work wise · Anschlag

Wieso wir den Anschlag von Solingen jetzt instrumentalisieren müssen 

Solingen
Der mutmassliche Täter des Messerangriffs von Solingen wird zu einem Hubschrauber gebracht. Zuvor war der Verdächtige dem Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof (BGH) vorgeführt worden, der Haftbefehl erlassen hat.
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Aktualisiert
Lesezeit2 Min · 323 Wörter

Am Tag drei nach dem Anschlag von Solingen warnt die versammelte Medienmacht davor, die Mordtat zu instrumentalisieren. Ja – was denn sonst, frage ich mich. 

„Wie die Tat von Solingen instrumentalisiert wird“ – so lese ich am Montag nach der Gräueltat in der Klingenstadt die anklagenden und warnenden Kommentare auf den Onlineplattformen, in den Messangerdiensten und den Zeitungen. Es ist eine Parallelwirklichkeit, in der sich diese Kommentatoren befinden. Es ist genau die Welt, die so lange die Augen verschließt, bis solche Anschläge Wirklichkeit werden. 

Denn liebe Punks – was soll denn sonst geschehen? Wer diesen Anschlag auf Menschen in unserem Land und unsere Art zu leben nicht instrumentalisiert, muss mit Blindheit geschlagen sein. Wer in der Politik jetzt nicht diese Morde und das Leid, das sie auslösen, zum Instrument macht, um politische Veränderungen zu erreichen, hat seinen Beruf verfehlt. Sie oder er sollten zurücktreten. 

Dies ist kein Aufruf zu einer Politik des Zorns und der Wut. Beides sind niemals gute Ratgeber. Aber die Tat von Solingen ist ein Fanal, das auch den letzten zwingt, sich über die Asylpolitik Gedanken zu machen.  

In Solingen war zu sehen: Die Vielfalt schlägt zurück. Und die Aufgabe von Regierung und Opposition ist es, diese Vielfalt jetzt endlich zu sortieren. Es gibt ein Recht auf Asyl und dieses Recht wird von einigen auf die schändlichste Art missbraucht. Deswegen wird kein Weg daran vorbeiführen, dieses Recht einzuschränken. Deutschland wird an diesem Punkt autoritärer werden müssen, um seine Freiheit zu verteidigen. Das ist das Spannungsfeld, in dem wir uns bewegen. Und wir können von einer Regierung, deren Mitglieder geschworen haben, Schaden von uns abzuwenden, erwarten, dass sie in diesem Rahmen eine Lösung finden. 

Also meine Damen und Herren Politiker: Instrumentalisiert diesen hinterhältigen Anschlag und nutzt ihn für eine Politik, die unser Leben schützt und unsere Freiheit bewahrt. 

Portrait Oliver Stock

Oliver Stock

Oliver Stock ist Herausgeber und Chefredakteur von Business Punk. Der studierte Volkswirt und Historiker sowie Autor mehrerer Bücher und Blogger (https://einbisschenbesser.de/) kennt die Welt der Politik, der Startups und der Unternehmen: Als Journalist arbeitet der 1965 in Hannover geborene Stock für focus online, die Schweizer Weltwoche und den Börsianer aus Wien. Er war Vize-Chef bei der Wirtschaftswoche und 16 Jahre beim Handelsblatt, als Korrespondent in Zürich, als Chef der Finanzzeitung in Frankfurt und die letzten fünf davon als Anführer von Handelsblatt online. Als Kommunikationschef von Ergo, Sprecher im Wirtschaftsministerium und Startup-Mitgründer kennt er auch die andere Seite.