Erfindet wenigstens mal andere Consulting-Märchen

Wir erzählen dem Kunden nicht, was er tun soll, sondern finden es gemeinsam mit ihm heraus

Gute Beratungsprojekte leben von einer sehr engen Zusammenarbeit mit dem Kunden. Hast Du schon einmal versucht jemandem zu helfen, ohne zu wissen, was Deinem Gegenüber fehlt? Richtig, geht schlecht. Daher sind in aller Regel übrigens auch deutlich mehr Kundenmitarbeiter an Projekten beteiligt als Berater.

Wir verkaufen dem Kunden keine Blaupausen

Das Ziel strategischer Beratung muss ja immer ein entscheidender Wettbewerbsvorteil für den Kunden sein – das gelingt sicher nicht mit unoriginellen Lösungen. Kein Kunde würde uns dafür beauftragen – zu Recht.

Wir gestalten die Zukunft mit

Nur einige konkrete Beispiele: Meine Kollegen und ich suchen gerade nach Antworten, wie die Qualität in Krankenhäusern verbessert werden kann, fragen uns, welche Chancen die Digitalisierung unserem Gesundheitssystem bietet, wie man die weltweite Antibiotika-Forschung ankurbeln kann oder wie man die Kapazität einer Medizintechnik-Fabrik in Puerto Rico erhöhen kann. Das alles sind Projekte, die uns wirklich begeistern. Natürlich gibt es auch Projekte, die eher umsetzungsorientiert sind – das genau macht die Abwechslung und die Entwicklung aus.

Wir haben nicht nur Teams mit Consulting-Frischlingen

Unsere Teams bestehen aus einem Mix aus jungen und erfahrenen Beratern sowie Analysten und Experten aus verschiedensten Disziplinen. Kein Kunde gibt sich mit reinen Jugend-forscht-Truppen ab. Nur mit Experten für Big Data, Human Centered Design für digitale Produktinnovationen, neuen Produktionsmethoden, Industrie 4.0 können wir innovative Strategien entwickeln. Deswegen stellen wir neben Wirtschaftswissenschaftlern auch Mediziner, Ingenieure, IT-Spezialisten und Historiker ein. Erst durch die gegenseitige Inspiration unterschiedlicher Talente entsteht die innovative Kraft, die den Unterschied für den Kunden macht.

Wir wollen Flexibilität – im Job und für das Privatleben

Der Berateralltag ist hart – ohne jede Frage. Aber warum fragen Autoren wie Ben Schulz nicht bei einem der vielen Berater nach, was er genau macht und warum, statt einen Berater zu beschreiben, den er „mal Tom nennt“? Und dessen Alltag – wie er ihn beschreibt – in der Tat erschreckend ist. Berater fliegen viel – stimmt. Wir arbeiten viel und sind auch viel beim Kunden – das ist der Kern unseres Jobs. Aber Berater sind natürlich keine Burnout-Zombies – ohne Freunde, Familie und Spaß im Leben. Wir wären schlechte Berater unseres eigenen Unternehmens, wenn wir keine Antworten darauf hätten, wie wir unsere Mitarbeiter motivieren, entwickeln und inspirieren können. Dafür kreieren gerade wir neue Arbeitszeitmodelle, die versuchen, Leben und Arbeit unserer Leute in Einklang zu bringen. Seit diesem Jahr kann zum Beispiel jeder unserer Berater jedes Jahr zusätzlich zu seinem Urlaub zwei Monate Auszeit nehmen. Zum Reisen, für die Familie, um in Uganda bei einer NGO zu arbeiten oder einfach in der eigenen Hängematte ein Buch zu lesen, um Luft zu holen –  wofür auch immer.

Wir fordern viel – fördern aber auch viel

„Up-or-out“ hin oder her – jeder Berater, der bei uns startet, hat eine ganze Palette von Trainings oder Mentoren. Beratung kann die Hauptrolle fürs Leben sein oder auch nur ein Gastauftritt. Viele gründen danach ein Unternehmen oder wechseln in ein anderes. Das ist doch super.

Wer wieder einmal über Consulting schreiben möchte, kann gern bei uns vorbeikommen. Derjenige wird überrascht sein.

Diese Kolumne ist das Gegenstück zum Text „Crash Consulting: Warum du kein Berater werden solltest“ von Ben Schulz.


Benjamin Grosch

Benjamin Grosch ist Partner und Mitglied der Geschäftsführung der Boston Consulting Group in Deutschland und Österreich. Er hat Chemie studiert – in München, Berkeley und Osaka. Sein Spezialgebiet ist das Gesundheitswesen. Neben BCG begeistert er sich für Filmproduktion und Politik.

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