7 Dinge, die ich als Investment-Banker gelernt habe

Mein erster Job nach dem College war als Tech-Investment-Banker in San Francisco. Bei den Vorstellungsgesprächen in den Unternehmen habe ich Leute von 80 bis 100-Stunden-Wochen reden hören. Ich nahm an, dass sie entweder den Macho raushängen ließen oder einfach einen jungen Bewerber einschüchtern wollten.

Da lag ich falsch. War nämlich doch wahr.

Das Blöde an 100-Stunden-Wochen? Dass deine Gesundheit, deine zwischenmenschlichen Kontakte und einfach auch dein Bezug zur Realität schnell flöten gehen. Wenn alle anderen 40-Stunden-Wochen arbeiten, dann bedeutet das, dass du 2,5 Wochen für jede „normale“ Arbeitswoche runterreißt. Kehrseite: Als überarbeiteter Banker bekommst du in kürzester Zeit ziemlich schnell ziemlich viel mit.

Einiges davon kann ich heute als Ex-Banker vielleicht nicht mehr unbedingt sinnvoll anwenden (beispielsweise wie man ein „Banker Pitch Book“ erstellt).

Es gab aber auch andere Sachen, die ich gelernt habe und die bis heute sehr nützlich sind. Die sind nicht unbedingt Banker-spezifisch – mit einem Schuss Out-of-the-Box kannst du die sicher auch auf deinen Bereich anwenden.

1. Sei dir gewiss, dass du das richtige Ziel verfolgst

Banker verbringen einen Großteil ihrer Zeit damit, sich auszurechnen, was sie am Ende verdienen. Und diese Gedanken werden natürlich noch intensiver, sobald die Bonussaison vor der Tür steht. Ging mir anfangs als Analyst nicht anders. Schlechte Entscheidung.

Erst später ist mir bewusst geworden, wie idiotisch es war, sich schon so früh in der Karriere nur um Geld zu kümmern. Viel wichtiger waren Erfahrungen und Lernprozesse. Als ich mich dann mit etwas Abstand umsah, fiel mir auf, dass ich nicht die Analysten hätte nachahmen sollen, die die dicksten Boni einstrichen, sondern die, die für die Associates und die Partner arbeiteten und die willens waren, einem auch mal Sachen beizubringen oder interessanten Kunden vorzustellen.

2. Lern die Keyboard-Shortcuts auswendig – Kein Witz.

In meiner ersten Woche im Job hat sich einer der älteren Analysten netterweise an meinem Schreibtisch bedient und einfach die Maus mitgehen lassen. Das hat mich zeittechnisch erst einmal zurückgeworfen. Aber sobald du die Shortcuts für Excel, PowerPoint und Word draufhast, wird dir bewusst, wie lächerlich langsam es mit der Maus vorangeht.

Klingt nach einer albernen Lektion? Wahrscheinlich schon, wenn du gerne Zeit verschwendest.

3. Dass es keine Free Lunches gibt, weißt du schon. Es gibt aber auch kein Free Dinner

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie aufgeregt ich war, dass die Bank für unser Abendessen zahlte, wenn wir über einen bestimmten Zeitpunkt hinaus blieben. Free Dinner! Noch ein großer Fehler. Denn wenn der Leitfaden diese Klausel enthält, ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass du auf jeden Fall bis spät in die Nacht bleiben wirst – und zwar oft.

Die Begeisterung über Free Dinners wich einem drögen Abend nach dem anderen, den ich mit Ahi Tuna Salad von demselben Restaurant am Schreibtisch verbrachte, während ich ein paar Zahlen in eine PowerPoint-Folie hackte.

Seitdem hatte ich meines Wissens nach keinen Ahi Tuna Salad mehr.

4. Atme mal tief durch

Heute haben Investment-Banker nicht den allerbesten Ruf. Nicht unbedingt zu Recht. Denn ich zwar auf jeden Fall mehr als genug Volltrottel kennengelernt, allerdings auch jede Menge hervorragende Menschen, die bis heute gute Freunde sind.

Klar: Man muss auch mal richtig ranklotzen. Aber wenn du deinen Kopf nur in Arbeit vergräbst, dann verpasst du einiges. Menschen, von denen du viel lernen kannst, die vielleicht sogar deiner Karriere behilflich sein können oder einfach nur so menschlich gesehen allererste Sahne sind. Wenn du schon bei Free Dinners rumsitzen musst, dann nutz doch die Gelegenheit zum Connecten.

