Sechs klassische Fehler der PR-Anrufe: Von wegen mega-angesagt und total spannend

So, so, Frau Hirschrack! Mega-angesagt und total spannend – verblüffend, dass wir noch nie von Ihrem Kunden gehört haben, oder? Auch ein bisschen seltsam, dass Sie Ihren Mandanten anpreisen müssen wie abgelaufene Joghurtbecher, oder?

Bitte: Lesen Sie sich einmal diese fünf einfachen Regeln für PR-Agenturen durch. Verstehen Sie, was unser Problem sein könnte? Und wie wir eventuell ins Geschäft kommen? Nein? Dann rufen Sie bitte nie wieder an.

1. Seien Sie ehrlich: Sie haben gar keinen Themenvorschlag. Sie machen PR.

Toll, dass Sie gelernt haben, dass sich freie Journalisten mit Themenvorschlägen und Interviewangeboten an Redaktionen wenden, ehrlich! Bloß: Sie arbeiten nicht im Journalismus, sondern in der PR. Weshalb Sie auch kein Thema oder Interview anbieten – sondern etwas wollen. Nämlich die Aufmerksamkeit der Redaktion. Und wenn schon Ihre Anmoderation eine klitzekleine Lüge beinhaltet, warum sollten man dann der restlichen Lobhudelei Ihres Mandanten Vertrauen schenken? Eben.

2. Sie wollten nur mal nachfragen, ob wir Ihre PR-Meldungen…? Ernsthaft?

Es gibt sehr viele Agenturen in Deutschland, die Pressearbeit machen. Sehr, sehr viele. Man muss das eventuell einmal sagen, denn offenbar ist es in der PR-Agenturen-Szene nicht bekannt. Jedenfalls rufen Sie an, weil wir offenbar die Frechheit besaßen, nicht sofort auf Ihre „Einladung“ zu reagieren. Überraschung: Es gibt Dinge, die mehr Spaß machen als seinen Feierabend an Partytischchen zu verbringen und mittelmäßigen Werbeveranstaltungen beizuwohnen. Und ja, vermutlich haben wir Ihre Einladung und Ihre Pressemitteilung gelesen. Sie waren nur stinkend langweilig. Sonst hätten wir uns ja gemeldet.

3. Überreizen Sie das mit dem turbo-abgefahren Attributen nicht.

Schon klar, es gibt dankbarere Aufgaben als den bodenständigen Gründer eines mittelständischen Startups anzupreisen. Aber: Das wird nicht besser, wenn Sie Ihren Werbemonolog von einem Buzzword-Generator bewerkstelligen lassen. Statt Ihren Kunden mit sinnlosen, ans Absurde grenzenden Lobpreisung größer zu machen als er ist: Überlegen Sie doch kurz, was Ihren Herrn Labermann vielleicht wirklich interessant macht. Es muss ja nicht immer das nächste Facebook und die Neuerfindung des Internets sein. Wir machen ja nicht nur Titelgeschichten. Und wenn Ihnen nichts, wirklich gar nichts einfällt: Warum rufen Sie dann eigentlich an?

4. Lesen Sie das Medium, bei dem Sie anrufen. Wenigstens ein einziges Mal.

Der älteste und billigste Kniff, wenn man so einen PR-Anruf angenommen hat, geht so: „Und in welcher Rubrik im Heft würden Sie Herrn Labermann sehen?“ Die Antwort ist immer: Stammeln, Schweigen, Verlegenheit. Die Mühe machen Sie sich nämlich nicht: Auch nur fünf Minuten in das Magazin, dessen Redaktion Sie anrufen, zu schauen und zu überlegen, warum und auf welche Weise Herr Labermann tatsächlich zum Heft passt. Klar, Sie könnten jetzt sagen, dass das nicht Ihre Aufgabe ist. Aber ganz ehrlich: Wenn Sie sich nicht die Mühe machen zu recherchieren und zu überlegen – warum sollte sich die Redaktion dann die Zeit nehmen, Ihnen zuzuhören?

5. Akzeptieren Sie Absagen. Betteln hilft nicht.

Nichts ist weniger verlockend als Verzweiflung. Gilt nicht nur beim Baggern in der Kneipe, sondern auch bei PR-Gesprächen am Telefon. Sie haben gerade eine Abfuhr erhalten, weil Herr Labermann sich trotz mehrfacher Rückfrage ein sicherlich netter, bestimmt auch sehr kluger Geschäftsmann, aber trotzdem keine große Geschichte für unser Magazin ist? Lassen Sie bitte den dritten und vierten Anlauf. Dürfen wir mal eine Gegenfrage stellen: Bezahlt Sie Ihr Kunde pro versandter Mail? Echt? Warum haben Sie sich denn bitte darauf eingelassen?

Lassen Sie sich meinetwegen noch die Mailadresse der Redaktion geben, an die Sie – wenn’s denn sein muss – Ihre Pressemappe schicken. Aber bitte, bitte lassen Sie das Gespräch zu einem halbwegs anständigen Ende kommen. Nein, uns interessiert nicht, ob Herr Labermann einen Vollbart hat. Nein, auch sein Irokese ist uns wurscht. Und er sammelt Oldtimer? Mag Whiskey? Alles schön, aber was hat das mit … bitte was macht er mit seiner Frau? RAUS!

6. Legen Sie auf. Bitte. Sofort.

Es gibt einen sehr einfachen Unterschied zwischen PR-Agenturen und Redaktionen: In den Agenturen zählen die nervigen Telefonate zur Arbeit – in den Redaktionen eben nicht. Die Seiten füllen sich nämlich nicht, wenn man sich tagein, tagaus langweiligen Quatsch anhört. Was übrigens auch erklärt, warum wir bisweilen leicht genervt sind. Verstehen Sie das? Nein? In unserem Büro hängt eine einfache Anleitung: „Sag’ es einfach. Sag’ es kurz. Sag’ nein.“

Ganz nebenbei geben Sie damit übrigens auch die Leitung wieder Ihren vielen hundert Kolleginnen und Kollegen in den PR-Agenturen des Landes frei, die auch Ihre Glück bei uns versuchen wollen. Und hoffentlich besser vorbereitet sind als Sie selbst.


Daniel Erk

Daniel Erk hat Politikwissenschaften und Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation in Göttingen und Berlin studiert. Er arbeitet als freier Journalist, wohnt in Berlin und schreibt, neben Business Punk, unter anderem auch für ZEIT Campus, Neon und DIE ZEIT.

Zum Autor

Das können wir Dir auch empfehlen

placeholder
placeholder
placeholder