Tesla

04/04/2017

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Tesla überholt Ford an der Börse: Vier Gründe, warum Visionär Elon Musk trotzdem noch scheitern kann

pixabay

Der Automobilhersteller Tesla hat am Montag erstmals Ford Motor an der Börse überholt. Mit einem derzeitigen Marktwert von 48,7 Mrd. Dollar ist das Unternehmen nun mehr als drei Mrd. Dollar mehr wert als die amerikanische Traditionsmarke – General Motors ist noch weiter abgeschlagen, wie die New York Times am Montag vermeldete. Das mag logisch erscheinen, hat Visionär Elon Musk mit Tesla doch nichts geringeres vor, als die Mobilität zu revolutionieren. Der charismatische Real-Life-Tony-Stark macht den Anlegern mehr und mehr klar, dass die traditionelle Autoindustrie alles andere als sicher und nachhaltig ist. Die Marketingstrategie Musks scheint aufzugehen und der Börsenwert Teslas zeigt, dass Anleger nach und nach mehr auf zukünftiges Wachstumspotenzial setzen.

Zweischneidiges Schwert

Nur: Auf welchen wackligen Füßen steht Tesla vielleicht selbst? Es gibt nämlich durchaus Faktoren, die dem visionären Unternehmen noch gefährlich werden könnten, sodass Tesla letzten Endes nicht selbst der Heilsbringer ist. Besonders vier Dinge spielen dabei eine Rolle:

1. Verspricht zu viel, verfehlt zu viel

Tesla hat in der Vergangenheit schon oft Dinge versprochen, die das Unternehmen dann nicht einhalten konnte. Vor allem scheiterte der Hersteller immer wieder an den eigenen Produktionszielen und der termingerechten Auslieferung. Bereits zum zweiten Mal hatte Tesla im Juli 2016 enttäuscht. Laut Börse am Sonntag wurden in den vorangegangenen drei Monaten gerade einmal 14.370 Fahrzeuge ausgeliefert anstatt der geplanten 17.000. Damals verkündete das Unternehmen, im zweiten Halbjahr 50.000 Fahrzeuge produzieren und ausliefern zu wollen. Seit Januar 2017 ist bekannt, dass auch dies nicht erreicht wurde. Stattdessen verbucht sind etwa 76.000 im Gesamtjahr 2016.

Im September will Tesla mit der Produktion seines Modells 3 beginnen. Mit dem neuen Fahrzeug will Tesla in die Massenproduktion einsteigen, bis 2018 soll eine Stückzahl von 500.000 hergestellt werden. Das wäre eine Verzehnfachung gegenüber dem Jahr 2015. Doch trotz aller Verfehlungen: Für einen Autokonzern, der vor 15 Jahren noch nicht einmal existierte, sind die bisherigen Erfolge beachtlich.

2. Kleiner Spezialist oder Massenhersteller?

Dennoch: nur als Massenhersteller kann Tesla sein über allem stehendes Versprechen einlösen, die Mobilität nachhaltig zu verändern. Im Vergleich mit den großen Playern der Branche ist das noch ein weiter Weg. Die aktuellen Zahlen zeigen zwar, dass die Verkäufe im ersten Quartal dieses Jahres um 69 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen sind. Doch für Daimler beispielsweise ist das noch kein ernster Konkurrent, der Autoriese hatte im Jahr 2015 einen Absatz von 2,2 Mio. gegenüber Teslas 50.000.

3. Erwartungen versus Realität: Die Technik

Ein weiteres Problem ist, dass das Unternehmen oft Erwartungen weckt, die es dann praktisch noch nicht erfüllen kann. Voll automatisches Fahren funktioniert einfach noch nicht im massentauglichen Regelbetrieb. Es gab bereits mehrere Unfälle mit dem Autopiloten in China und den USA, wodurch auch ein Fahrer starb. Neben der schlechten Publicity enttäuscht das natürlich Kooperationspartner, Kunden und Investoren. Chinesische Kunden beklagten sich damals, indem sie das Problem deutlich machten: „Sie vermitteln bei Tesla jedem den Eindruck, es handle sich um ein selbstfahrendes Auto und nicht um ein Fahrerassistenz-System.“ Tatsächlich steht auf der Unternehmensseite bei den bereits ausgelieferten Modellen S und X nichts von Autopilot, wohl aber von „Full Self-Driving Hardware.“ Wer vollmundig verspricht, aber nicht zuverlässig abliefert, muss mit Enttäuschung rechnen.

4. Die Börse

Letzten Endes kann daher auch die Börse selbst Tesla zum Verhängnis werden. Das Unternehmen steht bis jetzt deshalb so gut da, weil es eine gewinnbringende Zukunft mit großem Wachstumspotenzial verspricht. Daher fielen Rückschläge und verfehlte Zielvorgaben für Tesla vielleicht weniger gravierend aus, als für manch anderen Konzern. Doch bei allen Verheißungen für den Automobilmarkt der Zukunft, die Geduld gewinnorientierter Investoren ist irgendwann ausgereizt.

Julian hat beruflich auf Wörter gesetzt, schreibt und liest daher oft. Meistens über Berlin, Migration und Popkultur – hauptsache irgendwas mit Internet. Mag Print genauso gern wie Online, je nachdem wie schnell es gehen muss.

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