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„Wir wollen kein Greenwashing“

„Wir wollen kein Greenwashing“
Erschienen
Aktualisiert
Lesezeit5 Min · 1.080 Wörter

Mittwochmorgen, neun Uhr in Deutschland. Mein Name ist Matthias Lauerer und ich sitze gerade Laurent Gardinier von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Der Mann ist seit Anfang 2023 Präsident der Genussorganisation Relais & Châteaux. Und wir vom Business Punk? Lieben einfach gute Geschichten … 

Was macht Ihr bei Relais & Châteaux anders? 

Zunächst einmal verlassen wir uns darauf, wer unsere Mitglieder sind und die Idee ist es, weltweit neue Mitglieder zu finden, die ihre eigene DNA haben, die vollständig in die lokale Gemeinschaft integriert sind und die sich in kulinarischer Hinsicht ausdrücken, hier in Bezug auf die Innenarchitektur oder im Bezug auf die Denkweise. Einzigartig und ganzheitlich, das suchen wir. 

Was habe ich davon?

Stell dir vor, du kommst aus irgendeinem Teil der Welt und wirst in einem unserer Häuser empfangen. Hier findest du Berührungspunkt für die jeweilige Kultur. Hier im Hotel Bareiss wäre das dann die deutsche Kultur, also die Art und Weise, wie die Leute gekleidet sind, auch das gesamte Design des Anwesens. Oder die Tatsache, dass du eine sehr schöne und intensive Spa-Erfahrung hast. Es ist die mitteleuropäische Kultur. Du hast alle diese Aspekte, die konzentriert sind, selbst wenn du nur zwei oder drei Tage hier verbringst. Durch diese Erfahrung kannst du besser verstehen, wie das Land tickt. Das ist genau das, was wir bei unseren Mitgliedshäusern finden wollen. Das ist der Grund, warum wir schöne Häuser in Japan haben und selbst wenn du nur kurz bleibst, hast du danach im besten Falle ein besseres Wissen über die japanische Kultur. 

Also ist es eine Möglichkeit, die Welt zu entdecken?

Ja, durch Gastfreundschaft und selbstverständlich auch durch die Gastronomie. Wir sprechen damit eine Empfehlung aus. 

Welches ist dein Lieblingshaus? 

Es ist immer schwer zu wählen, weil es darauf ankommt, auf was du tief in deinem Herzen hörst. 

Kennst Du alle Häuser? 

Nein, ich kenne nicht alle und dies ist auch nicht meine Aufgabe. Mein Job ist es, mich mit den Mitgliedern zu treffen. Ich manage nichts und verwalte nichts und damit bin ich glücklich. Wir haben Teams, wir haben Inspektoren, wir haben eine starke Qualitätsabteilung, die alle Aspekte verwaltet. Und die handeln anonym und schauen nach, ob alles in den Mitgliedshäusern passt. Wir geben den Mitgliedern Ratschläge, 500 Punkte werden kontrolliert. Daraus entsteht ein 30-seitiger Bericht, in dem sich alles findet. Es geht nicht nur um die Hardware, sondern um die Menschen, die dort arbeiten. Es kann der Buchungsprozess sein oder wie man sich von dir verabschiedet. Die kleinen Details … 

Was ist für dich guter Geschmack? 

Für mich findet sich guter Geschmack auf zwei Ebenen. Es gibt den guten Geschmack eines Gerichts und den feinen Geschmack im Allgemeinen. Ich mag kein Essen, keine Küche, wo sich zu viele Geschmacksrichtungen finden und ziehe es vor, nur ein Produkt auf dem Teller zu haben, egal, ob es sich dabei um ein Gemüse oder Protein handelt. Eine Garnitur also, die recht einfach zu lesen und zu verstehen ist, plus der Sauce. Und wenn du kostest, dann versuchst du zu verstehen. Was ist die Idee des Kochs? Denn manchmal, wenn Köche jung sind, dann wollen sie beweisen, dass sie sehr gut sind. Und dann endet es mit vielen verschiedenen Geschmacksrichtungen. Es ist wie in der Musik, vielleicht wie in der Kunst. Warum habe ich heute Morgen dieses Brot bestellt? Weil es hier einfach fantastisch schmeckt … 

Was treibt dich an?