5. Saug Wissen auf

Was ich vorhin über die 100-Stunden-Wochen gesagt habe? Tja, wenn es dir nur darum geht, die Zeit runterzureißen, dann bringt dir das alles sicherlich nicht viel. Es gibt zwar einen großen Teil beim Investment-Banking, bei dem dir vor lauter Langeweile die Augen aus dem Kopf fallen wollen, anderes aber war wieder sehr, sehr cool und verlangte danach, dass man es sich unbedingt zu eigen machte.

Wie das geht? Supereinfach: 1) Augen und Ohren auf, dass du alles mitbekommst und 2) tausend Fragen stellen.

6. Sei voll dabei

Ich bin nicht Banker geworden, weil es schon immer mein Traum war, Banker zu werden. Das galt auch, als ich später in Privatkapital gegangen bin. Ich wollte Geld verdienen.

Vielen Bankiers ging es so wie mir. Die meisten verließen die Branche und fanden etwas anderes, andere blieben beim Banking und machten so weiter wie immer: die Arbeit hassen, das Geld lieben, bzw. nach Geldscheffeln süchtig sein.

Versteht mich nicht falsch: Am Banking ist nichts verkehrt. Ich habe auf meinem Weg viele Menschen getroffen, die voll und ganz Banker waren. Die fanden das geil. Ich will nicht sagen, dass Investment-Banking schlecht ist. Aber du kannst eine Karriere nicht ewig damit aufrecht erhalten, bloß weil das Geld stimmt.

7. Besser als ein Porsche? Sparen und investieren

Als frischgebackene College-Absolvent hatten wir plötzlich viel mehr Geld als gut für uns war. Und das gaben wir für genau die Sachen aus, die du von frischgebackenen College-Absolventen erwarten würdest. Einer hat die erste Boni-Zahlung gleich in einen Porsche gesteckt. Andere kauften wahllos Fernseher, Konsolen, Tech-Krempel. Viele leisteten sich ultra-teure Wohnungen – was in San Francisco nicht ganz so schwierig ist.

Aber weißt du, was so richtig heiß ist? Wenn einem alle Möglichkeiten offen stehen.

Mit einem meiner Banking-Kollegen habe ich noch dann und wann Kontakt. Er wollte immer unbedingt raus aus der Banking-Tretmühle und ein Videogame-Unternehmen gründen. Jedes Jahr sagte er: “Dieses Jahr ist Schluss. Ich hör auf! Direkt nach den Boni.” Die Boni wurden gezahlt, und ihm wurde dann bewusst, dass die Kosten für die Autos, die Hypothek und der ganze Rest seines Lifestyles bedeuteten, dass er praktisch an den Job gefesselt war. Ich habe mir abgewöhnt, ihn auf seine Pläne anzusprechen.

Andere waren klug genug, einen Teil des Geldes anzulegen. Die lebten jetzt nicht gerade wie die Mönche – die meisten waren bei jeder Party dabei. Aber sie hatten begriffen, dass Sparen und Investieren ihnen nicht nur schon ziemlich früh die Gewissheit auf ein sehr entspanntes Rentnerdasein bescheren würde, sondern sie auch nicht ans Banking fesselt.

Das gilt natürlich nicht nur für das Investment-Banking. Egal, in welcher Branche du tätig bist und wieviel du dabei verdienst, Anlegen und Investieren gibt dir immer eine ganze Handvoll an Möglichkeiten schon während deiner Karriere. Und für die Zeit danach erst recht.

Und wie man das am besten anstellt – nun, Leuten wie mir zu helfen, das ist meine Aufgabe bei The Motley Fool.


Matt Koppenheffer

Matt ist Geschäftsführer von The Motley Fool GmbH (Fool.de), einer Tochter des weltweiten Champions für Kleinanleger, The Motley Fool (Fool.com). Früher war er Investmentbanker und Associate bei einer Private Equity Bude, jetzt engagiert er sich mit dem Ziel, der Welt zu helfen besser zu investieren. Zudem Ultramarathoner, Kaffee-Junkie, ungeheuerlicher Buffett-Fan, und Weltreisender… doch in Berlin verliebt ist.

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