WIN-Initiative am Ende: Griechen zeigen Habeck, wie es geht
Die WIN-Initiative für Startups bricht mit der Regierung zusammen. Die Besten suchen sich ihr Geld jetzt anderswo. Batteriehersteller CMBlu findet es zum Beispiel in Griechenland.
„Kalimera Punks“, das ist griechisch, heißt „Guten Morgen“ und hat hier seinen Grund: Zum Trümmerhaufen, den die abtretende Regierung hinterlässt, gehört im Allgemeinen die mit großem Tamtam aufgesetzte WIN-Initiative, mit der für Startups 12-Milliarden-Euro-Unterstützung in einem Wachstumsfonds bereitgestellt werden sollte. Steuerliche und rechtliche Hürden sollten kleiner werden, um Gründerinnen und Gründer nach vorn zu bringen. Das Ganze wäre dringend gewesen, weil der deutschen Startup Branche die Venture-Capital-Investitionen um mehr als 40 Prozent eingebrochen sind. Aber, so ist die Politik eben: Wenn sich die Macher zerraufen, guckt das Volk in die Röhre.
Im Besonderen haben sich Startups wie CMBlu, das in Alzenau bei Frankfurt lithium- und auch sonst weitgehend metallfreie Batterien herstellt, längst nicht mehr auf die heimische Politik verlassen. Der Laden, in diesem Fall finanziert, von potenten Investoren wie dem österreichischen Baulöwen Haselsteiner, entwickelt sogenannte SolidFlow-Batterien. Sie speichern Energie in organischen Molekülen – nach dem Vorbild der Natur. Sie sind das fehlende Puzzlestück zur Energiewende, weil sie Strom liefern, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Der Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck, der jetzt Kanzler werden will, hat CMBlu drei Jahre ignoriert.
Nicht so die griechische Regierung. Deren Energieminister Theodoros Skylakakis hat im Rahmen des 200 Millionen Euro schweren „Produc-e-Green“-Programms eine Rekordförderung in Höhe von 30 Millionen Euro an die Deutschen vergeben. Es handelt sich um die bislang größte Einzelzuwendung des Programms. Das Programm ist Teil der Recovery and Resilience Facility (RRF) und damit Herzstück von NextGeneration EU. Mit seiner Investition verfolgt Habeck-Kollege Skylakakis, das Ziel, die Importabhängigkeit in Schlüsseltechnologien der Energiewende zu reduzieren. „Wir freuen uns, in Griechenland den nötigen Rückenwind für unsere Technologie zu erfahren“, sagt CMBlu-Chef Constantin Eis und verspricht: „Bis Mitte 2026 wird eine Giga-Factory in Griechenland entstehen.“
Und im Speziellen hat die deutsche Regierung, kurz bevor sie implodierte, noch entscheidende Weichen in die falsche Richtung gestellt. Lilium, hoffnungsvoller Entwickler eines senkrecht startenden Elektro-Flugzeugs, hatte in Aussicht gestellte 50 Millionen Euro an Staatsbürgschaft für einen Kredit in letzter Sekunde nicht bekommen, weil bei Habecks Grünen mal wieder der Flugscham ausgebrochen war. Das 1000-Mitarbeiter Startup beantragte Insolvenz in Eigenregie und sucht nun händeringend Investoren, bis Jahresende brauchen die Münchner eine Unterschrift.
Der derzeit aussichtsreichste Kanzlerkandidat Friedrich Merz hatte jüngst auf der DieBusinessPunk die Geldsorgen der Startups als ein Kernthema adressiert. Er erscheint jetzt wie ein Retter am Horizont. Bis es so weit sein könnte, müssen sie bei Lilium jedoch wahrscheinlich endgültig den Stecker ziehen. Und bei CMBlu sprechen sie dann alle griechisch: „Kalinichta“, sagen sie und dimmen die Lampen in Deutschland auf Nachtbeleuchtung.
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