Sex Sells: Wie “Amorelie“ der heißeste Online-Sexshop des Landes wurde

Wie eine Sexshopbetreiberin sieht sie wirklich nicht aus. „Keine Silikonbrüste, keine aufgeblasenen Lippen – am Anfang waren viele überrascht, dass ausgerechnet jemand wie ich den Markt für Sexspielzeug revolutionieren will“, sagt Lea-Sophie Cramer – groß, schlank, blond – und lacht laut auf. Die entsprechenden Handgriffe aber, die beherrscht sie komplett.

Wenn Cramer, nur als Beispiel, über einen von der Form an Kastagnetten erinnernden Paarvibrator namens We-Vibe 4 spricht, machen ihre Hände die entsprechenden Bewegungen: Hier – Cramer hält ihre linke Hand flach vor sich – sind Klitoris und G-Punkt, da kommt der We-Vibe 4 hin – Cramer umgreift die linke Hand mit der rechten Hand – und dorthin, zeigt sie, kommt dann der Penis des Mannes. Dafür aber, dass Cramer nicht als überzeugte Sexualaufklärerin oder Apologetin von Sexspielzeug, sondern als kühle und smarte Rechnerin zu diesem Geschäft gekommen ist, wirkt sie schon unfassbar souverän.

Das ist nicht ganz unwichtig, schließlich ist Cramer die Gründerin und Chefin von Amorelie, einem der derzeit wort- wörtlich heißesten Startups Deutschlands – einem Onlineversand für Sexspielzeug und Dessous, der eineinhalb Jahre nach Gründung gerade einen zweistelligen Millionenbetrag von seinen Altinvestoren Paua Ventures und Otto Capital sowie
 vom Pro Sieben Sat.1-Inkubator Epic Companies einwerben konnte (wenn auch Epic Companies zum Teil in Form von Werbeminuten im TV zahlt). Und der mit seiner Ausrichtung und seinem Erfolg den Branchenveteranen Beate Uhse derart unter Druck gesetzt hat, dass dessen Website, Ausrichtung und Sortiment seit wenigen Wochen erstaunlich an das Startup von Cramer und ihrem Geschäftspartner Sebastian Pollok erinnern.

“Ich wusste nicht einmal, was der Unterschied zwischen einem Vibrator und einem Dildo ist.“

Das Konzept von Amorelie ist dabei
 so simpel wie smart: Der Onlineversand verkauft Sexspielzeug fast ohne jeden Hauch von Anzüglichkeit und Herrenwitz. Statt in Rot- und Rosatönen ist die Homepage schwarz und weiß und sehr klar strukturiert. Dafür gibt es ausführliche Produkttexte zu Handhabung, Anwendung und Pflege der insgesamt 8.500 Artikel, niedrigschwellige Erklärvideos mit sympathischen jungen, aber nicht zu perfekt aussehenden Paaren und einen anonymen Chat, bei dem all das zu Sexspielzeug gefragt werden kann, was nach Cramers Meinung bei anderen Versandhäusern vorausgesetzt wird: Grundwissen. Dass es damit im Zweifelsfall nicht allzu weit her ist, kennt sie aus eigener Erfahrung: „Bevor ich Amorelie gegründet habe, wusste ich nicht einmal, was genau der Unterschied zwischen einem Vibrator und einem Dildo ist“, sagt sie und lacht schon wieder.

So begeistert und freudig Cramer über Amorelie auch spricht, die Entscheidung für das Geschäft mit den heißen Artikeln war kühles Kalkül: Aus ihrer Zeit als Vice President International bei Groupon, wo Cramer mit Anfang 20 bereits 1.200 Mitarbeiter in elf asiatischen Ländern leitete, wusste sie, dass sich Vibratoren im Netz besonders gut verkaufen. Sogar die Gründer des eigentlich auf Designaccessoires und Einrichtungsgegenstände spezialisierten Versandhauses Fab, erzählt sie, hätten bei einer Techcrunch-Veranstaltung mal ausgeplaudert, dass Vibratoren zu ihren bestverkauften Produkten gehörten.


Das können wir Dir auch empfehlen

placeholder
placeholder
placeholder