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Autor Friedemann Brenneis: „Wir müssen Geld entmystifizieren“

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Lesezeit6 Min · 1.170 Wörter

Journalist und Autor Friedemann Brenneis hat 30 Science-Fiction-Storys zum Geld der Zukunft herausgegeben. Wir haben mit ihm über die Auswahl der Kurzgeschichten, über Zukunftsprognosen zu Bitcoin und Bargeld sowie über finanziellen Analphabetismus gesprochen.

Herr Brenneis, Sie klären als Journalist und Autor über Bitcoin und Blockchain auf. Ihr Steckenpferd ist die Zukunft des Geldes. Seit wann fasziniert Sie dieses komplexe Thema?

Ich bin gelernter Radiojournalist und eher zufällig auf das Thema gestoßen. 2013 habe ich über andere Medien das erste Mal von Bitcoin gehört. Damals ist der Kurs der Währung in kürzester Zeit auf phänomenale 1000 Dollar gestiegen und genauso rasant wieder gecrasht. Darüber habe ich dann einen Radiobeitrag gemacht. Bitcoin war für mich damals eine futuristische Form von Geld, die mich dazu gebracht hat, noch mehr über die Zukunft des Geldes nachzudenken.

Das ist jetzt knapp acht Jahre her. Mittlerweile ist Bitcoin längst die Kryptowährung der Gegenwart geworden.

Expert:innen haben vor Jahren gesagt, Bitcoin wird niemals funktionieren. Tut es aber. Und Bitcoin wird weiterhin eine große Rolle spielen, weil es einen ganz anderen Ansatz hat. Die digitale Revolution hat gezeigt, dass wir analoge Prozesse digital neu denken müssen. Wir müssen die Möglichkeiten von Internet und Rechenkapazität neu denken. Mit Bitcoin machen wir schon einen Schritt in genau diese Richtung.

Bitcoin ist dann auch ein zentrales Thema Ihres Buches „Magic Future Money“, das vor Kurzem bei Aprycot Media erschienen ist.

Ja, es gibt einen großen Themenblock zu Kryptowährungen, wo Bitcoin natürlich zentral vorkommt. Aber genauso spielt jede andere Form von Geld eine Rolle in den Kurzgeschichten.

Friedemann Brenneis

Ihr Buch besteht also aus fiktionalen Beiträgen zum Thema Geld der Zukunft.

Genau, es sind 30 Kurzgeschichten von einzelnen Autor:innen, bei denen man jedes Mal in eine andere Welt eintaucht und mit neuen Gedanken konfrontiert wird. Niemand von uns kann genau wissen, wie unser Geld in 100 Jahren aussehen wird. Aber das Thema ist unglaublich spannend und soll zum Nachdenken anregen, das wollen wir mit dem Buch erreichen.

Um Autor:innen anzusprechen, haben Sie einen Schreibwettbewerb veranstaltet. Wie kam es dazu?

Ich will Menschen dazu bringen, mehr über Geld nachzudenken. Viele schreckt es ab, weil es ein so abstraktes Thema ist. Deshalb wollte ich ein möglichst niedrigschwelliges Angebot schaffen. Also habe ich einen Schreibwettbewerb gestartet, um jeder und jedem die Möglichkeit zu geben, seine Geschichte vom Geld der Zukunft zu erzählen.

Sie haben zudem eine Jury beauftragt, die besten Geschichten auszuwählen, um einen seriösen und fairen Wettbewerb zu schaffen. Wer war Teil davon?

Autor:innen, Buchhändler:innen, Physiker:innen, Mathematiker:innen, Hacker:innen. Eine Psychologin war auch dabei. Man kennt vielleicht Karlheinz Steinmüller, der Futurologe ist und selbst Sciene-Fiction-Geschichten schreibt.

Nach welchen Kriterien hat die Jury die besten Geschichten ausgewählt?

Es gab tatsächlich Geschichten, die haben nicht viel mit Geld zu tun gehabt oder nicht in der Zukunft gespielt. So konnte man schon eine Vorauswahl treffen. Die Jury hat anschließend nach zwei Kriterien entschieden: der Qualität der Story und der Idee vom Geld. Sind die Geschichten inspirierend, und wie visionär sind sie?

Die Kurzgeschichten sind viel eher Science-Fiction als ein wissenschaftlicher Blick in die Zukunft. Was genau reizt Sie daran?

