“Snoop Dogg und ich quatschen mit Rentnern und gehen Schwäne füttern“

In Berlin-Köpenick ist Romano ein Star – für den Rest wird es Zeit, den Rapper mit den Zöpfen zu entdecken. Am 8. September 2017 erscheint sein neues Album „Copyshop“.

Romano, auf deinem Debütalbum hast du über Metalkutten und Einkaufscenter gerappt. Was ist es diesmal?

Es erwarten euch wieder verschiedenste Themen, die mich interessieren. Und mir geht’s immer darum, nicht in Plattitüden abzurutschen. Nachdem die Tour letztes Jahr vorbei war, habe ich mich entschlossen, einfach mal eine kleine Auszeit zu nehmen, und bin an die Ostsee gefahren. In Bad Doberan gibt es so eine Lokomotive, die heißt Molli, und für zehn Kilometer braucht sie eine Stunde. Das fühlt sich an wie nach drei Joints. Du fährst ganz langsam und probierst, ein bisschen zu entschleunigen. Es braucht einfach wieder etwas Zeit, dass man kreativ wird.

Die neue Single heißt wie das Album „Copyshop“. Was verbindet dich mit diesem Ort?

Ich habe 2000 eine Lehre zum Mediengestalter für Medientechnik gemacht. Einfach, um eine Ausbildung zu haben. Die meiste Zeit war ich zwar mit meiner damaligen Band unterwegs, aber ich habe die Lehre trotzdem abgeschlossen. Bis 2013 habe ich dann in fünf oder sechs verschiedenen Copyshops gearbeitet.

Mochtest du den Job?

Das war eine hoch spannende Zeit. Wen man da kennenlernt. Und ich finde es auch so toll, dass meine Vergangenheit mit dem Song jetzt noch mal mit einem großen Ausrufezeichen festgenagelt wird. Ich finde es immer schade, wenn man von Künstlern so wenig mitkriegt und immer nur die 2D-Vorderseite sieht. Nee, da ist mehr dahinter, und ich möchte natürlich alle meine Fans und Freunde daran teilhaben lassen.

Das Video zu „Copyshop“ habt ihr in Hongkong gedreht. Wie war das?

Ich war vorher noch nie in Asien. Das war ein Kulturschock. Man kommt da an aus seinem bisschen verschlafenen Köpenick und steht plötzlich unter Neonlichtreklamen und Discogeflacker. Das war aufregend und faszinierend und verrückt. Wir hatten auch keine Drehgenehmigungen, sondern haben uns einfach überall reingestellt und draufgehalten. So etwas liebe ich. Dadurch war immer auch eine leichte Anspannung da – jederzeit kann die Polizei kommen, jederzeit kann dir die Kamera weggenommen werden. Aber das hat alles super geklappt. Die Hongkonger waren so zwischen Irritation und Faszination. Ein Teil dachte sicher: „Sind die denn wahnsinnig? Und was ist das für ein Typ mit diesen Zöpfen?“

© Fabien Prauss

Deine Zöpfe sind dein Markenzeichen. Wann hattest du das letzte Mal kurze Haare?

1994 wurden sie lang, da war ich so 16, 17. Das war die schwierige Phase, die Übergangsphase. Ich war einer der Letzten, der sie hat wachsen lassen, alle Jungs in meiner Klasse hatten damals schon lange Haare.

Wie klappt es mit dem Flechten?

Ich habe so eine kleine Puppe zu Hause, meine Mutter hat mir die geschenkt, und bei der kriege ich es super hin. Aber bei mir scheitere ich immer wieder. Es soll ja auch ansprechend aussehen. Aber es ist krass: Wenn ich jemanden gefragt habe, hat sich immer einer bereit erklärt, mir die Zöpfe zu flechten. Darum habe ich es aus Bequemlichkeit nicht weiter vertieft.

Du machst seit 20 Jahren Musik in unterschiedlichsten Genres: Schlager, Metal, Rap. Gibt es was, das du noch ausprobieren möchtest?

Opernsänger würde mich reizen. Ich gehe seit vielen Jahren zum Gesangsunterricht, und da singen wir oft Nicola Vaccai. Die Songs sind im italienischen Stil geschrieben, und wenn man das singt, kommt man in diesen Rausch, dass man plötzlich im barocken Kostüm mitten auf der Bühne steht. Abgepudert, mit so einer weißen Perücke und einem Schönheitsfleck. Das könnte ich mir vorstellen, schön mit Orchester.

Mit wem würdest du gern ein Duett singen?

Mit Snoop Dogg. Einen Song, wie wir beide den Tag verbringen und ich ihn durch Köpenick führe. Angefangen von Haaremachen, Pediküre, Maniküre. Dann checken wir ein bisschen die Nachbarschaft, quatschen mit ein paar Rentnern, gehen Schwäne füttern, fahren Dampfer, trinken Sekt, dann gehen wir noch Parfüm aussuchen, und abends fahren wir vielleicht zu irgendeiner Party. Und darüber machen wir einen Song. Einfach so ein sonniger Tag bei mir in Köpenick mit Snoop.


Tanja Lemke

Tanja ist Redakteurin bei Business Punk. Wenn sie nicht gerade durch diverse asiatische Länder tingelt, kümmert sie sich hauptsächlich um die Lifestyle-Themen im Magazin. Glücklich machen sie Palmen, Podcasts und Popkultur.

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