Absolut alle bringen jetzt Sneaker heraus und wir fragen uns, ob das das Ende ist

Wir alle tragen sie und wir alle lieben sie: die Rede ist von Sneakern. Egal, ob weiß, schwarz, bunt oder mit überdimensional großer Schleife. Turnschuhe sind längst lässige Accessoires, seit den 80ern Teil der Popkultur und wahre Kultobjekte.

Es war also nur eine Frage der Zeit bis auch Unternehmen, die so gar nichts mit dem Treter-Business zu tun haben, den Hype für sich entdeckt haben. In gefühlt jeder zweiten Marketingabteilung beantwortet man die Frage, wie denn Millenials und die Generationen Y und Z am Besten zu erreichen seien, mit: na, mit Sneakern natürlich. Wie dann der konsistente und narrative Bogen zum eigenen, sneakerfernen Produkt gespannt wird, ist erstmal egal. Geht dann schon über Storytelling, irgendwie. Ach ja, und dann muss es eine streng limitierte Auflage sein. Klar. Verknappung erzeugt Nachfrage. Das wissen auch die Marketing-Leute ohne BWL-Grundkurs.

Sneaker: Eine sichere PR-Anlage

Das Ergebnis dann oft maximal skurril, maximal random. Ein exemplarisches Kooperationsduo ist etwa: Playstation und Nike. Schuhe im Spielkonsolen-Style, die einen Power Button haben. Drückt man drauf, leuchtet das Markenlogo auf der Schuhzunge blau. Ach und einen Strichcode gibt es auch noch irgendwo auf dem Schuh, damit man sich im Store ein Design von NBA-Spieler Paul George für seine PS4 runterladen kann.

Erst im Januar haben die Berliner Verkehrsbetriebe mit Adidas einen Schuh auf den Markt gebracht, der dem aktuellen Hype die Krone aufgesetzt hat. Sneakers im Stil der BVG-Sitzbezüge, die auch noch gleichzeitig eine Jahreskarte sind. Ein Marketing-Stunt der Extraklasse.

Deswegen: Wieso auch nicht Sneaker im Jägermeister-Look oder Berliner Luft-Design? Sneakers und Alkohol sind auch total naheliegend. Leider kann man in ihnen weder Alkohol ins Berghain schmuggeln noch riechen sie nach Minze oder Kräutergedöns.

©Sneakersmag.

Ein Geschäft, das sich lohnt

Für Unternehmen, die in erster Linie nichts mit Schuhen am Hut haben, sind Sneaker trotzdem ein lukratives Business. Viele der Schuhmodelle sind aus den 90ern und bekommen durch die Markenkooperationen einfach einen neuen Anstrich. Die limitierten Auflagen machen die Sneakers hauptsächlich zu einem Sammlerobjekt, sind aber kaum teurer als die vergleichbaren Modelle der Hersteller. Deswegen sind sie nicht nur etwas für ultra Schuhfetischisten, wie etwa das Beispiel von Telekom zeigt.

Oder aktuell das Beispiel von Dunkin‘ Donuts mit dem amerikanischen Sportschuhhersteller Saucony:

dunkin donuts saucony

Solche Aktionen sorgen aber hauptsächlich für einen ordentlichen Buzz in den Medien. Ein neues Produkt kommt auf den Markt – wunderbar für PR-Agenturen, die dann storytellingmäßig so richtig aufdrehen, um die Marke in sämtlichen Magazinen und auf Social Media zu platzieren. Kein Wunder, dass sich so viele Firmen plötzlich in den Sneaker-Himmel katapultieren wollen, denn das ganze funktioniert. Mehr noch: es ist eine idiotensichere Marketingstrategie. Steigern solche Produkte doch die Markenbindung zwischen Unternehmen und Konsument.

Überzieh-Sandale für den Schuh

Trotzdem hängen wir doch alle irgendwie an unseren Schuhen. Deswegen hat ein chinesisches Modelabel eine Sandale entworfen, die man über den Sneaker ziehen kann. Ihr wisst schon, damit die nicht dreckig werden. Sie verleihen unseren Lieblingen zwar einen Touch von omamäßigen Gesundheitsschuhen, aber hey, dafür haben wir jetzt saubere Schuhe, die keiner sehen kann. Und wer weiß: Vielleicht wird das schon bald der nächste neue Trend im Sneaker-Universum. Falls ja, bereiten wir wir uns schonmal auf das Ende vor. Des Kapitalismus, der Welt, überhaupt von allem.

So haben übrigens andere Unternehmen und Twitter-User auf den Hype reagiert:

BVG-Sneaker: So reagieren andere Unternehmen auf den Hype

BP_Cover

 

Auch in unserer aktuellen Ausgabe befasst sich unser Autor Alexander Langer mit Streetwear Culture. In seiner Geschichte über das New Yorker Skatelabel Supreme geht er der Frage nach, ob die vielen Kollaborationen der Marke geschadet haben. Mehr Infos dazu und zu vielen anderen Stories gibt es hier.


Nicole Plich

Nicole studiert den Klassiker „Irgendwas mit Medien” und hat noch den idealistischen Anspruch mit Wörtern die Welt zu bewegen. Wenn sie im Internet mal nicht nach lustigen Donald Trump-Memes sucht oder Fantheorien zu Game of Thrones liest, interessiert sie sich für Popkultur, Wirtschaft und was im Bundestag so vor sich geht.

Zum Autor

Das können wir Dir auch empfehlen

placeholder
placeholder
placeholder