Equal Pay Act in Island: Warum das Gesetz den Gender Pay Gap nicht schließen wird

Mit einem Gesetz versucht Island den Gender Pay Gap zu schließen. Eine notwendige Maßnahme, die jedoch das Problem nicht komplett löst.
Von Nicole Plich

Es ist Thema jedes politischen Wahlkampfs: der Gender Pay Gap. Immer noch verdienen Frauen im Schnitt weniger als Männer. Island setzt endlich ein Zeichen und hat als erstes Land der Welt ein Gesetz eingeführt, das verbietet, Frauen schlechter zu bezahlen als Männer. Gleiche Arbeit und gleiche Position bedeutet in Island also auch gleiches Gehalt. Dazu sind Unternehmen mit mehr als 25 Mitarbeitern verpflichtet. Damit sich auch kein Arbeitgeber vor dem Gesetz drücken kann, müssen Unternehmen einen Nachweis erbringen, dass Frauen die gleichen Gehälter bekommen wie Männer. Wer sich weigert, muss eine Geldstrafe zahlen.

Ein radikaler Schritt? Vielleicht für Unternehmen, die profitorientiertes Wirtschaften von ihren Mitarbeitern bezahlen lassen oder schlicht und einfach Kollegen mit fragwürdigen Ansichten. Denn eigentlich sollte Lohngleichheit schon längst Selbstverständlichkeit sein. Schließlich kommt es darauf an, was man im Kopf hat und nicht zwischen den Beinen. Faire Bezahlung ist nicht eine Frage des Geschlechts, sondern der Qualifikation. Da ist Island jetzt wohl einigen Ländern einen Schritt voraus. Wenn Unternehmen nicht von sich aus auf die Idee kommen, Frauen den gleichen Lohn zu zahlen wie Männern, dann muss eben ein Gesetz her. Natürlich setzt sich der Lohn in der Realität nicht nur aus Position und Qualifikation zusammen. Auch Faktoren wie etwa die Berufserfahrung eines Mitarbeiters spielen eine Rolle. Doch auch dafür lassen sich Regelungen finden.

Gesetze – ein notwendiges Übel

Ein solches Gesetz allein wird den Gender Pay Gap jedoch nicht schließen. In Deutschland lässt dieser sich nach Zahlen des Bundesamts für Statistik in fast 75 Prozent der Fälle mit strukturellen Unterschieden erklären. Das heißt: Frauen sind häufiger in Bereichen tätig, die schlechter entlohnt werden. Berufe im Bereich der Pflege oder der Erziehung müssten also gesellschaftlich höher gewertet werden. Zum anderen arbeiten viele Frauen auch in Teilzeit. Das wiederum hat damit zu tun, dass es in Deutschland für Frauen immer noch schwierig ist, Beruf und Familie erfolgreich zu vereinbaren. Dennoch ist das Gesetz notwendig, denn im Schnitt liegen die Gehälter von Männern und Frauen auch in der gleichen Branche auseinander. Eine Lohndiskriminierung lässt sich also nicht leugnen.

Auch in Deutschland tritt ein Gesetz in Kraft. Ab dem 6. Januar haben Frauen ein Recht darauf zu erfahren, wie viel ihre männlichen Kollegen verdienen. So soll verhindert werden, dass Arbeitgeber ihre Mitarbeiter nach Geschlecht bezahlen. Ob das wirklich was bringt ist fraglich, aber besser als nichts. Denn verglichen werden die Löhne nicht von Einzelpersonen, sondern von Personengruppen mit vergleichbarer Qualifikation, also ein Durchschnitt. Und wir wissen alle, wie das so mit Durchschnitten ist: der eine liegt drüber und der andere drunter. Das Thema des Gender Pay Gap scheint also leider eine Never Ending Story zu sein. Gesetze hin oder her.


Nicole Plich

Nicole studiert den Klassiker „Irgendwas mit Medien” und hat noch den idealistischen Anspruch mit Wörtern die Welt zu bewegen. Wenn sie im Internet mal nicht nach lustigen Donald Trump-Memes sucht oder Fantheorien zu Game of Throns liest, interessiert sie sich für Popkultur, Wirtschaft und was im Bundestag so vor sich geht.

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