Random & Fun Board of the Lords: Mit dem elektrisch angetriebenen Surfbrett erfindet Lampuga ein neues Funsport-Genre

Board of the Lords: Mit dem elektrisch angetriebenen Surfbrett erfindet Lampuga ein neues Funsport-Genre

Bislang haben sie jedes Problem in den Griff gekriegt. Lampugas Produkte kommen inzwischen mit allen Weltmeeren zurecht, Kunden können sie ohne Kurzschlussgefahr im Wasser laden. Aber irgendwann taucht bestimmt etwas Neues auf, womit keiner gerechnet hat. Also weitermachen und wenn wieder was ist: verbessern. „Bananen-Strategie“ nennen sie das bei Lampuga. „Das Produkt reift auf dem Weg zum Kunden“, sagt Köhnsen mit einer Verschmitztheit, die so dezent nur ein Norddeutscher hinbekommt. Sein Mitgründer Hammerla ist direkter: „Die Leute wollen ein Produkt mit iPhone-Funktionalität, mit dem du aber wie mit einem Nokia 3210 ein Haus einwerfen kannst.“

Diese Anspruchshaltung haben die Kunden von Lampuga gewiss nicht exklusiv, sie sind es jedoch gewöhnt, dass sie entsprechenden Service auch bekommen. „Preissensibel“ seien sie zwar nicht, sagt Hammerla – eher so „Das, das, das. Schick mir ’ne Rechnung.“ Aber ungeduldig. Wenn der Kunde aus Asien anruft, dessen Brett kaputt ist, setzt sich in Hamburg ein Mitarbeiter ins Flugzeug, fährt zum Kunden, schraubt das vermeintlich defekte Board auf, fummelt eine halbe Stunde lang die Angelschnur, über die der Mensch offensichtlich gefahren ist, aus dem Jetantrieb, schraubt alles wieder zu und fliegt direkt zurück nach Deutschland, weil am nächsten Tag die Messe beginnt.

Klar, so einen globalen Kundensupport kann das 26-Leute-Startup nur in Einzelfällen stemmen – aber es zahlt auf die Marke ein. Wie überhaupt schon das Label „Made in Germany“ allein ausreiche, die Bretter zu verkaufen, sagt Hammerla, vor allem in Asien. Weniger in Deutschland selbst, wo Lampuga bislang keinen niedergelassenen Händler hat.

Surfbrett

Lampugas CTO Olaf Jacobson, Mitgründer und COO Marc Hammerla sowie Erfinder des Boards und Gründer Benjamin Köhnsen (v. l.)

Funsport als Milliardenmarkt

Die „Low Hanging Fruits“ pflückt Hammerla nicht am Ostseestrand, sondern im Nahen wie ferneren Osten und in Südfrankreich, wo Charteranbieter der schnell gelangweilten Kundschaft ein Elektrobrett auf die 25-Meter-aufwärts-Yacht legen. Den Vertrieb organisiert Lampuga über lokale Händler, wo die Boards neben luxuriösen Booten oder – so auf den Philippinen – neben Ferraris und Maseratis stehen. „Das sind die Brands, mit denen wir zusammen gehandelt werden wollen“, sagt Hammerla.

Der schnelle Aufbau eines globalen Händlernetzes erfolgt auch aus strategischen Gründen. Inzwischen sind erste Konkurrenten auf Roadshow. Bald werden nicht mehr nur Lampuga-Boards durch die Wellen pflügen. Dann wollen die Hamburger wenigstens die bekannteste Marke sein, denn es ist nur eine Frage der Zeit, bis auf das Reichenspielzeug ein Produkt für den Massenmarkt folgt. „Was wir hier machen, ist ein Milliardenmarkt“, sagt Hammerla.

Damit dieser Satz nicht nur nach Selbstvertrauen – oder Größenwahn – klingt, braucht es allerdings etwas mehr als zwei gute Sommer und volle Auftragsbücher für den dritten. Nämlich: eine Vision, die über das Verkaufen eines Gadgets für Rich Kids hinausgeht. Natürlich gibt es die: Und in dieser Vision werden die Boards zum Zentrum eines neuen Funsport-Ökosystems. Lampuga experimentiert mit Augmented Reality. „‚Mario Kart‘ in Real Life“, so Hammerla. Fahrer an den verschiedensten Orten der Welt sollen sich Wettrennen durch virtuelle Tore liefern und um Bestzeiten battlen. Außerdem will man 2017 erstmals eine Art Weltcup veranstalten, eine Mischung aus Racing-Events, Partys, Kunstaktionen und einer Konferenz zum Thema E-Mobility. Alles schön durchgesponsert.

Die Ambitionen des Hamburger Start-ups passen ganz gut zu seinem italienischen Namen: Die Lampuga, zu Deutsch Gemeine Goldmakrele, ist ein bis zu 1,80 Meter langer, an die 40 Kilogramm schwerer Raubfisch, der sich unter anderem von Fliegenden Fischen ernährt. Dazu beschleunigen die Biester auf 60 Stundenkilometer und springen bis zu sechs Meter aus dem Wasser, um sich das Futter vom Himmel zu pflücken.

Köhnsen hat mal eine geangelt, zufällig. Er war mit Freunden auf Mallorca, doch nichts biss. Also tat er vor den Kumpels einfach so, als hätte er einen richtig dicken Fisch am Haken, riss an der Rute, kurbelte, was das Zeug hielt, bis auf einmal wirklich ein fetter Brocken anbiss, was ein bisschen wie die Entstehungsgeschichte seines Startups klingt. Und wer sich – wie einst Köhnsen, nachdem er das ihm unbekannte schillernde Urzeittier aus dem Wasser gezogen hatte – die Mühe macht, die Gemeine Goldmakrele zu ergoogeln, der kann nachlesen, dass der Fisch so ziemlich die gleichen Leistungsdaten hat wie die Boards von Lampuga. Zufall, natürlich. Aber vielleicht sollte Köhnsen es sich noch mal überlegen. Seine Anglergeschichte wäre zumindest ein ziemlich exzellenter Gründungsmythos.

Business Punk

 

Der Artikel stammt aus der Ausgabe 04/2016. Mehr Informationen gibt es hier.

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