Der ewige Loop: Eine gewöhnliche Arbeitswoche in fünf GIFs

Jede Woche der gleiche Schmarrn. Wir spannen von Montag bis Freitag unser Drahtseil und balancieren darauf durch jede noch so typische KW. Die Momente, die Termine mögen sich von Woche zu Woche unterscheiden – die Motive, die Verhaltensmuster tun es nicht. Jede Woche: eine ständige Wiederholung von Aufstieg und Fall, Zwist und Versöhnung. Was würde diese Gesetzmäßigkeit besser beschreiben als ein Bild, dessen Inhalt selbst in einem ewigen Loop gefangen ist: ein GIF.

Montag


Ähm ja, Montag halt. Tag des Zorns. Wütende Wochenendexilanten fluten die Büros der Republik und verlieren sich in kollektiver Produktivitätssimulation. Tatsächlich: Nichtstun, rumhängen und mental leicht einen in der Delle haben. An Montagen stellt man traditionell die allgemeine Sinnfrage: Wozu das Ganze? Warum gebe ich mir eigentlich diesen Rotz? Montage sind: der kalte Entzug für jeden, der es wagt am Wochenende auch nur für ein paar Stunden den süßen Seiten des Lebens zu frönen. Der Absturz folgt tags darauf. Am Ende eines jeden Montags denken wir uns: Hätte man sich sparen können. Produktivitätslevel gleich Nullkommanull.

Dienstag

Willkommen zurück unter den atmungsaktiven Zweibeinern. Heute heißt es: zupacken, ballern, über den Regenbogen rutschen. Der PAX (Persönlicher Aktienindex) schießt rapide in die Höhe. Dienstage sind pure Überperformance-Paraden. Hunderte ungelesene Emails werden im Leoparden-Tempo abgegrast, in Meetings reißen wir das gesamte Team mit eloquenten Monologen über makroökonomische Zusammenhänge mit, wir mutieren zum Superhirn mit genialen Absatzstrategien für das vierte Quartal. Wir sind wer. Dienstags wird deliverd.

Mittwoch

An diesem Tag halten wir inne und stellen uns die berechtigte Frage: Sind wir nicht zu gut für diesen Job? Gehören wir nicht in die vergoldeten Stuben höherer Ämter? Mal ganz ehrlich: Wer ist denn hier Head of Everything? Wer bleibt abends länger, um dem Pitch eine letzte, entscheidende Note zu geben? Na wir. Und wer fädelt die lukrativsten Deals ein? Ja, guess what? Wir. Also, Schreibtisch räumen, tschüssikowski und so. Oder etwa nicht? Hmh, wir kommen ins Grübeln. Eigentlich doch ganz nett hier, die Atmosphäre, alles wie Familie. Und irgendwo anders nochmal bei Null anfangen? Puh. Lass mal lieber. Nächstes Jahr bestimmt, klar.

Donnerstag

Kein KW-Grind ohne Beef unter Kollegen. Und welcher Tag eignet sich dafür besser als der Tag des Donners? Genau. Wer im Büro die Muskeln spielen lässt, wer Erfolge pumpt und auf egomanische Selbstverwirklichungstrips steil geht, der macht sich Feinde, Neider. Der Clash ist also vorprogrammiert und bitte: Ring frei. Streit gehört dazu. Genauso wie die Versöhnung. Am Ende war alles doch gar nicht so gemeint. Und: Wollen wir den Friedenspakt mit den neusten, picobello Umsatzzahlen begießen? Ja? Schön.

Freitag


Per Kickflip in das Wochenende. Freitags ist die Welt schwer in Ordnung. Allen Mitarbeitern hängt ein Lächeln im Gesicht – steht ihnen gut. Warum nicht jeden Tag so? Kurz vor dem Wochenende schalten alle in ihren Gute Laune-Modus, alle sind plötzlich von einer unfassbaren Leichtigkeit beseelt. Heute glauben wir alle fest an das Projekt, klar schaffen wir das! Extrameilen, Überstunden – kein Problem, machen wir Chef. Nur nicht heute. Heute ist fucking Friday. Ab 16 Uhr bilden sich die ersten Alkohol gedüngten Grüppchen in der Kaffeeküche. Wir haben uns alle lieb – an einem Freitag. Da ist der Montag noch weit weit weg.


René Krempin

René Krempin hat Kultur- und Medienwissenschaften studiert und über mehrere Stationen bei Print- und Online-Medien den Weg in die Agentur gefunden. Er ist freier Autor und arbeitet bei der Agentur OSK als Online- und Social-Media-Redakteur. Mit großem Interesse verfolgt er unter anderem die Entwicklungen in der eSports-Szene. In seiner Freizeit ist er aber auch gerne analog unterwegs: mit Freunden auf dem Bolzplatz.

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