Innovation & Future Gastbeitrag: Warum die meisten Innovationen nicht die Welt retten

Gastbeitrag: Warum die meisten Innovationen nicht die Welt retten

Der Sinn: Wohin soll’s gehen?

Wenn wir uns weltbewegende Ideen wünschen, müssen wir nach richtungsgebenden Idealen fragen. Fortschritt ist uns heilig. Aber welcher Gott steckt hinter dem Heiligenschein? Wohin schreiten wir fort? Gerade bei digitalen Innovationen scheint der Fortschritt darin zu bestehen, noch grenzenloser zu surfen, Laptops zu bauen, dünn wie eine Scheibe Emmentaler. Was fehlt, ist sozial ausgehandelte Zukünftigkeit.

Spulen wir etwas zurück: Im 19. Jahrhundert mussten die verheerenden Nebenwirkungen der industriellen Fabrikationssysteme eingehegt werden. Unter Kämpfen wurde dem proletarischen Elend innovativ begegnet: Arbeiterbildungsvereine, Gewerkschaften, Gesundheits- und Sozialvorsorge, Infrastrukturen. So konnte Wandel sozial aufgefangen werden. Die Ideen folgten dabei einem deutlichen liberalen Fortschrittsideal. Dieses Ideal sicherte die Stabilität von Gesellschaften in Phasen massiver Umbrüche.

Lassen sich daraus, jetzt wieder vorgespult, Hinweise für die Behandlung gegenwärtiger Probleme entnehmen? Auch heute stehen wir vor Entwicklungen, die ebenfalls Antworten brauchen: Globale Migration, Vertrauensverlust in etablierte System, ein vollkommen veralteter Bildungs- und Arbeitsbegriff, Jugendarbeitslosigkeit. Dies sind Nebenwirkungen der Digitalisierung und vorangaloppierenden Globalisierung. Welchen Fortschrittsbegriff können wir dem entgegensetzen? Was ist unser Ideal von der Zukunft? Und nicht zuletzt: Welche Innovationen können wir dann auf dieses Ziel lenken?

Wer erkennt, dass es Empathie, Raum, Anreize und auch Sinn braucht, wird feststellen: Wirklich weltbewegende Innovationen können nicht in den abgezirkelten Startup-Blasen von Tel Aviv oder Berlin entstehen. Sie brauchen uns alle.

Hans Rusinek ist Innovationsberater und als Experte für das Themenfeld „Moral & Märkte“ Mitglied im thinktank30 des Club of Rome. Zusätzlich setzt er sich als Redakteur beim „Transform Magazin“ mit Fragen von sozialen Innovationen in einer sich wandelnden Gesellschaft auseinander. Er studierte VWL, Philosophie und Internationale Politik in Bayreuth und an der London School of Economics. Mehr zu ihm auf Twitter

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