Folgerichtig: „Fear The Walking Dead“

Am Sonntag startete mal wieder ein Exemplar der neu aufkommenden Spin-Off-Spezies – und wie! Mit dem Rekord von 10,1 Millionen Zuschauern hat der „The Walking Dead“-Ableger die meistgesehene Pilotfolge der US-Kabelfernsehgeschichte hingelegt. Zufall? Nicht wirklich, ist die Mutterserie doch mit oftmals über 14 Mio. Zuschauern trotz vermeintlich spitzem Thema Zombies Walker das aktuell mainstreamigste Format (neben Pay-TV Platzhirsch „Game of Thrones“) im Fernsehen. Dabei hatte die Comic-Adaption von Robert Kirkman 2005 bei ihrer ersten Episode 5,4 Mio. Zuschauer. Jetzt haben natürlich alle eingeschaltet, um zu sehen, was die Kollegen da im Rahmen der Universums-Erweiterung angestellt haben. Ich versuche euch möglichst spoilerfrei zu sagen, ob „Fear The Walking Dead“ etwas taugen könnte.

Andere Zeit, anderes Setting

Kein Atlanta, keine halb ausgelöschte Menschheit, keine Horden an Untoten. „Fear The Walking Dead“ ist eine Art Prequel, das sich vor die Zeit von „The Walking Dead“ („TWD“) spannt, das sich durch ein mehrwöchiges Koma von Hauptcharakter Rick Grimes mitten in die Apokalypse geschlafen hatte. Somit ist es der erste echte „TWD“-Inhalt (vielleicht neben der Spiele-Reihe von Telltale), der komplett unabhängig von der Comicvorlage ist.

Alles spielt 3.110 Kilometer Luftlinie und etwa vier Wochen vom Schauplatz des Originals entfernt. In Los Angeles bleiben auf einmal erstaunlich viele Schulkinder dem Unterricht fern – geht da etwa eine Grippe um? Die ersten Walker erscheinen und sind für unsereins direkt identifizierbar, wir wollen deren Köpfe rollen sehen, wissen, wie wir uns zu verhalten haben, haben wir doch so viel in den vergangenen Jahren gelernt. Die Leute von L.A. sind aber perplex, glauben an Drogenträume, gefakete Internetvideos, das Gute in den scheinbar ja nur kranken Liebsten. Und mittendrin eine Lehrer-Patchwork-Familie und Drogenjunkie Nick Clark. Der trifft auch auf den ersten Walker der Sendung.

Fear The Walking Dead

Bissfester Einstieg

Der Einstieg ist – meiner Meinung nach – sehr gelungen. Es wird bewusst eine TWD-ähnliche Atmosphäre geschaffen, die plötzlich ins belebte Hier und Jetzt vor der Fast-Auslöschung der Menschheit führt. Wer sich zum Beispiel noch an den ersten Walker (Bicycle Girl) aus The Walking Dead erinnert, weiß, dass der Fokus hier deutlich anders ist (und erfreut sich eines deutlich attraktiveren Untotenbildes).

You expect a certain of thing of The Walking Dead. We want to give that sense and then pull the rug out from under them

Es geht um die Verwirrung der Leute. Um die fassbare Angst. Um den Umgang mit Unbekannten und das zu entstehende Chaos bei Bürgern und Behörden. Genau darin liegt jede Menge Potenzial, fragt sich nur, wie und ob die Macher es auszuspielen wissen. Der Auftakt war jedenfalls durchaus gelungen und hat den anderen Charakter der Serie gut zeigen können. Dazu hat mir das Spiel von Frank Dillane als Haupt-Charakter Nick sehr gefallen und ein wenig an den jungen Johnny Depp erinnert (was jetzt total blöd für eine Zombie-Serie klingt, aber es sind vermutlich die Haare und der Blick). Die erste Staffel wird mit ihren sechs Folgen nur anreißen, was möglich ist, und die Zeit von „TWD“ (noch) nicht einholen. Spannend wird es bei dem absehbaren Erfolg des Ablegers, wie sich gegebenenfalls in Zukunft die Pfade der Reihen kreuzen werden. Vielleicht gibt es ja gar Einflüsse auf die noch weiter laufende Comic-Reihe? Eine zweite Staffel mit 15 Folgen für 2016 ist längst geordert. Da war sich AMC verdammt sicher, dass die Menge mehr will und der Auftakt gibt ihnen Recht.

Die ersten drei Minuten und mehr

Falls ihr noch gar nichts gesehen habt – hier könnt ihr die ersten drei Minuten der Pilotfolge anschauen. Weitere Informationen rund um die Charaktere und das Setting könnt ihr hier finden und drüben haben wir auch ein ausführliches Review des Piloten inklusive blutroter Walker-Spoiler. Sehen könnt ihr „Fear The Walking“ Dead jeweils (ab) Montag über Amazon Prime Instant Video.


Maik Zehrfeld

Maik ist Blogger und Gründer von LangweileDich.net - sein Serienfan-Dasein lebt er auf serieslyAWESOME.tv aus. Mag den BVB, Pizza, gute Musik und billige Wortspiele.

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