im Homeoffice verweilende Belegschaft gesendet werden. Es gibt aber auch eine Chat-Funktion oder die Möglichkeit, Urlaubstage zu planen. Um nur ein paar Beispiele zu nennen.

„Es ist unsere Mission, Unternehmen eine digitale Heimat zu geben“, sagt Marquardt – und wann gilt es der mehr zu folgen, als jetzt? Zwei Tage brauchen die Teams von „COYO“ um den Service aufzusetzen und die Schnittstellen zwischen der App und den Systemen der Firmen zu schaffen. 40 Unternehmen interessieren sich bereits dafür. „Das sind in Summe 30.000 Mitarbeiter*innen“, sagt Marquardt. Bis Ende Juni steht die App den Unternehmen, die jetzt mitmachen umsonst zur Verfügung. Wer danach dabeibleiben will, zahlt dann. „Was uns das kostet, haben wir gar nicht durchgerechnet“, sagt Marquardt. Das sei im Augenblick auch nicht wichtig, denn welche Firma würde jetzt schon eine Software kaufen? „Vertriebsseitig merken wir, dass neue Kunden im Augenblick schwer zu erreichen sind.“

27pilots hat ebenfalls ein Projekt gestartet, „Startups against Corona„. Es soll Konzernen durch die Krise helfen. Die Idee: Startups, die eine Technologie anbieten, sollen schnell und unkompliziert mit Unternhemen in Kontakt gebracht werden, die diese Technologie brauchen können. Für die Unternehmen läge der Vorteil darin, dass sie an wichtige Softwares kommen könnten – ohne diese jetzt teuer einkaufen zu müssen, erklärt Gregor Gimmy, der Gründer und Managing Director von 27pilots. Wichtig sei aber, „dass die Startups ein hohen Funding haben“, sagt Gimmy – denn nur Startups mit viel Geld könnten dieses in die Lösung der Corona-Krise lenken. „Wenn ich das Produkt eines Startups kaufe, kann ich es testen, ohne zu tief ins Kapital zu gehen“, sagt Gimmy. Da läge der Vorteil für die Konzerne, die sonst egens Softwares entwickeln lassen müssten. „Das ist jetzt zu langsam und viel zu teuer.“

Gregor Gimmy, 27pilots: „Das ist unser Kernbusiness“.

Bisher sind 100 Startups auf der Plattform gelistet, der Durchschnitt des Fundings liegt bei 25 Millionen Euro. „Wir reden also jetzt schon von rund 1,2 Miliarden Euro an real existierenden Geldern, die gegen den Krise eingesetzt werden können“, sagt Gimmy. Und auch die Konzerne signalisieren Interesse. Infineon hat sich bereits af „Startups against Corona“ angemeldet, Metro ebenfalls. Mit dabei sind natürlich auch Konzerne wie BMW, Airbus, Bosch und Siemens. Das Angebot ist für diese Konzerne kostenlos, sie müssen die Startups lediglich für die gekaufte Technologie bezahlen. Für diese ein guter Test-Case, mein Gimmy, denn so können auch Technologien eingesetzt werden, die „noch nicht komplett ausgreift sind“. Dass unter den angemeldeten Startups keine Luftnummern sind, dafür garantiert 27pilots. „Wir machen die Qualitätsanalyse“, sagt Gimmy – immerhin sei das sein Kernbusiness.

Portrait Bastian Hosan

Bastian Hosan

Bastian kommt aus der tiefsten Provinz in Rheinland-Pfalz und hat Geschichte, Geographie, Kommunikationswissenschaften und Journalismus in München studiert. Alles Fächer, die einem an jedem Kneipentresen genug Gesprächsstoff für mindesten 25 Jahre geben. Und genügend Futter für Geschichten aus allen Bereichen – auch aus der Wirtschaft. Seine Ausbildung hat er an der Deutschen Journalistenschule in München absolviert. Seitdem hat er in unzähligen Redaktionen gearbeitet. Digitales hat er bei einem Tech- und Medien-Startup gelernt, außerdem war er einige Zeit in der PR. Wenn er nicht an irgendwelchen Geschichten oder Tik-Toks arbeitet, läuft er sooft er kann durch Berlin.