Narcos ist da! Interview mit Hauptdarsteller Wagner Moura

Herr Moura, haben Sie in den 80er-Jahren als Kind die Geschichte von Pablo Escobar mitverfolgt?

Ich weiß nicht mehr viel. Aber ich erinnere mich daran, wie ich Escobars fette Leiche auf einem Hausdach im Fernsehen gesehen habe. Ich erinnere mich auch an den Bombenterror in Bogotá und an die Nachrichten, dass es seinerzeit die gefährlichste Stadt der Welt war. Ich wusste nicht viel über ihn.

Wie sehen Sie Pablo Escobar?

Er ist eine sehr vielschichtige Persönlichkeit. Natürlich war er einer der grausamsten Menschen auf diesem Planeten, aber er war auch ein guter Ehemann, hat seine Kinder geliebt und hat Tausenden armen Leuten in Kolumbien Gutes getan. Darum sehe ich ihn trotz allem als Menschen.

Wie geht Kolumbien heute mit dieser Vergangenheit um?

Escobar hat die Geschichte Kolumbiens geteilt: in die Ära vor ihm und die Ära danach. Die meisten Kolumbianer hassen ihn für das, was er angerichtet hat. Fast jeder kennt jemanden, der durch die Bombenanschläge in Bogotá ums Leben kam. Trotzdem gibt es in Medellín Orte, wo du Schwierigkeiten bekommst, wenn du etwas Negatives über Escobar sagst. Beispielsweise im Barrio Escobar, wo die Häuser stehen, die er damals den Armen schenkte. Dort gibt es eine Mauer, auf der das Gesicht von Pablo Escobar abgebildet ist – und neben ihm Jesus Christus.

Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Ich bin etwa sechs Monate vor Drehbeginn nach Medellín gezogen und habe mich an der Uni eingeschrieben, um Spanisch zu lernen. Eine Sprache zu lernen, um einen so komplexen Charakter zu spielen, war die größte Herausforderung meiner bisherigen Schauspielkarriere. Es kam ein Punkt, an dem ich dachte, das wäre unmöglich. Hinzu kam, dass ich für die Rolle 20 Kilogramm zunehmen musste, also habe ich praktisch die ganze Zeit gegessen. Um mich vorzubereiten, habe ich vermutlich alle Werke über Escobar gelesen und gesehen, die existieren. Nur um anschließend alles zu vergessen und meine eigene Interpretation von ihm zu spielen. Denn ich glaube, letztendlich kommt es auf deine persönliche Sicht auf den Charakter an, den du zu imitieren versuchst.

Wie ging es Ihnen im Vorfeld damit, Pablo Escobar zu spielen?

Am Anfang, als ich in Kolumbien ankam, hat wirklich großer Druck auf mir gelastet. Ich habe niemandem verraten, weshalb ich dort war, weil ich Angst hatte, die Leute würden mich auslachen. Ich dachte, es würde lächerlich wirken, dass ich, ein dünner Brasilianer, der die Sprache nicht spricht, Pablo Escobar, eine kolumbianische Legende, spielen soll. Schließlich hat er das wohl profitabelste Business der Geschichte erfunden, indem er in Peru und Bolivien Kokain gekauft und es für den 200-fachen Wert in den USA wieder verkauft hat.

Warum sind Filme und Serien über Drogen so erfolgreich? 

Ich schätze, die Leute wollen Menschen sehen, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten, die Dinge tun, die man normalerweise nicht macht. Das betrifft nicht nur Drogen, sondern Outlaws im Allgemeinen. Und ich glaube, dieses Interesse beschränkt sich nicht auf Fiction, viele finden sogar Polizeiberichte in der Tageszeitung spannend.

Was ist Ihre persönliche Meinung zu Drogen?

Ich bin der Meinung, Drogen sollten legalisiert werden, da insbesondere in Lateinamerika weit mehr Personen im Drogenkrieg ums Leben kommen als an einer Überdosis sterben – vor allem die armen Menschen in armen Ländern. In meinen Augen ist Drogensucht ein Gesundheitsproblem, darum sollte Geld investiert werden, um Abhängige medizinisch zu behandeln.

Das Interview stammt aus der aktuellen Business Punk 04_2015. Titel-Thema: $UCCESS BY DRE – der Aufstieg des Hip-Hop-Moguls zum reichsten Rapper der Welt. Das brandneue Heft gibt es übrigens HIER!


Tanja Lemke

Tanja ist Redakteurin bei Business Punk. Wenn sie nicht gerade durch diverse asiatische Länder tingelt, kümmert sie sich hauptsächlich um die Lifestyle-Themen im Magazin. Glücklich machen sie Palmen, Podcasts und Popkultur.

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