Es ist ein Gefühl der Zielstrebigkeit und Freiheit bei meiner Arbeit, um so die Relevanz und Führungsrolle von Relais & Châteaux in der Hotelbranche sicherzustellen.

Stichwort Geschmack: Woran erinnerst Du dich besonders?

Du denkst an den Film Ratatouille oder? Schau, meine erste Erinnerung an Geschmack ist verbunden mit meinem Vater, denn der war verrückt nach Roquefort. Der Käse besitzt einen sehr starken Geschmack und heute weißt du, dass der Käse mit Weißwein gegessen werden sollte. Besonders ein Sauternes passt perfekt.  

Jetzt gehen wir ein wenig tiefer. Lass uns über Relais & Château sprechen und das Thema Nachhaltigkeit. 

Das ist eine Frage, die wir uns stellen müssen und jemand sagte: ´Ja, aber wir sollten mit dem Thema weitermachen.´ Wenn Du Relais & Châteaux verwaltest, dann denke ich nicht nur an ein Land, sondern über 65 Länder nach, in denen wir tätig sind. Und dann musst du überzeugen und umsetzen. Wir haben etwa 80 Mitglieder in den USA, 50 in Italien, sechs Orte in Südamerika, andere in Japan, in China, Südafrika und Marokko. Ich bin mir durchaus bewusst, dass die Gesetzgebung in jedem Land anders ist. Wir haben einige Staaten, die beim Thema sehr fortschrittlich sind und andere, die nicht auf dem gleichen Level sind. Denn: 2014 schrieben wir unser erstes Manifest und erklärten darin, dass wir die Welt verteidigen wollen, in der wir existieren und leben. Das war die damalige Aussage. Heute gehen wir weiter und wir werden alle genannten Punkte umsetzen. Wir wollen kein Greenwashing. 

Infokasten: Relais & Châteaux hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2040 klimaneutral zu werden, was von über 90 Prozent der Mitglieder weltweit beschlossen und unterstützt wird. Auch ging die legendäre jüngst Organisation eine Partnerschaft mit der UNESCO ein, um Biosphärenreservate zu schützen. Und: Immerhin 80 Prozent aller Relais & Châteaux-Häuser finden sich in einer Entfernung von vier Stunden von jenen Schutzgebieten. Weiterhin gründete man eine Nachhaltigkeitskommission. Die setzt sich aus Mitgliedern unterschiedlicher Regionen zusammen und sie überwacht die Umsetzung der passenden Initiativen. Auch der Qualitätsbewertungsrahmen wurde um die Nachhaltigkeitsnote ergänzt, um die Leistungen der Mitgliedsbetriebe im Metier zu bewerten. Denn: Relais & Châteaux hat ein strenges Qualitätskontrollsystem, bei dem die Häuser alle zwei Jahre von anonymen Inspektoren überprüft werden. Der Prozess umfasst mehr als 500 technische und „emotionale“ Kriterien. Ziel ist es damit, ein einheitliches, hochwertiges und ganzheitliches Erlebnis für die Gäste des gesamten Relais & Châteaux-Netzwerks zu gewährleisten. Das Ziel: die globale Präsenz zu erweitern, besonders in Asien, wo man derzeit im Vergleich zu anderen Regionen noch nicht so stark vertreten ist. Die Organisation steht heute vor der Herausforderung jedes Mitglied davon zu überzeugen, alle Nachhaltigkeitsinitiativen vollständig zu übernehmen. Denn heute ist sonnenklar wie wichtig es ist, jene Ziele mit den geschäftlichen Anforderungen der Mitgliedsbetriebe in Einklang zu bringen, um die langfristige Lebensfähigkeit der Organisation zu gewährleisten.

Matthias Lauerer