Science-Fiction-Literatur behandelt immer Probleme der Gegenwart, nur in einem anderen, zukunftsweisenden Setting. Sie setzt sich mit sehr präsenten Themen wie zum Beispiel dem Klimawandel auseinander. Die Erzählungen sind sehr philosophisch, sie regen zum Nachdenken an.

Welche der Kurzgeschichten hat Sie persönlich ins Grübeln gebracht?

Ich bin immer wieder überrascht, mit welcher Bandbreite man solche Themen angehen kann. Es gibt sogar Geschichten, die über die Abschaffung des Geldes philosophieren. Kryptowährungen sind dort der letzte Schritt, bevor wir Menschen das Geld komplett aufgeben. Andere Geschichten gehen noch einen Schritt weiter: Was, wenn irgendwann sogar Erfahrungen und Erinnerungen handelbar werden? Das fasziniert mich schon sehr.

War in der Auswahl der Jury Komplexität ein wichtiges Kriterium? Oder eher nachvollziehbares World-Building? Und: Bestand hier und da die Gefahr, dass man eine kurze Story schlicht überlädt?

Na ja, ein Roman zum Beispiel erschafft nur eine einzige Welt und muss diese erklären. Hier taucht man bei jeder Kurzgeschichte immer wieder in eine neue Welt ein und wird mit neuen Gedanken konfrontiert. Deshalb wird man dieses Buch nicht von Anfang bis Ende durchlesen. Man braucht Zeit, um in die nächste Geschichte eintauchen zu können. Aber das finde ich gerade schön.

erschienen bei Aprycot Media, 376 Seiten, 27 Euro

Wie lautete das Feedback der Wissenschaftler:innen aus der Jury zu diesen träumerischen, teils weit hergeholten Ideen?

Sie sagen, dass die perfekte Vision vom Geld der Zukunft natürlich nicht dabei ist. Da stimme ich auch zu. Das wäre gar nicht möglich gewesen. Dafür müssen wir erst mal anfangen, mehr über Geld nachzudenken. Ich hoffe, dass dieses Buch dafür einen Anreiz gibt, weil es wirklich viele spannende und lustige Geschichten liefert, wie Geld in Hunderten von Jahren aussehen könnte. Wissen tun wir es aber wie gesagt nicht.

Wie stellen Sie persönlich sich die Zukunft des Geldes vor?

Die Frage ist, in welchem Zeitraum. Die Welt entwickelt sich immer schneller. Das macht es auf jeden Fall schwierig, Prognosen für die Zukunft abzugeben. Absehbar ist, dass Geld zukünftig digital sein wird. Was ist zum Beispiel mit Bargeld? Viele sagen, es gehe entweder digital oder analog. Aber es gibt auch Forschungen zu einer Art Zwischending: Geldscheine, die man entwerten und wieder aufladen kann. Smartes Bargeld.

Nicht nur über smartes Bargeld wird wenig gesprochen. Überhaupt die Debatte um Geld findet oft im Stillen statt. Warum?

Wenn sie denn überhaupt stattfindet. Viele haben zu großen Respekt vor dem Thema, weil wir in der Schule und auch sonst kaum lernen, was Geld eigentlich genau ist. Diesen finanziellen Analphabetismus müssen wir erst einmal angehen und beseitigen. Dann kommen die gesellschaftliche Debatte und neue, interessante Fragen von ganz alleine.

Die da wären?

Ob es zum Beispiel irgendwann einen Punkt gibt, an dem wir kein Geld mehr brauchen. Wenn durch technischen Fortschritt alles, Energie, Nahrung, Medizin und was wir sonst noch zum Leben brauchen, im Überfluss vorhanden ist. Um viele solcher Fragen dreht sich das Buch.

Sie verfolgen also mit Belletristik den Auftrag, dass wir anders über Geld reden und nachdenken?

Wir müssen Geld endlich entmystifizieren. Dafür müssen wir mehr Fragen stellen, nachdenken oder einfach selbst eine Geschichte schreiben, um auf diese Weise Gedanken zum Thema Geld zu artikulieren und sich eine eigene Meinung zu bilden. Denn das Wichtigste ist, die Angst vor Geld zu verlieren.

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Portrait Katharina Boecker

Katharina Boecker

Katharina hat Germanistik und Anthropologie in der westfälischen Provinz Münster studiert, welche sie für den Journalismus verlassen hat. Sie lebt jetzt in Berlin und sammelt dort an allen Ecken Inspirationen fürs Schreiben - und fürs Leben im Allgemeinen. Wenn sie nicht gerade nach vergessenen 80er-Hits im Internet sucht, interessiert sie sich für Politik, Popkultur und Sport.